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Aufklärung in Gadebusch : Schüler an Gesprächstisch bringen

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Bei dem World Café Nordwestmecklenburg beschäftigen sich Heranwachsende mit kritischen Gesellschaftsthemen

svz.de von
erstellt am 15.Nov.2017 | 05:00 Uhr

An ein Café erinnern die zwölf Tischgruppen in der Sporthalle der Heinrich-Heine-Schule Gadebusch nur entfernt. Dennoch prangt am Eingang ein Willkommensbanner zum „World Café Nordwestmecklenburg“. Hier diskutieren Schüler der 8. und 9. Klassen zusammen mit gesellschaftlichen Akteuren über Formen der Prävention.

Hinter dem Begriff „World Café“ verbirgt sich eine Aktion der Beratungsstelle für sexuelle Gesundheit und Aufklärung Westmecklenburg. Sie möchte Schüler an einen Tisch mit Institutionen wie dem Weißen Ring, der Suchtberatung und der Polizei bringen. Das soll offene Diskussionen über Themenschwerpunkte ermöglichen, welche die Schüler selbst gewählt haben.

„Die Idee des World Café kommt eigentlich aus dem Management“, sagt Gabriele Drisga von der Beratungsstelle. Sie hat das Zusammenkommen in der Turnhalle organisiert. Bei einem World Café treffen sich Gäste mit eigenen Ansichten an einem Tisch. Unter der Leitung eines kundigen Moderators tauschen sie ihre Ansichten aus. „Es ist eigentlich eine Ideenschmiede. Dieselben Prozesse können aber auch die Schüler anwenden“, erklärt Gabriele Drisga, die selbst einen der Gruppentische leitet. Ihr Thema: „Let’s talk about sex“.

In einer halben Stunde können die Schüler an den Tischen diskutieren, sich Tipps geben lassen und eigene Erfahrungen anbringen. „Die Atmosphäre wirkt locker, ist es aber nicht. Hier wird wirklich gearbeitet“, sagt Schulsozialarbeiterin Judith Keller. Sie schätzt das Interesse der Schüler hoch ein. „Ich glaube, dass die Kinder hier erzählen können, was sie im Unterricht sonst nicht los werden.“ Darauf ließe sich aufbauen.

Station J beschäftigt sich mit dem „Hatespeech“ – also Hassrede – genannten Internetphänomen. Unter dem Titel „Helden statt Trolle“ will Christian Heincke vom Landeskriminalamt Schüler sensibilisieren. „Ein so genannter Troll ist jemand, der im Internet gegen Minderheiten hetzt“, erklärt der Moderator. Es ist eine Form des Mobbings, die vor allem in Altersklassen von 14 und 29 Jahren auftritt. „Hier sollen Trolle erkannt und der Umgang mit ihnen gelehrt werden. Dafür haben wir Argumentationsregeln erarbeitet“, so Christian Heincke.

Dass Mobbing im Internet stattfindet, das wissen auch Susa und Anna Lena aus der 8a. „Ich bekomme Mobbing auch in meinem eigenen Umfeld mit“, sagt Susa. Den Tisch zu besuchen, das war ihr gerade darum wichtig. „Für mich nehme ich mit, dass die Leute aufgerufen sind, gegen das Mobbing einzustehen“, meint die Achtklässlerin.

Christian Heincke zeigt sich beeindruckt von dem Wissen der Schüler. „Sie haben selbst Erfahrungen im Netz gesammelt und wissen schon sehr viel über Mobbing im Internet.“ Nun ginge es vornehmlich darum, die Debattenkultur im Netz zu pflegen. Und dafür eignet sich das World Café Nordwestmecklenburg bestens, finden die Veranstalter.

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