Motocross und Enduro in Rehna : Schlammbaden für Profis

Das Steinert-Team: Mirko Hoffmann, Benny Dalchow, Christian Haase, Matthias Göbl, Marcel Lemke, Daniel Radom und Luca Radom (v.l.)
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Das Steinert-Team: Mirko Hoffmann, Benny Dalchow, Christian Haase, Matthias Göbl, Marcel Lemke, Daniel Radom und Luca Radom (v.l.)

Das Husqvarna-Team Steinert ist auch in der Winterzeit noch immer auf der Bahn anzutreffen.

svz.de von
22. Dezember 2013, 22:00 Uhr

Motoren heulen auf, Schlamm spritzt und in der klaren Winterluft liegt der Geruch von Benzin. Mirko-Leon Hoffmann steigt auf seine 65-er Kawasaki und macht sich startklar: Helm und Brille auf, Handschuhe und Motor an. Und los. Der Elfjährige lässt sein Motorrad einmal aufheulen, dann schießt er aus dem Stand auf die Trainingsbahn – über den Hügel und mitten ins Gefolge der anderen Motocrossfahrer. Mirko-Luca ist gut zu erkennen, seine Maschine ist kleiner als die der anderen. Trotzdem, in Sachen Geschwindigkeit und Risiko steht er seinen älteren Team-Kollegen in nichts nach.

Der Elfjährige ist das jüngste Mitglied im Husqvarna-Team Steinert, das auch bei Rennen mitfährt. „Ich fahre schon seit fünf Jahren“, erzählt er. „Ich mag die Geräusche, das Springen und das Schlamm essen.“ Der blonde Junge grinst über das ganze Gesicht. Mirko-Luca ist der erste aus seiner Familie, der sich dem Enduro und Motocross verschrieben hat. Fahrradfahren fand er irgendwann langweilig, sagt er. Also bekam er sein ersten Motorrad und ist seitdem auf der Trainingsstrecke in Rehna mit von der Partie. Angst vor Stürzen hat der Elfjährige nicht: „Das passiert oft. Gehört dazu“, sagt er und winkt ab.

Im Husqvarna-Team Steinert gibt es 10 aktive Fahrer. Der Jüngste, Luca Radom, ist sieben Jahre alt. „Er fährt aber noch keine Rennen mit“, sagt sein Vater Daniel Radom. „Meist ist er abseits der Strecke unterwegs.“ Der Vater indes war das erste Mitglied des Teams und fährt bis heute – und das mit Erfolg, genau wie seine Teamkollegen.

Daniel Radom und Matthias Göbl kommen, von oben bis unten schlammbespritzt, über den Hügel gefahren, bringen die Motorräder zum Stehen und machen Pause. Durchatmen. „Man muss wirklich fit sein, um Motocross und Enduro zu fahren“, sagt Göbl. Es komme darauf an, nicht nur die ersten zwei Runden bei einem Rennen dabei zu sein, sondern bis zum Schluss durchzuhalten.

„Es ist das schönste Hobby der Welt“, wirft Benny Dalchow ein, stülpt sich den Helm über, um dann wieder auf seine Crossmaschine zu steigen und eine weitere Runde auf der Bahn zu fahren. „Unser Sport ist ein Randsport: die Lautstärke, das durch die Landschaft fahren – wir machen zu viel kaputt“, sagt Göbl und schaut Benny Dalchow hinterher, der sich bereits in die erste Kurve legt. Schlamm spritzt hoch auf und Göbl tritt einen Schritt zurück. „Wir haben es hier in Rehna wirklich gut. Hier kommen wir gut klar, hier gibt es für uns eine Lobby“, sagt er.

Die Lobby besteht aus den Einwohnern der Stadt, die ein Auge beim Lärm zudrücken, und den vielen Freunden und Helfern, ohne die die Fahrer gar nicht an den Start gehen könnten. „Ein guter Fahrer ist nicht alleine“, sagt Christian Haase. Der 27-Jährige ist in diesem Jahr viel gefahren. Jedes Wochenende war er auf der Bahn, zum Training oder beim Rennen. „Das muss von der Familie und Freunden unterstützt werden“, sagt er. „Brille putzen, Jacke halten, Trinken anreichen. Das schafft man alleine nicht.“

Die Stütze des Husqvarna-Teams Steinert ist Günter Steinert aus Rehna. „Günter unterstützt uns nach Leibeskräften und steht uns nach 18 Uhr immer zur Verfügung“, sagt Haase. Und das mit Herzblut, bestätigt Steinert: „Hier geht es um Motorsport und Freundschaft“, macht er klar.

Der Rehnaer sponsort das Motocross-Team, hilft beim reparieren der Motorräder und ist Anlaufpunkt Nummer eins wenn es um Fachwissen und Geselligkeit geht. „Ich bin derjenige, der ermöglicht, dass es hier alles so machbar ist – mit der Pflege und Wartung der Motorräder“, sagt Steinert. „Ich bin Vertragshändler für Husqvarna und stehe mit meinen Kenntnissen und der Werkstatt zur Verfügung.“

Betrieb und Motorsport verschmelzen bei Günter Steinert. Er selbst ist viele Jahre ein erfolgreicher Fahrer gewesen. Nun unterstützt er den Nachwuchs. „Natürlich reizt es mich manchmal, zu fahren. Aber ich muss ja montags wieder hier im Laden stehen.“ Mit dem Alter werde man vorsichtiger. „Für diesen Sport muss man sein Gehirn abschalten. Wenn man älter wird, denkt man einfach zu viel nach“, sagt er und lacht.

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