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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

19. November 2017 | 21:02 Uhr

Der Skulptör : Schrott neues Leben einhauchen

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Jörn Friedrichsen verwandelt rostigen alten Müll in abstrakte Skulpturen

von
erstellt am 07.Mai.2015 | 23:46 Uhr

Jörn Friedrichsen haucht Schrott neues Leben ein. Der Künstler aus Lindow verarbeitet alles, was alt und aus Eisen ist. „Es sind eigentlich Sachen, die es so nirgends zu kaufen gibt“, erzählt Friedrichsen über seine Arbeitsmaterialien. Alte rostige Fundstücke aus der Landwirtschaft, dem Maschinenbau oder aus dem Hausgebrauch, die schon lange nicht mehr ihre Funktion erfüllen, verarbeitet der Lindower in abstrakte Skulpturen. Schrottreife Einzelteile werden aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang herausgelöst. „Ich sehe mir Dinge an und stelle mir Formen vor, die ich dann umsetze“, so der Künstler. Metall, Holz und Steine werden zu etwas ganz Neuem zusammengesetzt. Aus Verfallenem entstehen neue Wesen, die auf ihre eigene Art lebendig werden. „So befinden sich das alte Material mit seiner Geschichte und die neu geschaffene Figur in einem spannungsvollen Dialog miteinander.“

Jörn Friedrichsen zog vor 17 Jahren nach Lindow und arbeitet seitdem hauptberuflich als Künstler. Doch bereits während seiner Ausbildung als Elektroinstallateur entdecke er seine Leidenschaft für das Arbeiten mit Metallen. „In den Schiffwerften, in denen ich später arbeitete, musste ich oft schweißen und so fing alles an“, so der Mecklenburger. Seine ersten Werke waren kleine detailgetreue Miniaturfahrzeuge. Heute erschafft er hauptsächlich große Figuren, aber auch kleinen Dingen aus alten rostigen Nägeln oder Türbeschläge verleiht er eine eigene Persönlichkeit. „Aus besonders alten Sachen kann man viel machen“, erzählt der Künstler. „Nur selten bringen mir Leute noch Sachen vorbei. Es ist eigentlich schade, dass so viel altes lieber weggeschmissen wird.“


„Cradle to Cradle“: Das Ende des Mülls


Schrott und Elektrogeräte wandern immer häufiger auf den Müll, nach einer immer kürzeren Lebensdauer. Und was wird aus dem Stuhl, den wir zum Sperrmüll bringen? Er landet auf der Deponie. Dabei lassen sich viele Produkte heute bereits so herstellen, dass ihre Materialien komplett wiederverwertet werden können. So zumindest der Ansatz von „Cradle to Cradle“. Das Recycling-Konzept lässt sich auch übersetzen mit: „von der Wiege zur Wiege“. „Das ist eigentlich ganz einfach zu erklären“, so Matthias Markewitz, Berater für Innovation und Technologie der Handwerkskammer Schwerin. „Es werden nur solche Stoffe für die Produktion eines Produktes verwendet, die später auch wiederverwertet werden können.“ Dies entlaste einerseits die Umwelt und schone die Ressourcen. Bei dem Konzept bedarf es einer völlig neuen Herangehensweise der Unternehmer bei der Auswahl und Verarbeitung von Werkzeugen und Werkstoffen. „Das fängt beispielsweise schon bei der Verwendung von ökologischen Farben an“, so Markewitz. „Und ich glaube, die sind nicht wesentlich teurer, als die Chemiebomben.“

Das Konzept sucht nach Methoden der Produktion, die das Kreislaufprinzip verinnerlichen. „Wir in Deutschland stecken jedoch noch ganz in den Anfängen“, so der Berater. In der Schweiz und in Österreich habe sich dieser Ansatz bereits etabliert. „Wir wollen mit einem neuen Seminar Unternehmer in unserer Region ansprechen und ihnen dieses Recycling-Konzept vorstellen.“ Für Ende September ist das erste Einsteigerseminar in der Handwerkskammer Schwerin geplant.

„Cradle to Cradle“ orientiert sich am Vorbild der Natur und soll vor allem das nachhaltige Bewusstsein der Bevölkerung stärken. Für Künstler Jörn Friedrichsen eigentlich nichts neues. „Ich lebe das Recycling“, so der Lindower. Er selbst repariere seine Haushaltsgeräte erst einmal so lange, bis wirklich etwas neues angeschafft werden muss und die alten Sachen auf dem Schrottplatz landen. Und auch dann haucht er den Schrottteilen noch neues Leben ein und verwandelt sie in kunstvolle Figuren.

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