Nordwestmecklenburg : Schnelles Internet nicht bis 2018

Energieminister Christian Pegel informierte über den Ausbau des schnellen Internets im Land.
Energieminister Christian Pegel informierte über den Ausbau des schnellen Internets im Land.

Minister Christian Pegel gibt Überblick über Breitband-Versorgung / FDP übt scharfe Kritik

svz.de von
11. September 2015, 23:37 Uhr

Mecklenburg-Vorpommern kann das Ziel der Bundesregierung, eine Breitbandversorgung für schnelles Internet von mindestens 50 Mbit/s bis zum Jahre 2018 sicherzustellen, nicht einhalten. Gerade in Nordwestmecklenburg sei die Flächenbeschaffenheit dafür nicht ausgelegt. Ferienhausbereiche in Boltenhagen und Gewerbegebiete in Gadebusch seien für die marktkontrollierende Telekom nicht rentabel und daher nur wenig ausgebaut. Darüber informierte am Donnerstagabend Energieminister Christian Pegel in der Grevesmühlener Malzfabrik.

Der Andrang im Kreistagssaal der Malzfabrik war groß. Aus jedem Amt des Landkreises kamen zahlreiche Interessierte, um vom Minister für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung zu erfahren, wann gerade in den ländlichen Gebieten schnelles Internet zur Verfügung stehen wird. Der nahm schnell die Spannung aus der Veranstaltung und stellte klar: „Das Ziel der Bundesregierung, bis zum Jahr 2018 ein schnelles Internet von mindestens 50 mbit/s zu 100 Prozent zu gewährleisten, ist nicht möglich.“ Als Beweis dafür gäbe es ein von der Landesregierung in Auftrag gegebenes Gutachten des TÜV Rheinland, der die Kosten für die Verlegung von Glasfaserkabel bis in jedes auch noch so entfernte Haus in Mecklenburg-Vorpommern untersuchte. Stolze 2,3 Millarden Euro müssten dafür in die Hand genommen werden. „Das ist unmöglich“, machte Pegel unmissverständlich klar und erklärte stattdessen eine Variante, in der mit etwa 405 Millionen Euro wenigstens eine Versorgung von 69,7 Prozent aller Haushalte im Land mit einem schnellen Internet möglich wäre.

Dazu hätte der TÜV das Land in 74 Hauptgebiete eingeteilt, von denen mit dem vorhandenen Geld etwa zehn bis zwölf in den kommenden Jahren aufgerüstet werden könnten. Die Bewerbungsphase solle am 1. Oktober beginnen und am 31. Dezember 2015 abgeschlossen sein. Unterlagen und die ausgeschriebenen Gebiete seien sehr bald auf der Internetpräsentation der Landesregierung zu finden

„Wir können uns aussuchen, ob wir diese zehn bis zwölf Gebiete für die nächsten 40 Jahre fit machen oder an alle 74 Gebiete halbherzig rangehen. Ich habe mich für die zukunftsweisende Variante entschieden“, sagte der Minister. Denn auch in den kommenden Jahren käme die Bundesregierung nicht darum herum, weiter zu investieren.

Gerade in Nordwestmecklenburg herrsche Nachholebedarf. Das machte auch Landrätin Kerstin Weiss in ihrer Rede klar. Denn lediglich 14,8 Prozent des ländlichen Gebietes wären mit einem schnellen Internet von mindestens 50 mbit/s ausgerüstet. „Damit gehören wir zu den am schlechtesten versorgten Gebieten in Deutschland“, erklärte Weiss. Insgesamt seien in Nordwestmecklenburg 37,5 der Anschlüsse mit schnellem Internet ausgerüstet. Auch hier gehört der Landkreis zu den am schlechtesten ausgebauten Gebieten. Halbstädtische Gemeinden wie Grevesmühlen oder Gadebusch seien mit 52,1 Prozent wiederum im Mittelfeld zu finden, wobei es allerdings in diesen Gebieten Ausnahmen gibt. Überall dort, wo die Telekom keine Ausgaben deckenden Einnahmen erwarte, müsse nun das Land einspringen und Leitungen verlegen, sagte Pegel. Dabei müsse fast immer neues Glasfaserkabel benutzt werden, da das derzeit verlegte Kupferkabel vom Verteilerkasten 50 bis 75 mbit/s lediglich bis zu einer maximalen Entfernung von 700 Meter übertragen könne. „Leider hat man beim Straßenneubau nach der Wende fast im ganzen Land vergessen, Leerrohre mit in die Erde zu packen. Das fällt uns jetzt auf die Füße, denn alleine die Tiefbauarbeiten würden 1,5 Milliarden Euro kosten. Deshalb haben wir uns für die Variante der zehn bis zwölf Gebiete entscheiden“, erklärte Pegel.

Scharfe Kritik kommt vom Wismarer FDP-Finanzexpeten René Domke: „Die Landesregierung hat nichts getan, um eine infrastrukturelle Weiterentwicklung von schnellem Internet zu befördern. Und das, obwohl Steuereinnahmen in Rekordhöhe verfügbar sind. Die Wirtschaftsförderung hat dieses elementare Ziel schlichtweg verpennt.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen