Experiment : Schüler sind so stark wie Wikinger

Kennt sich bestens aus:  Burghard Pieske, Leiter des Experiments und Lübecker Lehrer
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Kennt sich bestens aus: Burghard Pieske, Leiter des Experiments und Lübecker Lehrer

13 Jugendliche aus Gadebusch halfen vor laufender Kamera mit, ein Wikingerschiff an Land zu ziehen

svz.de von
27. März 2014, 00:15 Uhr

Unter dem braunen Segel der WikiThor sind schon viele Jugendliche über den Ratzeburger See gesegelt. Diesmal allerdings sollte der Nachbau eines dänischen Wikingerschiffes nicht ins, sondern aus dem Wasser. Denn das ZDF-Wissensmagazin pur+ will Kindern und Jugendlichen zeigen, wie Wikinger ihre Schiffe an Land zogen.

Leiter des Experiments ist der Lübecker Lehrer und Segler Burghard Pieske. Mit seinem Wikingerschiff-Nachbau „Viking Saga“ folgte er immer wieder den Spuren der Händler und Krieger aus dem Norden übers Meer. „Für die langen Landpassagen ihrer Handelsrouten, beispielsweise in Russland und der Ukraine, zerlegten die Männer ihre Schiffe und fügten sie im nächsten Gewässer wieder zusammen“, erklärt Pieske.

Für den kurzen Landtransport zogen sie die Schiffe jedoch auf dicken Weiden- und Erlenästen. Pieske: „Dafür brauchten sie nur ihre Axt und die Bäume aus den Auenwäldern entlang der Flussufer.“ Gezogen von den nordischen Muskelprotzen glitten die schweren Schiffe auf dem Schmierfilm zwischen Rinde und Holz über den Boden. Aber ließen sie sich mit dieser Methode auch die Uferböschung hinauf und an Land ziehen? Mit dem Know-How von Pieske, der WikiThor des Ratzeburger Vereins Alte Schule und der Muskelkraft von 60 Jugendlichen konnte das Experiment vor den laufenden Kameras des ZDF beginnen. „Damit erleben die Kinder eine Premiere, denn das wurde zuvor noch nie versucht“, erklärt pur+ - Moderator Eric Mayer.

14.10 Uhr: Einweisung. „Die Ratzeburger sind die Zugpferde, ihr seid die Windhunde.“ Burghard Pieske zeigt den Gadebuscher Schülern, wie sie Äste von hinten holen und schnell nach vorne vor das Schiff legen sollen. Die 14 Meter lange und fünf Tonnen schwere WikiThor wartet im Flachwasser des Ufers, bereit für den Landgang. Im kalten Wasser stehen Männer und Frauen in Fischerhosen, die das Boot seitlich abstützen. Zwei lange Seile werden am Bug befestigt, die Ratzeburger Schüler packen an.

14.22 Uhr: „Seid ihr bereit?“ Pieske läuft die zwei Reihen der Zugpferde entlang. „Alles hört auf mein Kommando.“ Inzwischen ist die Ratzeburger Schlosswiese voller Schaulustiger.

14.25 Uhr: „Hau-Ruck!“ Das Boot macht einen Satz aus dem Wasser – und steckt mit dem Heck im Uferschlick fest. Plötzlich scheint die wenige Zentimeter hohe Stufe zur Wiese unüberwindbar, ein Problem, vor dem sicher auch die Wikinger immer wieder standen. Aus Balken und Steinen werden eilig Hebel gebaut, das Schiff etwas angelupft.

14.45 Uhr: „Hau-Ruck!“ Jetzt sind auch die Gadebuscher mit Lehrer Nils Pfützner, Moderator Mayer, Projektleiter Pieske an den Seilen. Nichts tut sich. Die Äste werden etwas anders verlegt.

14.55 Uhr: „Zieht, zieht!“ Plötzlich geht es ganz schnell. Der elegante Bug des Schiffes bäumt sich auf, rutscht über die Kante der Uferstufe und beginnt auf den Weidenästen zu gleiten.

15 Uhr: Unter dem Beifall der Umstehenden bewegt sich die WikiThor auf den Ästen, die die Windhunde aus Gadebusch immer wieder vor das Schiff legen, über die Wiese. Moderator Eric Mayer ist begeistert:“ Es hätte auch schiefgehen können, wir waren uns nicht sicher.“ Und die einhellige Meinung der Jugendlichen? „Das war auf jeden Fall besser als Schule.“



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