Roggendorf : Schwedische Handwerker auf Tour

Andreas Paulsen (4.v.l.) von der gleichnamigen Dachdeckerei begrüßte gestern Dachklempner und Ventilations-Monteure in Roggendorf.
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Andreas Paulsen (4.v.l.) von der gleichnamigen Dachdeckerei begrüßte gestern Dachklempner und Ventilations-Monteure in Roggendorf.

Sie besichtigten die Roggendorfer Dachdeckerei Andreas Paulsen und die Euopahaus-Baustelle in Dümmer

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28. November 2014, 23:01 Uhr

Einen Blick hinter die Kulissen einer Firma, die anderen aufs Dach steigt, haben Handwerker aus dem schwedischen Jönköping geworfen. Sie besuchten gestern die Dachdeckerei Paulsen, die von einem „1-Mann-Betrieb“ mit Büro in der Wohnstube einer Zwei-Raum-Neubauwohnung zu einem der größten Unternehmen in dieser Branche in Mecklenburg aufstieg.

Erst vor wenigen Wochen schloss die Firma den größten Auftrag ihrer Firmengeschichte ab, überdachte das Nestlé -Werk in Schwerin. Allein für die Wärmedämmung lieferten hunderte Laster 9000 Kubikmeter Material an. „Das lief optimal“, sagt Firmenchef Andreas Paulsen. Das Auftragsvolumen lag bei 4,1 Millionen Euro.

Auf einem Flachbildschirm in seinem Büro zeigt Andreas Paulsen den Besuchern aus Schweden eine Karte von Norddeutschland. Darauf zu sehen sind die aktuellen Standorte der firmeneigenen Fahrzeugflotte. Die Signale werden per GPS übertragen. Ein weiterer digitaler Baustein ermöglicht die minutengenaue Lohnabrechnung der Beschäftigten – egal ob sie in Schwerin, Hamburg oder Kiel tätig sind. Sie verdienen, sagt Paulsen zu den Schweden, zwischen 14,50 bis knapp 18 Euro die Stunde. In Skandinavien würden 18 bis 19 Euro gezahlt, sagt einer der Gäste. Ein anderer will wissen, welchen Jahresumsatz das Roggendorfer Unternehmen in etwa erzielt? Die Antwort: 8,7 bis 9 Millionen Euro.

Daran war zu Zeiten der Firmengründung 1990 nicht zu denken. Der erste Auftrag, den der ehemalige Brigadier des Kreisbetriebes für Landtechnik (KfL) Groß Molzahn damals abarbeitete, war ein Eigenheim in Rögnitz. Zu zweit sei man damals in der Firma gewesen. Nur zwei Jahre später hatte sich die Mitarbeiterzahl verzehnfacht. „Wir wurden von Aufträgen nahezu erdrückt“, sagt Paulsen. Heute sind in dem Unternehmen 68 Mitarbeiter tätig, darunter acht kaufmännische Angestellte und zwölf Lehrlinge.

Zwischen 50 und 60 Prozent der jährlichen Aufträge stammen von Privatleuten. Die energetische Sanierung sei nach wie vor der Renner. Etwa 80 Prozent der Baustellen befinden sich in Hamburg und Schleswig-Holstein.

Dass sich Unternehmer aus Schweden für die Roggendorfer Dachdeckerei interessieren, wunderte Andreas Paulsen. Zuerst habe er an einen Witz gedacht, als die Handwerkskammer Greifswald anfragte. Nun ist es Andreas Paulsen, der wiederum Verwunderung bei den Schweden auslöst: Er zeigt ihnen Einkaufswagen und einen Scanner. Beides wird dafür verwendet, um Material aus einem Lager zu holen und den Warenausgang elektronisch wie an einer Supermarkt-Kasse zu erfassen. Die Firma, die für den Warennachschub zuständig ist, verfügt dadurch über aktuelle Daten und kann umgehend reagieren.

Roggendorf war nur eine Station der Schweden: Am Nachmittag fuhren sie weiter und besuchten eine Dümmer Baustelle, auf der gerade das Europa-Haus entsteht – ein Domizil für die Gemeinde Dümmer und für Wandergesellen.

Rund zehn Wandergesellen sind derzeit auf der Baustelle, und da es in Schweden keine Wandergesellen gibt, konnten sich die Besucher einen Einblick über die Tradition von Handwerkern auf der Walz verschaffen. „Wanderschaft wird aus tarifrechtlichen Gründen in Schweden nicht geduldet“, weiß Dr. Rainer Schwenke von der Schwedenkontor GmbH. Näheres zum Europahaus erklärte den Gästen Johannes Möller-Titel, Mitinitiator des Gesellen-Projekts in Dümmer.

Ein weiterer Besichtigungstermin stand für die 20-köpfige Gruppe in Schwerin an. Dort schauten sich die Schweden das Bildungszentrum der Handwerkskammer an.

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