Schönberg : Schüler bauen Rock-Röhre, DJ Felix Jaehn neidisch

Der ehemalige Schönberger Gymnasiast und heutige Star-DJ Felix Jaehn (Mitte) kann angesichts dieses Instruments nur staunen. Maximilian Lau (l.) und Philip Schulz bauten aus 60 Metern HT-Rohren ein Pipe-Instrument.
Der ehemalige Schönberger Gymnasiast und heutige Star-DJ Felix Jaehn (Mitte) kann angesichts dieses Instruments nur staunen. Maximilian Lau (l.) und Philip Schulz bauten aus 60 Metern HT-Rohren ein Pipe-Instrument.

Da guckt Star-DJ Felix Jaehn nur neidvoll in die Röhre: Gymnasiasten kreierten ein einzigartiges Pipe-Instrument

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04. Januar 2016, 20:55 Uhr

Die Stadt Schönberg hat eine ganz besondere Beziehung zur Musik. Da gibt es nicht nur den Schönberger Musiksommer oder den ehemaligen Abiturienten und heutigen Star-DJ Felix Jaehn, sondern auch zwei Schüler mit einem äußerst ungewöhnlichen Instrument. Die Rede ist von Maximilian Lau (16) und Philip Schulz (17). Über Monate haben die beiden Schüler ihr eigenes Musikinstrument gebaut. Als Felix Jaehn, der ehemalige Schüler des Gymnasiums und heutige Star-DJ die Bühne bei einem Konzert Ende vergangenen Jahres betrat, spielten Lau und Schulz auf ihrem sogenannten Pipe-Instrument Jaehns Superhit „Aint noboy – loves me better“.

Vor rund einem Jahr hatte Philip Schulz die außergewöhnliche Idee. „Ich wollte etwas Besonderes machen“, so der Schüler der 12. Klasse. Im Musikraum des Gymnasiums klimperte er auf Rohren, die dort herumstanden. Für Schulz hörte sich das „toll“ an. Als er seinem Freund Maximilian Lau davon erzählte, war der begeistert. „Zuerst wollten wir etwas mit PVC-Rohren machen“, erzählt Schulz. „Da solche Rohre aber zertifiziert und somit sehr teuer sind, haben wir die Idee wieder verworfen.“ Klar war ihnen aber, dass es nicht ganz billig wird, ein eigenes Musikinstrument zu entwickeln. Deshalb brauchten sie Sponsoren. Der Chef der Schönberger Firma TLB-Haustechnik, Peter Trame, fand das Musikinstrument cool und hat gleich seine Unterstützung zugesagt, berichtet Schulz. Trame gab den Schülern auch den hilfreichen Tipp, dass sogenannte HT-Rohre ähnlich klingen wie PVC-Rohre, allerdings wesentlich günstiger sind. Der Firmenchef bot sogar an, alle Rohre für das Musikinstrument auf Länge zu schneiden – kostenlos. Doch zuvor mussten die beiden Schüler des Gymnasiums genau berechnen, wie lang jedes einzelne Rohe sein muss, damit alle Töne zusammen passen und es gut klingt.

Der Ton A, erzählt Philip Schulz, hat zum Beispiel entweder die Frequenz 55 Hertz oder 110. „Das staffelt sich nach oben. Der nächste Ton wäre dann 55 Hertz plus die zwölfte Wurzel von zwei.“ Das Rohr für den Ton A musste somit laut Lau rund 3,5 Meter lang sein. Insgesamt haben er und Schulz in ihrem Pipe-Instrument 36 Töne eingebaut, der tiefste ist mit F ein 3,6 Meter langes Rohr. Das kürzeste ist 50 Zentimeter für den höchsten Ton - E 3.

Insgesamt haben Philip Schulz und Maximilian Lau 60 Meter HT-Rohre für ihr besonderes Musikinstrument verarbeitet. Hinzu kamen 120 sogenannte 90-Grad-Bögen und noch einmal 50 Bögen mit einem Radius von 45 Grad. Als sie alles für ihr Instrument berechnet, geplant und das Material zusammen hatten, begann die handwerkliche Arbeit. Drei Wochen ihrer Sommerferien haben Philip Schulz und Maximilian Lau jeden Tag die Rohre nebeneinander aufgestellt, sie ausgerichtet und miteinander verbunden. Mirko Schulz, der Vater von Philip, stand den beiden mit Rat und Tat zur Seite. Ihm gehört die Dassower Firma HTS. „Ohne Herrn Schulz hätten wir das Pipe-Instrument nie fertig bekommen, da wir das fachliche Wissen über den Bau von HT-Rohren einfach nicht hatten“, ist sich Lau sicher.

Als Schlagzeug für ihr Pipe-Instrument dienen Flip-Flops. Die Laschen hatten Schulz und Lau entfernt, sie passend zugeschnitten und mit Dichtungsband umwickelt. „Es war allerdings gar nicht so leicht, die passenden Flip-Flops zu finden“, sagt Philip Schulz. „Einige waren zu hart, andere zu weich.“ Letztendlich haben die Schüler aber die richtige Mischung gefunden. Die Zuschauer beim Weihnachtskonzert waren begeistert. Für ihren Auftritt bekamen sie tosenden Applaus. Auch Felix Jaehn war fasziniert.

Schon jetzt ist klar, dass Philip Schulz und Maximilian Lau mit ihrem selbstgebauten Pipe-Instrument schon bald einen noch größeren Auftritt als vor 1000 Zuschauern beim Weihnachtskonzert in der Palmberghalle haben werden. Burkhard Golla, seine Frau ist Lehrerin am Gymnasium, ist aufmerksam auf die beiden Erfinder geworden und hat sie zur Hanseschau nach Wismar eingeladen. Dort sollen sie ihr Instrument vorstellen und natürlich auch eine Kostprobe ihres musikalischen Könnens geben. „Das ist Wahnsinn. Wir freuen uns riesig darüber“, sagt Philip Schulz, der sich mit einem Riesen-Dankeschön bei den Firmen TLB, HTS, beim Schulförderverein und bei Schulleiter Frank Becker bedanken möchte – ohne die seine Idee wohl nur ein Luftschloss geblieben wäre.

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