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Groß Salitzer Ehepaar verklagt die Kirche : Schlammwüste statt Traumgrundstück

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Familie Gerhardus aus Groß Salitz hat endgültig genug. Gummistiefel sind angesagt, wenn sie durch ihren Garten wollen. Nun haben sie die Kirche verklagt. Denn die trage in ihren Augen die Schuld an der Überflutung.

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erstellt am 29.Feb.2012 | 07:57 Uhr

Groß Salitz | Familie Gerhardus hat endgültig genug. Gummistiefel sind immer noch angesagt, wenn die Eheleute aus Groß Salitz durch ihren Garten laufen wollen. Anstelle der Wassermassen mit denen Sandra und Michael Gerhardus im Januar zu kämpfen hatte (wir berichteten), ist nun Schlamm getreten. Mit Bitten, Telefongesprächen und Briefen kommen sie nicht weiter. Nun hat das Ehepaar die Kirche verklagt. Denn die trage in ihren Augen die Schuld an der Überflutung des Grundstücks.

Die Klage der Familie liege der Kirche vor, bestätigt Christian Meyer, der Pressesprecher der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs. "Das Verfahren liegt jetzt bei Gericht und muss abgewartet werden. Wir sehen keine Veranlassung, da jetzt etwas Großes zu tun", so Meyer. Die Situation habe durch die Klage eine neue Dimension angenommen. "Es ist ein schwebendes Verfahren und wir äußern uns da jetzt erstmal nicht mehr zu", macht Meyer deutlich.

Die Gerhardus kämpfen derweil um ihre Existenz. Von den Rasenflächen, die rund um das Haus und hoch zur Koppel gehen, ist nichts mehr zu sehen. Zwei breite Gräben durchziehen jetzt die Schlammwüste, die einmal ein Garten war. Hier läuft jetzt das Wasser ab, das noch vor ein paar Tagen das Grundstück überflutet hat. "Wir haben jetzt eine richtige Matschbude", sagt Michael Gerhardus und stapft durch den knöchelhohen Schlamm. "Wir wollten es uns hier nett machen, etwas aufbauen und dann passiert sowas", sagt seine Frau. Der Familie ist die Resignation anzumerken. "Immerhin fließt das Wasser jetzt ab", sagt er. "Als der Graben gezogen wurde, kam das Wasser da nur so rausgeschossen. Das ging die ganze Nacht so weiter", erzählt er. Gute zehn Zentimeter Wasser hätten auf der Wiese gestanden, die seien nun langsam abgeflossen, so Gerhardus.

Die Gemeinde Krembz hat kurzfristig Hilfe organisiert, als das Tauwetter einsetzte: Mit einem 7,5 Tonnen schweren Bagger ist der Groß Salitzer Henning Hagemann vom Landwirtschaftsbetrieb Hagemann angerückt, um der Familie zu helfen einen weiteren großen Graben zu ziehen, der nun die Entwässerung des Grundstücks ermöglicht. "So haben wir erstmal eine kurzfristige Notlösung geschaffen", sagt Werner Guschewski, Bürgermeister der Gemeinde Krembz, zu der Groß Salitz gehört. Die Kosten für den Bagger, die sich auf 200 Euro belaufen, liegen zunächst auf Eis. "Wenn die Familie sich mit der Kirche nicht einigen kann, dann werden wir als Gemeinde versuchen, das Geld für die provisorische Lösung zu erstreiten. Und Herr Hagemann hat mir versichert, so lange auf sein Geld zu warten, bis die Gemeinde es erstritten hat", so Guschewski.

Der Bürgermeister zeigt Unverständnis über das Verhalten der Kirche: "Das was die Kirche mit der Familie Gerhardus macht, ist eine Sauerei", sagt er. Dabei gebe es seines Erachtens eine relativ kostengünstige Lösung, die Situation schnell zu beheben. Durch den Graben, der sich über das Grundstück zieht, sei nun erst einmal die Möglichkeit geschaffen worden, dass die Familie ihren Streit mit der Kirche zu Ende führen kann, sagt Bürgermeister Werner Guschewski.

Und die Familie Gerhardus? Sie wartet erst einmal ab: "Jetzt muss das Gericht die Beweise sichern und solange mache ich hier gar nichts, um dem nicht entgegen zu wirken. Ich warte jetzt auf das Gericht", sagt der Familienvater.

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