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Bundeskabinett verkürzt Kündigungsfristen : Schneller zu günstigem Strom und Gas

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Er steigt und steigt. Doch jeder Verbraucher hat es beim Strom- und Gaspreis selbst in der Hand, die Haushaltskasse etwas zu schonen, denn wechseln ist weitaus unkomplizierter als noch vor einigen Jahren.

svz.de von
erstellt am 16.Feb.2012 | 11:44 Uhr

Er steigt und steigt. Doch jeder Verbraucher hat es beim Strom- und Gaspreis selbst in der Hand, die Haushaltskasse etwas zu schonen, denn wechseln ist weitaus unkomplizierter als noch vor einigen Jahren. Und die Regierung will dies nun noch weiter erleichtern. Entsprechende Änderungen hat das Bundeskabinett gestern beschlossen.

Was genau ist geplant?

Künftig können Verbraucher ihren Grundversorgungsvertrag mit Strom- und Gasanbietern innerhalb von zwei Wochen kündigen. Bislang beträgt die Kündigungsfrist dafür vier Wochen.

Zugleich soll der neue Versorger schneller als bisher Strom oder Gas liefern können. "Insgesamt darf ein solcher Wechsel nicht länger als drei Wochen dauern", heißt es zusammenfassend in einem Eckpunktepapier des Bundeswirtschaftsministeriums. Außerdem kann die Belieferung durch den neuen Anbieter jederzeit und nicht mehr nur zum Monatsbeginn starten.

Ziel der Neuregelung sei, den Wettbewerb bei den Anbietern zu fördern und dadurch die Preise für Strom- und Gaskunden stabil zu halten, sagt Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler.

Ab wann gilt die neue Regelung?

Wenn der Bundesrat der Neuregelung zustimmt, kann sie bereits ab März oder April in Kraft treten.

Gelten die Änderungen auch für Sonderverträge?

Nein. Bei Sonderkundenverträgen gelten die vertraglichen Kündigungsfristen zunächst einmal fort, denn sie sind nicht durch die Grundversorgungsverordnung (GVV) geregelt. "Hier ist es Sache der Unternehmen, ob sie die vertraglich geregelten Kündigungsfristen an die der GVV anpassen", sagt das Bundeswirtschaftsministerium.
Wie findet man einen günstigen Anbieter?

Haushaltskunden könnten nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft derzeit im Schnitt unter 102 Strom- und 37 Gasanbietern auswählen. Nach Angaben von Vergleichsportalen lassen sich durch einen Anbieterwechsel je nach Verbrauch mitunter mehr als 200 Euro pro Jahr sparen.

Vor der Auswahl eines neuen Versorgers sollten Verbraucher ihren Jahresverbrauch ermitteln, empfiehlt der Verbraucherzentrale Bundesverband. Aufschluss darüber gibt die jüngste Stromabrechnung.

Zunächst sollten sich Kunden bei ihrem aktuellen Versorger nach preiswerteren Tarifen erkundigen. Diese könnten sie dann im Internet mit den Angeboten anderer Anbieter vergleichen. Auf den Suchseiten müssen dazu nur die Postleitzahl und der letzte Jahresverbrauch eingegeben werden.

An einen neuen Anbieter sollten sich Verbraucher nicht zu lange binden. Für den neuen Vertrag ist eine Laufzeit von zwölf Monaten ratsam, um schneller auf Veränderungen reagieren zu können. Zu empfehlen ist außerdem, sich eine Preisgarantie geben zu lassen, die mindestens der Vertragslaufzeit entsprechen sollte. Ist ein günstiger Anbieter gefunden, ist der Wechsel schnell erledigt. Bei vielen Versorgern können Verbraucher die Antragsformulare im Internet herunterladen oder online ausfüllen. Wichtig ist es, den Zählerstand parat zu haben. Alles Weitere übernimmt üblicherweise der neue Anbieter. Er kündigt den Vertrag mit dem alten Versorger, meldet den Verbraucher beim Netzbetreiber um und leitet die Strombelieferung in die Wege.

Bei Problemen könne nach Angaben des Wirtschaftsministeriums die Schlichtungsstelle Energie kostenlos vermitteln. Vorsicht ist bei Billigangeboten mit Vorauskasse geboten, wie das Beispiel des insolventen Stromanbieters Teldafax zeigt.

Wer profitiert besonders?

"Gerade für Verbraucher, die umziehen, ist die Regelung sehr vorteilhaft", sagt Ralph Kampwirth vom Ökostrom anbieter Lichtblick. "Wenn sie den Umzug nicht rechtzeitig ihrem bisherigen Versorger melden, fallen sie erst einmal automatisch in die teure Grundversorgung zurück." Jetzt könnten Bürger schneller wieder aus diesen Grundversorgungstarifen etwa der Stadtwerke raus.

Was könnte problematisch sein?

Die Stadtwerke sehen Probleme durch die kurzen Fristen. Die Kündigungsfrist dürfe man nicht losgelöst von Lieferantenwechseln betrachten, sagt der Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), Hans-Joachim Reck. Denn diese sehen eine Zeit von drei Wochen vor. Die Kunden könnten also nach ihrer Kündigung und bis zum Lieferbeginn des neuen Versorgers noch kurz in der oft teuren Ersatzversorgung durch den örtlichen Grundversorger landen. Holger Krawinkel, Energieexperte der Verbraucherzentrale Bundesverband sagt, die unterschiedlichen Fristen bei Kündigung und Stromlieferung durch den neuen Anbieter könnten zu Streitigkeiten und damit zu Mehrarbeit für die Schlichtungsstelle Energie führen.

Wie wechselbereit sind Verbraucher bisher?

Beim Strom- und Gasbezug sind viele Verbraucher eher Traditionalisten, sie wechseln nicht sehr häufig. "Nach Angaben der Bundesnetzagentur verharren noch immer fast 44 Prozent der Bürger im unnötig teuren Grundversorgungstarif ihres örtlichen integrierten Stromversorgers", sagt der Geschäftsführer des Bundesverbands neuer Energieanbieter (BNE), Robert Busch.

Die Wechselzahl nimmt aber angesichts seit Jahren stetig steigender Strompreise zu. Kündigten 2007 nur knapp drei Prozent der Kunden ihrem Versorger, waren es 2011 nach Angaben des Vergleichsportals Verivox 6,5 Prozent.

Wie hat sich der Strompreis entwickelt?

Laut Verivox stieg der Strompreis örtlicher Versorger seit 2004 von durchschnittlich 17,52 Cent auf rund 25 Cent je Kilowattstunde 2012. So machen die preiswertesten Tarife lokaler Versorger - etwa von Stadtwerken - bei einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden für einen Haushalt laut dem Portal toptarif.de durchschnittlich 973 Euro aus. Bei den günstigen Wettbewerbern sind für das erste Vertragsjahr nur 756 Euro zu zahlen - mehr als 200 Euro weniger.

KURZ ERKLÄRT: Wie setzt sich der Strompreis zusammen?
Für viele Verbraucher ist der Strompreis ein ziemliches Rätsel. 13 bis 14 Cent machen beim Preis je Kilowattstunde Erzeugung, Transport und Vertrieb aus. Rund 45 Prozent des Strompreises entfallen auf staatliche Abgaben: Mehrwertsteuer, Ökostrom-Umlage, Konzessionsabgabe und Stromsteuer. Die Ökoenergie-Förderung eignet sich 2012 nicht als Argument dafür, dass die Preise weiter gestiegen sind. Die Förderung verharrt mit 3,59 Cent je Kilowattstunde fast auf dem Niveau von 2011. Ein Grund, warum dennoch viele Versorger mehr Geld verlangen: Die Kosten für die Netznutzung sind stark gestiegen.

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