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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

24. Oktober 2017 | 13:33 Uhr

Gadebusch : Schloss kommt unter den Hammer

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Historische Anlage wird im Oktober zwangsversteigert. Die Stadt hofft auf seriöse und verlässliche Investoren

von
erstellt am 04.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Ein Schloss gefällig? Die Schlossanlage Gadebusch wird im Zuge der Zwangsvollstreckung am 19. Oktober beim Amtsgericht Wismar in Grevesmühlen zwangsversteigert. Initiator ist die Kreisverwaltung Nordwestmecklenburg. Mit der Unteren Denkmalschutzbehörde ist sie Gläubiger für das Anwesen, das sich bislang noch im Besitz des Vereins „HoffnungsGut Schloß Gadebusch“ befindet. Da der Verein mehrfach den umfänglich angeordneten Sicherungsmaßnahmen am historischen Gebäude nicht nachkam, der Kreis in Vorleistung ging, will dieser sich seine Auslagen in schätzungsweise fünfstelliger Höhe über eine Zwangsversteigerung zurückholen.

Als Verkehrswert angesetzt sind 45 000 Euro. Für Gadebusch bedeutet der Versteigerungstermin die Chance auf ein Ende des Stillstands. Mehr als 15 Jahre verkam das Haus, dessen historische Wurzeln bis hin zum Fürstensohn Pribislaw zurückreichen, zum Spekulationsobjekt privater Investoren. Ein Stück Mecklenburger Geschichte, das die Gadebuscher mit einem intakten Schlossareal nur zu gerne stärker herausarbeiten würden. „Wir erwarten den Termin mit Spannung“, sagt Bürgermeister Ulrich Howest. Er erhielt bereits vor Monaten vom Stadtparlament die Legitimation für Maßnahmen zum Erhalt des Schlosses, wie Kulturausschussvorsitzender Klaus Leuchtemann im Gespräch mit der SVZ sagte.

Ausreichend Kleingeld zur Sanierung der Schlossanlage hat Gadebusch nicht auf der hohen Kante. Schätzungsweise 10 bis 14 Millionen Euro dürfte allein die Sanierung des Hauses u.a. nach Vorgaben der Denkmalschutzbehörde verschlingen.

„Findet sich ein seriöser privater Investor analog wie beim Gadebuscher Bahnhof, dann sind wir als Stadt sehr optimistisch“, sagt Howest. Fest steht: Der Stadt Gadebusch gehört das umliegende Areal mit Aula und Wiesen auf dem Schlossberg. In Kombination mit dem alten Fürstenhaus und späteren Amtsgericht haben die Gadebuscher einen insgesamt hohen Anspruch an Gestaltung und Nutzung. Der orientiert sich in Teilen an den von Studenten der Hochschule Wismar entwickelten Nutzungsplänen. Diese reichen vom Hotelbetrieb bis zum Museumsbetrieb inklusive der historischen aus dem 14. Jahrhundert herzustellenden Repräsentationsräumen.

Pläne, die nach einem ernsthaft interessierten Investor verlangen. „In der Vergangenheit haben wir weniger gute Erfahrungen gemacht“, sagt Ulrich Howest.

 

Werdegang des Schlosses

Ausgrabungen deuten auf eine Burg im 8. Jahrhundert hin;  1181 Zerstörung  durch Truppen Heinrich  des Löwen;  Neuerrichtung und  seit Anfang 13. Jahrhundert Sitz Mecklenburger Fürsten und Nebenlinien; 1571 Umbau zum Renaissanceschloss  mit heutigem Antlitz; 1878 Amtsgericht; 1949 Internat der Oberschule; 1996 Ausschreibung zum Verkauf durch das Bundesvermögensamt; 1999 erster Verkauf an privaten Investor; 2002 erwirbt  Herbert Freisleben-Lichtenstein  die Schlossanlage; angekündigte Sanierung bleibt aus, 2012   übernimmt der Verein „HoffnungsGut“ die Initiative, Menschen mit Gewalthintergrund zu betreuen;  später übereignet von Freisleben dem Verein das Schloss;  eine  bis   2017  vollständige Sanierung startet nicht; bereits 2015 veröffentlicht das Amt Gadebusch eine Pfändungsverfügung gegenüber dem Verein, dessen Vertreter deutschlandweit nicht  auffindbar sind;  Landkreis sichert das marode Gebäude;  Dezember 2016 erfolgt die Eintragung  des Versteigerungsvermerkes im Grundbuch

 

 

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