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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

23. Oktober 2017 | 00:52 Uhr

Roggendorf : Schwalbe gerettet

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Jungvogel stürzt mit Nest ab und wird im Tierheim groß.

von
erstellt am 30.Jun.2014 | 21:15 Uhr

Die kleine Rauchschwalbe hatte Glück im Unglück: Vor rund vier Wochen stürzte das Nest, in dem der Jungvogel mit zwei Geschwistern saß, von der Wand in der Werkstatt des Roggendorfer Tierheims. Ein Vögelchen war sofort tot, eines starb kurz nachdem die Mitarbeiter des Tierheims sie entdeckt hatten. Das dritte überlebte dank der Fürsorge von Tierpflegerin Theresa Feldt – und zieht mittlerweile fliegend und piepsend seine Runden über das Tierheim-Areal.

„Er lebt jetzt mit den anderen Schwalben in der Werkstatt und hat dort auch eine andere Schwalbe, mit der er oft unterwegs ist“, berichtet Feldt. Noch, sagt sie, sei der kleine Vogel zu bequem zum Jagen. „Er kann sich alleine ernähren, aber er weiß, dass es einfacher ist, wenn er zu mir kommt.“ Hinter Theresa Feldt liegen arbeitsintensive Wochen, die sich vor allem um das kleine Vögelchen drehten. „Anfangs habe ich ihn jede halbe Stunde gefüttert, dann nur noch jede Stunde. In einem Käfig habe ich ihn mit nach Hause genommen und dann am nächsten Morgen wieder mit ins Tierheim zur Arbeit gebracht.“ Die kleine Schwalbe ist nicht der erste Vogel, den die Tierpflegerin aufgepeppelt hat: An ihrer vorherigen Arbeitsstelle in einer Wildtier-Auffangstation wurden regelmäßig Vögel aufgezogen. „So hatte ich bereits ein bisschen Erfahrung damit“, so Feldt. Sie weiß: Nach und nach wird sich die kleine Schwalbe abnabeln und irgendwann gar nicht mehr kommen.

Jedes Jahr brüten dutzende Rauchschwalben in den verschiedenen Gebäuden des Roggendorfer Tierheims, in der Werkstatt, den Hundehäusern und den Containern auf dem Grundstück. Damit die Schwalben auch bei geschlossenen Türen zu ihren Nestern kommen, sind in alle Türen kleine Öffnungen gesägt, die ihnen das Durchfliegen ermöglichen. „Wir lassen die Vögel brüten und fördern das auch und nehmen dafür gerne in Kauf, dass wir wegen dem Kot der Tiere in der Werkstatt alles abdecken müssen“, sagt Tierheimleiterin Annette Herbing.

So gut geht es den Schwalben nicht überall. Rauchschwalben seien unter anderem dadurch bedroht, dass immer mehr landwirtschaftliche Ställe abgeriegelt seien. „Sie haben früher in Kuh- oder Schweineställen gebrütet und davon profitiert, dass dort viele Insekten sind“, so Ulf Bähker, Naturschutzreferent beim Naturschutzbund Nabu. Die Mehlschwalbe, die vornehmlich an Hauswänden brütet, leide vor allem darunter, dass Hausbesitzer Flatterbänder installieren, um die Kulturfolger zu verscheuchen oder ihre mühsam aus mehr als 1000 Lehmkügelchen gefertigten Nester abschlagen.

„Die Leute wollen den Kot nicht an den Häusern und anstatt etwas unterzulegen oder ein Kotbrett an der Hauswand anzubringen, schlagen sie die Nester ab“, weiß Bähker. Dabei sind die Schwalben, ihre Nester und Nachkommen laut Paragraf 44 des Bundesnaturschutzgesetzes geschützt.

Der Nabu unterstützt den Schwalbenschutz mit einer ganz besonderen Aktion: Mehr als 800 Häuser in MV wurden mittlerweile mit der Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ ausgezeichnet. „Wir zeichnen die aus, die Schwalben brüten lassen“, sagt Bähker. Denn natürlich brächten die eleganten Flugkünstler Freude – aber sie machten den Hausbesitzern auch viel Arbeit. „Das wollen wir würdigen“, so Bähker.

 

 

 

 

 

 

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