Neujahrsempfang Gadebusch : Schwere Kost trifft leichten Tango

Sie entführten die Gäste des Gadebuscher Neujahrsempfangs in die Welt des Tangos: Susanne Rakel und Marco Kern. Fotos: Holger Glaner
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Sie entführten die Gäste des Gadebuscher Neujahrsempfangs in die Welt des Tangos: Susanne Rakel und Marco Kern. Fotos: Holger Glaner

Bürgermeister hält auf Gadebuscher Neujahrsempfang eine couragierte Rede zur Flüchtlingspolitik. Tänzer entführten nach Argentinien

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31. Januar 2016, 23:52 Uhr

Unter einem ganz besonderen Vorzeichen stand der diesjährige Neujahrsempfang der Stadt Gadebusch. Denn das Top-Thema der Woche in der Münzstadt war die für Samstagvormittag, also nur gut 15 Stunden später angekündigte Demonstration gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung.

Und so widmete sich Ulrich Howest in seiner Ansprache neben Rückblicken auf das alte und Ausblicken auf das neue Jahr insbesondere diesem brisanten Thema. In einer couragierten und flammenden Rede warnte das Stadtoberhaupt vor einer unbegrenzten Aufnahme von Flüchtlingen und einer Überbeanspruchung des Gemeinwesens in Deutschland.

„Kein Mensch ist unbegrenzt belastbar. Keine Maschine, keine Gesellschaft, keine Polizei und auch kein Staat. Falls die Zahl der aufzunehmenden Flüchtlinge nicht auf ein Maß reduziert wird, deren Integration unsere Gesellschaft auch tatsächlich leisten kann, wird deren innere Spaltung stetig zunehmen“, so Ulrich Howest vor Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Weil aber das deutsche Grundgesetz keine Obergrenze bei der Aufnahme von Flüchtlingen beinhalte, regte er dessen Anpassung an die Lebenswirklichkeit an, „um die Verfassungslage so zu gestalten wie in den übrigen 27 Staaten der Europäischen Union.“

Schwere politische Kost, die so manchem der geladenen Gäste für den Moment offensichtlich die Sprache verschlug. Denn Reaktionen auf die Rede des Bürgermeisters blieben komplett aus. Fehlanzeige. Nichts, aber auch rein gar nichts. Erst die Ankündigung einer kulturellen Auszeit mit einer Tanzeinlage von Susanne Rakel und Marco Kern lockerte die verkrampfte Stimmung wieder auf.

Doch was das Tanzpaar dann auf das Parkett des Saals der Freiwilligen Feuerwehr zauberte, war ein Aufgreifen der Thematik, allerdings mit musikalischen und tänzerischen Mitteln. So erinnerte Marco Kern daran, dass es um das Jahr 1900 herum ausgerechnet in Argentinien gestrandete Auswanderer aus allen Teilen der Welt waren, um die herum sich diese ausdrucksstarke Musik und der dazugehörige Tanz entwickelte. Mulit-Kulti vor mehr als 100 Jahren. Dabei verwies er auf den vergleichbaren gesellschaftlichen Rahmen damals und heute: „Wirtschaftliche Depression, gesellschaftliche Ausgrenzung und Vereinsamung mit unterschiedlichen Ursachen sind mitverantwortlich, dass viele Menschen heute wieder den Tango suchen. Hier finden sie Freiheit, körperliche und seelische Nähe, Gefühle der Gemeinsamkeit und Wertschätzung.“

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