Roggendorf/ Damshagen : Schulen kämpfen ums Überleben

Die Grundschule Roggendorf ist eine sogenannte Kleine Grundschule auf dem Lande.
1 von 2
Die Grundschule Roggendorf ist eine sogenannte Kleine Grundschule auf dem Lande.

Grundschulen auf dem Lande bangen um ihre Schülerzahlen . Damshagen soll geschlossen werden. Roggendorf bleibt optimistisch

svz.de von
06. März 2014, 21:15 Uhr

„Natürlich müssen die Grundschulen auf dem Lande bleiben“, sagt Rico Greger. „Mit der Schule steht und fällt alles“, ist sich der Bürgermeister der Gemeinde Roggendorf sicher. „Sie ist unsere Zukunft.“ Und deshalb kämpft die Gemeinde für ihre Grundschule und finanziert regelmäßige Sanierungen. „Die Klassenräume sind auf dem neuesten Stand“, sagt Greger und auch in der Gemeindevertretung herrsche Einigkeit darüber, dass die „Kleine Grundschule auf dem Lande“ in Roggendorf erhalten bleiben soll. Zwischen 50 und 60 Kinder werden hier unterrichtet. Sie kommen aus den Gemeinden Roggendorf, Dechow und Kneese.

Dechow hat nun einen Antrag zur Änderung des Schuleinzugsbereiches gestellt und möchte seine Schulkinder aus Roggendorf abziehen. Sollte der Antrag durchkommen und die Dechower Kinder in Schlagsdorf beschult werden, bedeutet dies für Roggendorf einen Schlag ins Kontor: Einen Verlust von dringend benötigten Schülern. „Das ist eine Sache, wo der Schulstandort an seine Grenzen stoßen könnte“, erklärt Greger. Dennoch bleibt Roggendorfs Bürgermeister optimistisch: „Die Schule, der Hort und die anderen Kindereinrichtungen sind eine starke Einheit hier.“ Doch macht Greger auch deutlich: „Ist eine Schule weg, ist das ein herber Verlust für ein Dorf.“

Lasst die Schule im Dorf, fordert die Bürgerinitiative zur Unterstützung der Grundschule Damshagen. Der Kreistag entscheidet auf seiner Sitzung am 13. März über das weitere Schicksal der kleinen Schule. Die Einwohner des Ortes wollen ihre Schließung nicht akzeptieren und haben eine Bürgerinitiative gegründet (wir berichteten). Diese kämpft seit Monaten um Lösungen, den Schulstandort Damshagen zu erhalten. Die Probleme: Ein marodes Gebäude, eine zu hohe Schulumlage, sinkende Schülerzahlen und Lehrermangel. Zudem Schimmelbefall sowie ein gefährlicher Weichmacher in der Raumluft. Dennoch soll der Schulstandort Damshagen erhalten werden, finden die Mitglieder der Bürgerinitiative. Und sie wissen auch schon wie: In nur 55 Tagen haben sie dem Kreistag ein Konzept für den Erhalt der Schule vorlegen können, welches neben finanziellen Aspekten, wie einer Sanierung des Gebäudes oder Auslagerung der Schule in andere Räumlichkeiten, und die Senkung der Schulumlage, auch den Ausbau des pädagogischen Konzeptes sicherstellt. „Wenn die Schule schön ist und Lehrer da sind, dann glauben wir, dass auch die Schüler kommen“, sagt Nadia El-Sibay von der Bürgerinitiative. Die Prognosen des Landes gibt ihr Recht: Sie sagen steigende Schülerzahlen voraus. Außerdem ist die Kita in Damshagen voll belegt. Das bedeutet auch für die Grundschule Kapazitäten“, fügt Gertrud Cordes von der Bürgerinitiative an.

Hans Kreher, Bürgermeister von Bad Kleinen, Kreistagsabgeordneter und aktiv beim Regionalen Planungsverband Westmecklenburg, hat sich mit der Bedeutung kleiner Schulen auf dem Lande intensiv auseinander gesetzt. Als Mitglied der Facharbeitsgruppe „Lebenslanges Lernen“ hat er, gemeinsam mit anderen, Empfehlungen entwickelt: Zum Beispiel, dass im Primarbereich möglichst alle derzeitigen Schulstandorte erhalten bleiben sollten. „Es geht dabei darum, dem demografischen Wandel entgegenzuwirken“, erklärt Kreher. „Wenn es keine Grundschule mehr gibt, dann ist das eine Todesspirale für den Ort.“ Es sei Aufgabe der Landesregierung, zu überprüfen, ob die aktuellen Schülerzahlen noch so seien, dass sie dem demografischen Wandel entgegenwirkten.

Der Fall Damshagen allerdings sei schwierig, sagt Kreher. „Es hat sich herausgestellt, dass die Gemeinde in den letzten 20 Jahren wenig getan hat.“ Doch der Landkreis müsse sich überlegen, ob es nicht kontraproduktiv für die demografische Entwicklung sei, die Schule zu schließen. Dadurch könne ein eventuell künftiger Zuzug in die Gemeinde ausgebremst werden, gibt Kreher zu bedenken. „Die Chancen für den ländlichen Raum sollte man nutzen.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen