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Restauration : Schönheitskur für Schloss Bothmer

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Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Die Sanierung der größten Barockschlossanlage in MV schreitet voran. 1100 historische Fliesen werden wieder angebracht. Am 20. Juli kann das Schloß besichtigt werden.

Fliesenzimmer in Schlössern waren schon immer etwas Besonderes: Sie zeugten von Reichtum und Fortschritt. Darauf setzte auch Hans Caspar Graf von Bothmer. Beim Bau seines Schlosses in Klütz im Kreis Nordwestmecklenburg, damals so um 1730, ließ er sich etwa 1100 Fliesen aus Holland liefern. Sie zierten zwei Wände im Obergeschoss des Wohnhauses. Vor zwei Jahren mussten sie abgenommen werden, da das Haus saniert wurde. Jetzt sind sie wieder an ihrem Ursprungsort, eine Restauratorin hat sie aufbereitet – und ist ganz begeistert: von den Fliesen und vom Schloss. Malaika Krohn schabt in ihrem Mörtelbecher, rührt eine graue, pampige Masse um. Es ist Kalkmörtel. Sie streicht ihn zwischen die blau-weiß bemalten Fliesen, die bereits an der Wand sind. Nur ein paar wenige liegen noch auf dem Boden.

Die Restauratorin hatte die Fliesen in den vergangenen Wochen gereinigt, einige mussten sogar geklebt werden. Überraschend für die junge Frau: Die Fliesen haben die letzten rund 280 Jahre nahezu unbeschadet überstanden. „Absolut. Insgesamt 1100 Fliesen habe ich in meine Werkstatt gebracht. Davon waren zwischen 50 und 100 zerbrochen. Da wurden kleine Ergänzungen vorgenommen, sie wurden repariert. Aber der Großteil war in einem gutem Zustand“, sagt Malaika Krohn.

Warum die Fliesen zerbrachen? Dafür gibt es mehrere Gründe, weiß Bauleiter Steffen Siefert, der jeden Arbeitsschritt im Haus überwacht. Zum Einen hielt der Mörtel nicht mehr, die Fliesen klatschten einfach von der Wand. Zum Anderen wurde in einem der Räume ein angrenzender Kamin im Laufe der Jahre zu einem Ofen umgebaut. Auch da gab es Verluste. „Und dann stieß wohl der Bohnerbesen immer wieder gegen die Wände, daher sind wohl auch die Schäden im unteren Bereich besonders groß.“

Damals wie heute wurden die gleichen Baustoffe verwendet. Die Fliesen, sie sind aus gebranntem Ton, sind mit einer Glasbemalung versehen und wurden noch einmal gebrannt. Restauratorin Malaika nutzt keine modernen Baustoffe. „Wenn etwas passiert, dann soll die Fliese nicht brechen, weil der Mörtel so fest ist, sondern lieber runter fallen. Wenn man regelmäßig klopft, dann hört man ob die Fliesen gut sitzen oder nicht. Jetzt sollten sie aber die nächsten 200 Jahre überstehen“, lacht die Restauratorin aus dem Lübecker Raum.

Die beiden Fliesenzimmer, sie liegen links und rechts des großen Ahnenzimmers, werden derzeit komplett saniert. Immerhin, die etwa vier Meter hohen und zwei Meter breiten Fliesenwände sind nahezu fertig. Die Fliesen schimmern in unterschiedlichen Blau- und Weißtönen, mit ihren biblischen und landschaftlichen Motiven. „In den Zimmern wohnte damals die Grafenfamilie, es war nicht etwa eine Küche“, sagt Bauleiter Siefert.

Er freut sich ebenso wie die Restauratorin über die neuen Wände. Malaika Krohn versteht und liebt ihr Handwerk. In vielen Schlössern und Häusern hat sie bisher schon gearbeitet. Doch Schloss Bothmer ist unvergleichlich. „Das Besondere ist die Masse der Fliesen und dann handelt es sich um sehr frühe Fliesen, die ja nachweislich aus der Bebauungszeit, aus dem frühen 18. Jahrhundert, stammen und das ist das Besondere: die Zeit und die Quantität“, so Krohn.

Aber nicht nur der Wandschmuck, auch das Schloss an sich schneidet ganz gut ab. „Der Bau ist bombastisch. Ich finde es toll, dass es saniert wird und später wieder genutzt werden soll“, sagt Krohn. Nach der Fertigstellung, voraussichtlich im kommenden Jahr, sind ein Museum, ein Restaurant, Gästeunterkünfte, ein Shop sowie Räume für Veranstaltungen und Tagungen geplant. Die beiden Seitenflügel werden für eine spätere Nutzung vorbereitet, aber erst fertig ausgebaut, wenn fest steht, was genau darin unterkommen soll. Die Dienerhäuser werden vorerst nicht saniert.

Einen ersten Blick können Interessierte am diesjährigen Tag der offenen Tür ins Schloss werfen. Am 20. Juli ist Schloss Bothmer für einen Tag geöffnet. Drei Tage später gibt es im Haus noch einmal ein Konzert der Festspiele Mecklenburg- Vorpommern und dann schließen sich die Türen wieder.



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erstellt am 14.Jan.2014 | 00:00 Uhr

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