Müllproblem : Schulbrote und andere Köstlichkeiten

Michael Topp auf Tour: Mit Radkappen könnte  er bald eine Sammlung präsentieren. Fotos: volker Bohlmann (2)
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Michael Topp auf Tour: Mit Radkappen könnte er bald eine Sammlung präsentieren. Fotos: volker Bohlmann (2)

Der Krembzer Michael Topp sorgt für Sauberkeit und räumt den Unrat uneinsichtiger Stadtbürger weg

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17. Februar 2014, 00:00 Uhr

Die Liebe zur Heimatstadt ist ungebrochen – wohl kaum ein gebürtiger Gadebuscher würde das Gegenteil behaupten. Für die Ordnung in der alten Münzstadt sorgt hingegen ein Krembzer: Michael Topp. Der 46-Jährige ist dreimal in der Woche zwischen Bahnhof und Heinrich-Heine-Straße mit seinem Handwagen unterwegs. Schaufel und Besen stecken dabei kopfüber in der Haltevorrichtung. Gleich daneben sind zwei Tonnen verankert. Platz genug für den Müll der Gadebuscher.

„Weniger als drei Touren sind nicht möglich“, sagt Topp, „denn der Job muss gemacht werden, sonst ist die Stadt nicht in den Griff zu bekommen.“ Harte Worte, aber die Realität lässt sich nicht mit wenigen Besenrunden wegkehren. Allein in den öffentlichen Papierkörben finden sich tagtäglich Kunststoffbeutel mit Hausmüll, Kaffeefilter, Butterbrote, Salate, Glas und Werbezeitschriften. „Die Bewohner der Häuser entsorgen sich. Wenn du die Papierkörbe am Morgen entleert hast, dann sind sie am Abend wieder randvoll“, erzählt Michael Topp. Es scheine so, als wenn es Gadebuscher gibt, die beim Spaziergang gezielt ihren Hausmüll entsorgen.

Der Krembzer macht sich so seine Gedanken, aber verstehen kann er die scheinbare Bequemlichkeit einiger Bürger nicht, zumal der Nordwestkreis, die mit am günstigsten Müllgebühren vorweisen kann.

Die Morgendämmerung in diesen Februartagen bringt allmählich Licht in die Straßen der Kleinstadt. Gegen 9 Uhr verlässt der Straßenläufer das Gebiet mit den Wohnblocks in der Heinrich-Heine-Straße. Er geht durch die Puschkinstraße, lässt seinen Wagen zum Fußgängerweg Jarmstorfer Straße abrollen. Beim Gang über den Zebrastreifen drückt er sein Basecape nach hinten, registriert die Verkehrslage und verschwindet im Gegenlicht der flach über den Dächern blinzelnden Wintersonne in Richtung Innenstadt.

Dass er mit einer geringfügigen Beschäftigung die Stadt sauber hält, das stört ihn weniger. Weh tut es, wenn Heranwachsende ihm einen Müllbeutel mit den Worten „Freu dich - hier hast Arbeit“ entgegenwerfen. Das schmerze ein wenig. Aber irgendwann, meint er, werden diese Jugendlichen in der Realität angekommen, froh sein, wenn sie ihren Lebensunterhalt selbst verdienen können. Mit den älteren Semestern sehe es allerdings nicht viel anders aus, meint Topp. Da gab es eine Frau in der Lübschen Straße, gleich neben dem Bäckereifachgeschäft: „Ich war gerade auf Tour, da riss sie ihre Haustür auf und hielt mir ihren Hausmüll entgegen. In solch Situationen bis du geschockt, fehlen dir die Worte“, meint der Stadtarbeiter. Wie so oft, lässt er sich der gutmütige Krembzer nichts anmerken. Schließlich ist er auf Tour, muss Strecke machen. Gadebusch vom Müll befreien.

Dann gebe es noch die ganz Bequemen, die irgendwie gelangweilt in der Erich-Weinert-Straße aus den Fenstern schauen. Michael Topp berichtet von Menschen, die nur abwarten, dass er mit seinem Wagen vorbeischiebt. „Dann ertönt ein Stimme aus dem oberen Stockwerk: ,Können sie das da mal wegsammeln‘“, erzählt der 46-Jährige. In solch einem Momenten fehlen dem Krembzer wieder die Worte und er fragt sich: „Warum räumen die vor der eigenen Haustür den Müll nicht selber weg? Das sind doch die Grundstücke der Wohnungsgesellschaften.“

Glücklicherweise ist Michael Topp nicht auf sich allein gestellt. Die Mitarbeiter vom Amtshof Gadebusch leisten Unterstützung. Fahren all die feinsäuberlich von Topp an den Containern abgelegten Säcke auf Kosten der Stadt zum Sammelplatz. Gläser und Papier sortiert der Straßenläufer gleich an den Container heraus.

Amtshofleiter Uwe Tews ist stolz auf einen Kollegen wie Michael Topp. Bei Wind und Wetter sei er unterwegs. Wenn er nicht die Arbeit für die Gadebuscher übernehmen würde, dann sehe es in den Wohngebieten womöglich ähnlich wie an den Containerstandorten aus. „Fernseher, Berge von Pappe und Elektronikschrott legen uns die Leute dort hin“, so Tews. Nicht ausgeschlossen ist, dass selbst Firmen sich ihrer Schutts dort entledigen. Fest steht: Die Aufräumaktion kostet Geld. „Viel Geld“, sagt Tews. Rund 1000 Arbeitsstunden fallen für die Aufräumarbeiten an den Containerstandorten an. Dafür muss Gadebusch zirka 24 000 Euro jährlich berappen. Ein Krisenherd ist der Standort am Kreml. Neben Duschwände lagern dort auch Berge von illegal abgelegten Abfallsäcken.



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