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Historische Führungen in Wismar : „Schwarze Witwe“ auf dem Friedhof

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Historikerin will den Wismarer Friedhof als Ort des Lebens zeigen. Erste Veranstaltung am 3. März

Seit vier Jahren führt die Kunsthistorikerin Dr. Anja Kretschmer über die Friedhöfe der Region, erzählt „Friedhofsgeflüster“ – Geschichte und Geschichten zwischen Aberglaube, Bestattungskultur und dem, wie die Menschen vor 200, 300 Jahren mit dem Wissen um das unvermeidliche Ende des Lebens umgegangen sind.

Am 3. März lädt sie um 19 Uhr zur ersten Führung des Jahres über den dann dunklen Wismarer Friedhof. Mit Hut, Perücke und schwarzem Kleid führt Dr. Anja Kretschmer dann als Figur der „schwarzen Witwe“ aus dem Jahre 1898 über den historischen Ostfriedhof. Und warnt gleich die männlichen Gäste vor. Denn es ist nicht geklärt, woran der Mann der „schwarzen Witwe“ verstarb.

„Eine lockere Führung“, macht die Kunsthistorikern Mut, mal mit ihr nachts den Friedhof zu besuchen. „Man kann sich so einem Thema nur augenzwinkernd nähern, das macht es leichter, mit der eigenen Endlichkeit umzugehen“, so die junge Frau. Sie weiß, wie sich im Laufe der Jahrhunderte das Verhältnis der Menschen zum Tod, vielleicht noch zum eigenen Tod, verändert hat. „Die Menschen hatten früher eine andere Beziehung zum Tod als heute“, schmunzelt sie.

Ja, bei dem Thema und der Friedhofsführung darf gestaunt, geschmunzelt und auch mal gelacht werden. Dinge, die sonst auf einem Friedhof „tabu“ erscheinen, eben weil der Tod in unserer hochmodernen Welt nicht mehr als Teil des Lebens angesehen wird. „Früher war der Tod viel mehr im Leben integriert und wurde zelebriert. Die Menschen haben sich auf das eigene Ableben vorbereitet. Der Tod ist normal, er gehört zu uns. Ich möchte den Menschen verdeutlichen, wie sehr sie sich von ihrer eigenen Endlichkeit entfernt haben.“ Nicht um Todesängste zu schüren, sondern um Lebensfreude zu wecken.

Dr. Anja Kretschmer hat ihre Doktorarbeit über das Thema geschrieben und führt nun mit ihrem Fachwissen über die Friedhöfe in Rostock, Greifswald, Stralsund, Güstrow und Bautzen bis hin nach Lübeck und Hamburg und ins sächsische. Ihre Idee des „Friedhofsgeflüsters“ wurde im letzten Jahr mit dem Kreativmacher-Preis des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur ausgezeichnet. Mit dem Wismarer Friedhof verbindet sie etwas besonderes, sie ist Vorsitzende des jungen „Vereins zur Förderung der Friedhofskultur in Wismar e.V.“.

„Der Friedhof feiert dieses Jahr sein 185. Bestehen und wir möchten mit regelmäßigen Veranstaltungen auf diesen schönen Ort der Ruhe und Besinnung aufmerksam machen“, so die Vereinsvorsitzende. Geplant sind monatliche Veranstaltungen bis hin zu Lesungen im ehemaligen Leichenwärterhaus auf dem Friedhof. Das Haus muss dringend saniert werden. „Das wollen wir als Verein mit Hilfe der Stadt schaffen“, nennt sie eines der Vereinsziele. Mehr Informationen über den Verein unter www.friedhofsverein-wismar.de.

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