Seuche : Schweinepest auf dem Vormarsch

An der Seuche erkrankte Wildschweine können Hausschweine  anstecken.
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An der Seuche erkrankte Wildschweine können Hausschweine anstecken.

Aus Sicht von Jägern und Bauern ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Krankheit auch hier ankommt. Landkreis bereitet sich vor

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25. März 2014, 00:00 Uhr

Die Afrikanische Schweinepest kommt – davon ist Ralf Siewert, Vorsitzender der Hegegemeinschaft Gadebusch und des Hegerings Dragun, überzeugt. Denn die Seuche ist auf dem Vormarsch: Nachdem Ende Januar mit Litauen erstmals ein EU-Land die Infektion bei Wildschweinen bestätigt hatte, wurde Mitte Februar der erste Fall in Polen bekannt. „Aus meiner Sicht ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis wir die ersten Fälle haben“, so Siewert. Eine ausgesprochen ernste Bedrohung, denn der Virus ist für alle Altersstufen von Haus- und Wildschweinen gleichermaßen schädlich und führt innerhalb von sieben bis zehn Tagen zum Tod der Tiere.

Nicht nur das: Die Übertragung kann direkt und indirekt erfolgen, Haus- und Wildschweine können sich gegenseitig anstecken – einen Impfstoff gibt es nicht. Ralf Siewert weiß, dass im Fall eines Ausbruchs vor allem die Jäger gefragt sind. „Es ist vorstellbar, dass wir dann aufgerufen werden, Wildschweine stärker zu bejagen.“ Derzeit gebe es für die Jäger noch keinen Notfallplan, der ihm bekannt ist. „Wir sind ohnehin aufgerufen, Tiere, die krank aussehen, zu schießen und von geschossenen Tieren Proben abzugeben. Auch Totfunde werden gemeldet. Diese Seuche ist etwas, wovor man Angst hat – insbesondere, wenn man sich vorstellt, dass sie auf Hausschweine übergeht.“

Denn auch wenn der Virus für Menschen ungefährlich ist: Ein Ausbruch in einer Stallanlage würde bedeuten, den gesamten Bestand töten zu müssen. „Alleine bei dieser Vorstellung läuft es mir kalt den Rücken runter“, sagt der Gadebuscher Kreisbauernpräsident Jörg Haase. Längst ist die Afrikanische Schweinepest auch im Kreisbauernverband ein dringliches Thema. „Die Afrikanische Schweinepest wandert etwa 350 Kilometer im Monat, von dieser Warte aus ist es wirklich nur noch eine Frage der Zeit“, sagt Haase. Die Schweinebetriebe im Landkreis seien sensibilisiert. „Es kommt kaum noch jemand rein oder raus, konkrete Vorsichtsmaßnahmen wurden hier bereits umgesetzt.“

In Anbetracht des ausgeprägten Wirtschaftsverkehrs von und nach Polen, von Tourismus oder Jagden deutscher Jäger in Osteuropa, könne man nur appellieren: „Es sollten keine Lebensmittel aus Osteuropa mitgebracht werden, ebenso sollten keine mitgebrachten Lebensmittel öffentlich weggeschmissen werden.“ Denn der Virus kann überall anhaften und für Schweine zur tödlichen Gefahr werden.

Dies bestätigt eine Sprecherin des Landkreises: „Das Virus ist gegenüber Umwelteinwirkungen sehr widerstandsfähig, d.h. es behält auch nach Fäulnisprozessen oder nach Reifungsvorgängen in Rohwurst oder nach einem Gefrierprozess des Fleisches seine Ansteckungsfähigkeit und krank machenden Eigenschaften. Nachweislich waren Seuchenausbrüche in den Niederlanden und in Portugal auf die Verfütterung von Speiseresten, nämlich Reiseproviant aus Drittländern, zurück zuführen.“ Deshalb kommt einem Verbot des Verfütterns von Speiseabfällen bei der Vorbeugung auch eine besondere Bedeutung zu. Der Landkreis, erklärte der amtierende Landrat Gerhard Rappen bei der letzten Kreistagssitzung, arbeite eng mit Jägerschaft, Kreisbauernverband, gewerblichen Schweinehaltern und Hoftierärzten zusammen. „Das Veterinäramt ist in den Häfen, Marinas und auf Autobahnraststätten vorbeugend mit dem Ziel tätig geworden, dass Speiseabfälle aus dem Reiseverkehr der unschädlichen Beseitigung zugeführt werden.“ Der Landkreis hat bereits Sicherheitsmaßnahmen für Schweinebestände bekannt gemacht. Bei Verdacht des Ausbruchs werden Sofortmaßnahmen auf der Grundlage des Tierseuchenalarmplanes eingeleitet. Bürger, die verendetes Wild finden, sind aufgerufen, dies dem Jäger und dem Veterinäramt (03841-30 40 39 01) zu melden.

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