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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

18. November 2017 | 05:39 Uhr

Gadebusch : Schwere Vorwürfe gegen Angler

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Marco Kern, der Ex-Chef vom Gadebuscher Sportfischerverein e.V., bezichtigt Vereinsmitglieder des sogenannten Trophäenfischens

svz.de von
erstellt am 13.Sep.2017 | 05:00 Uhr

Mit der Ruhe beim Angeln ist es in der Münzstadt wohl erst einmal vorbei. Nach dem Ende des zweijährigen Vorsitzes im Gadebuscher Sportfischerverein e.V. erhebt Marco Kern nun schwere Vorwürfe gegen Vereinskollegen. Mehrere Vereinsmitglieder sollen sogenanntes Trophäenfischen betreiben. Dabei werden möglichst große Fische nach dem Drillen lebend aus dem Wasser gezogen, ohne Betäubung oder Tötung vom Angelhaken gelöst, gewogen und gemessen, vor einer Kamera präsentiert und anschließend wieder in das Gewässer gesetzt. Ein klarer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.

Zum Beweis zeigt Marco Kern ein Video, das im Internet auf dem Videokanal Youtube zu sehen ist und auf dem Burgsee in Gadebusch aufgenommen worden sein soll. Ein junger Angler präsentiert darauf für einen kurzen Augenblick einen gut einen Meter großen Hecht und setzt diesen zurück ins Wasser. Der zeigt allerdings keine Lebenszeichen mehr. Zehn Minuten lang hält der Mann den gewaltigen Raubfisch an der Schwanzflosse, schiebt diesen hin und her durchs flache Wasser, gibt Länge und Gewicht des Hechts an seine beiden Mitstreiter weiter. Den einen der beiden kennt Marco Kern von Angesicht und mit Namen, den kameraführenden und nicht im Bild zu sehenden Sportfreund will der 45-Jährige an der Stimme erkannt haben.

„Die Ideologien des Sportangelns sind so unterschiedlich, dass ich mich dazu gezwungen sehe, geltendes Recht zu wahren und zu handeln, nicht nur als Fischereiaufseher, sondern auch als Tierfreund“, erklärt Marco Kern. Dies seien schlichtweg Straftaten. Und deshalb wolle der Ex-Vereinschef diese auch zur Anzeige bei der zuständigen Fischereiaufsichtsbehörde bringen.

SVZ konfrontierte die obersten Fischschützer im Land mit dem Video. „Trophäenfischen ist laut Tierschutzgesetz tatsächlich eine Straftat und wird von der Staatsanwaltschaft verfolgt“, sagt Thomas Richter. Nach Aussage des Leiters der Fischereiaufsicht im Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei MV in Rostock können dafür Haftstrafen bis zu drei Jahren verhängt werden. Den konkreten Fall indes sieht er schwierig. „Was im Video nicht zu sehen ist, das ist die typische Trophäenhandlung“, so Thomas Richter. Also das allseits bekannte Posieren vor der Kamera mit dem Rekordfisch. Sollte eine entsprechende Anzeige allerdings auf seinem Tisch landen, sei er verpflichtet, Ermittlungen aufzunehmen. Alles andere sei Sache der Staatsanwaltschaft.

Im Gadebuscher Sportfischerverein e.V. ist die Problematik des Trophäenfischens bekannt. Dirk Schneider ist im Verein verantwortlich für die Fischereiaufsicht: „Das ist gesetzlich verboten, das wissen wir alle. Natürlich gibt es Verdachtsmomente gegen Sportfreunde. Aber so lange ich nichts nachweisen kann, sind mir die Hände gebunden, kann ich keine Anzeige schreiben.“

Marco Kern war zwei Jahre Vorsitzender des 150 Mitglieder zählenden Vereins. Auf der jüngsten Vorstandssitzung hatte er durch einen selbst eingebrachten Misstrauenantrag und nach seinen Angaben durch Zustimmung der anwesenden Vorstandsmitglieder sein Amt freiwillig zur Verfügung abgegeben. Der stellvertretende Vereinsvorsitzende Frank Hennemann zeigte sich über Kerns Darstellung überrascht und will sich heute dazu äußern. 

 

Trophäenangeln

Unter Trophäenangeln wird das Angeln ausschließlich auf kapitale Fische verstanden ohne die Absicht, diese Fische sinnvoll zu verwerten. Häufig geht dies einher mit dem Posieren von Fänger und Fang vor der Kamera und dem Zurücksetzen des Fisches.  Durch Drill und Behandlung an der Luft ist der Fisch mit großer Wahrscheinlichkeit einem Stress ausgesetzt, der vermeidbar ist. Aus diesem Grund wird das Trophäenangeln für tierschutzwidrig gehalten.

Quelle: www.fischereiverband-nrw.de


 

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