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Grevesmühlen : Schwarzer Freitag fürs Amtsgericht

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Das Amtsgericht ist künftig nur noch Zweigstelle. Bürgermeister befürchtet weiteren Imageverlust.

svz.de von
erstellt am 10.Jul.2015 | 17:07 Uhr

Frischer Kaffee war gebrüht, selbst gebackene Kuchen standen bereit. Doch es gab nichts zu feiern. Im Gegenteil: Das Szenario vor dem Gerichtsgebäude in der Grevesmühlener Bahnhofstraße erinnerte eher an einen Leichenschmaus. „Hier und heute wird das Amtsgericht Grevesmühlen zu Grabe getragen“, sagte Richter Dr. Hinrich Dimpker beim Abschied vom Amtsgericht Grevesmühlen, das ab Montag im Zuge der umstrittenen Gerichtsstrukturreform in eine Außenstelle umgewandelt wird.

Angestellte, Bürger, Politiker – gut 150 Demonstranten waren dem Aufruf des Richterbunds zur Teilnahme an der Protestaktion gegen die Umwandlung des Amtsgerichts Grevesmühlen in eine Zweigstelle gefolgt. Hochrangige Politiker aus der Landespolitik – Fehlanzeige. „Politiker kommen gern, wenn irgendwo ein Bändchen zur Einweihung durchschnitten wird. Bei einem Niedergang hingegen lässt sich keiner blicken“, sagte Andreas Peters als Vorsitzender des Richterbunds MV.

Klare Worte fand auch Jürgen Ditz. „Hier geht wahrscheinlich eine Ära zu Ende“, so der Grevesmühlener Bürgermeister. „Die Auflösung des Amtsgerichts wird nach dem Verlust des Kreissitzes zu einer weiteren Schwächung des Standorts Grevesmühlen führen. Die hiesigen Anwälte werden ihre Kanzleien in Richtung Wismar verlagern, wir werden noch weniger Leute in der Stadt haben, das Stadtmarketing wird erheblich leiden. Insgesamt wird das Ansehen Grevesmühlens nachhaltig beschädigt werden.“ Darüber hinaus würden auch die Wege nach Wismar für die betroffenen Bürger durch die Degradierung des hiesigen Amtsgerichts künftig immer länger.

Die Tatsache, dass – im Unterschied zu Ueckermünde, Hagenow und Bad Doberan, die als Gerichtsstandort komplett aufgegeben wurden – Grevesmühlen immerhin noch als Zweigstelle betrieben werde, machte die Stimmung am letzten Arbeitstag des Amtsgerichts nicht besser. „Eine Zweigstelle hat nur eine sehr geringe Halbwertzeit“, so Dr. Hinrich Dimpker. „Was heute beginnt, ist nur ein Tod auf Raten.“

Gegner der Gerichsstrukturreform hoffen jetzt auf den 6. September. Dann soll per Volksentscheid über die Reform und somit auch die Zukunft Grevesmühlens als Gerichtsstandort abgestimmt werden. Denn wenn die Reform gekippt werden sollte, gibt es eine Rolle rückwärts und alles wird wieder so wie es mal war.

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