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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

22. November 2017 | 21:33 Uhr

Mietnomaden in Gadebusch : Schock für Vermieter

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Nach dem überraschenden Auszug einer Mieterin trauten die Hauseigentümer beim Betreten der Wohnung ihren Augen nicht

von
erstellt am 01.Feb.2017 | 20:45 Uhr

Tränen und Schulden auf der einen Seite, Entsetzen und Sprachlosigkeit auf der anderen. In Gadebusch spielt sich gerade das ab, was bislang unter der Rubrik Mietnomaden wohl eher im Fernsehen zu sehen war. In den Hauptrollen eine Mieterin, die ihre Nebenkosten und Miete offenbar nicht mehr zahlte sowie Vermieter, die eine demolierte und verdreckte Wohnung in der Steinstraße vorfanden.

Durch dieses kaputte Türblatt könnten Kinder klettern.
Durch dieses kaputte Türblatt könnten Kinder klettern. Foto: Michael Schmidt

„Bislang dachte ich, das gibts doch nur im Fernsehen. Aber nun muss ich das in echt auch hier in Gadebusch erleben. Das glaubt einem kein Mensch“, sagt Wolfgang Schuh. Er ist Vermieter und steht in einer 82 Quadratmeter großen Dachgeschoss-Wohnung. Hier lebte einst eine vierköpfige Familie mit drei Hunden – bis sie quasi über Nacht auszog. Die Türen sind demoliert, ein Fußbodenbelag herausgerissen, Fenstergriffe abmontiert – und ein handballgroßes Loch klafft in einer Wand. Draußen in einem Carport stapelt sich derweil das ehemalige Wohnungsinventar. „Aus dem Fenster haben sie einen Teil davon geschmissen“, vermutet Schuh. Jetzt befürchtet er, dass er wohl auch auf den Entsorgungskosten sitzen bleibt.

Entsetzen herrscht auch bei Hans-Heinrich Arndt. Er ist Miteigentümer des Gadebuscher Mehrfamilienhauses und meint: „So kann man eine Wohnung doch nicht verlassen. Das macht mich sprachlos und die Verärgerung ist groß.“

Enorm hoch sollen darüber hinaus die Mietschulden inklusive der nicht gezahlten Nebenkosten sein. Die Summe beläuft sich auf mehrere tausend Euro, rechnen Arndt und Schuh vor. Sie versuchen nun auf juristischem Wege die Schulden einzutreiben. Ausgang ungewiss.

Herausgerissen wurde der Belag, geblieben sind Flecke.
Herausgerissen wurde der Belag, geblieben sind Flecke. Foto: Michael Schmidt

Klar ist hingegen: Um diese Dachgeschoss-Wohnung wieder vermieten zu können, müssen die Eigentümer mehrere tausend Euro investieren – mindestens 4000 Euro, schätzt Schuh.

Nach Einschätzung des Landesverbandes Haus und Grund in MV haben Vermieter immer wieder mit solchen Fällen zu kämpfen. „Dass Wohnungen saumäßig von Mietern verlassen werden, nimmt zu. Ich selbst habe Wohnungen gesehen, bei denen einem der Hut hochgeht“, sagt der Präsident des Landesverbandes Haus und Grund, Lutz Heinecke.

In vielen Fällen blieben Vermieter letztlich auf den Kosten sitzen. Sie könnten zwar bei Gericht Titel erstreiten, die dann aber nicht durchsetzbar sind, weil es Pfändungsgrenzen gibt. „Manche Vermieter haben bereits zu hören bekommen: ,Verklag’ mich doch, bei mir ist nichts zu holen‘“, sagt Lutz Heinecke von Haus und Grund.  

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