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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

18. Dezember 2017 | 23:32 Uhr

Roggendorf : Schlamm-Baustelle nervt Anwohner

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Pflegedienste, Therapeuten und Anwohner müssen sich in Roggendorf durch die Marienthaler Straße kämpfen

svz.de von
erstellt am 12.Feb.2016 | 06:30 Uhr

Es gibt Schlammcatchen, Schlammschlachten und seit neuestem eine so genannte Schlamm-Baustelle, die Anwohnern der Marienthaler Straße in Roggendorf einiges abverlangt. Denn wenn sie ihre Grundstücke erreichen wollen, versinken sie knöcheltief im Schlamm.

Für die 36-jährige Hanka Keding ist das Maß jetzt voll. Sie griff zum Telefon und wandte sich über den Heißen Draht an die SVZ, um auf die Situation hinzuweisen. Denn sie macht sich Sorgen um ihre Eltern, die in der Marienthaler Straße leben und von Hanka Keding mit betreut werden. „Inzwischen habe ich angesichts dieser Zustände Angst, dass im Notfall nicht rechtzeitig Hilfe ankommen wird. Mein Vater hat die Pflegestufe III, meine Mutter die Stufe I. Ein Nachbar sitzt im Rollstuhl. Es ist schlimm, wir versinken hier vor dem Haus im Schlamm“, sagt die 36-jährige Krankenschwester.

Eine Podologin weigere sich inzwischen, die Strapazen auf sich zu nehmen. „Ein Physiotherapeut, ein Logopäde und ein Ergotherapeut kämpfen sich aber noch wacker zu uns durch. Auch die Mädels vom DRK-Pflegedienst haben ein Riesenlob verdient. Sie machen abenteuerliche Aktionen, um zu ihren Patienten zu gelangen“, sagt Hanka Keding. Und sie selbst marschiert ebenfalls durch den Schlamm, um zu ihren Eltern zu kommen.

Wie kräftezehrend das ist, wird hieran deutlich: Da sie mit dem Auto das Grundstück nicht erreichen kann, schnallt sich Hanka Keding einen mit Lebensmitteln gefüllten Rucksack auf, hängt sich eine Tasche über die Schulter, stopft weitere Lebensmittel in einen Korb der Sportkarre. Dann beginnt die Schieberei durch den Matsch. Dabei sitzt ihr einjähriger Sohn Johan Friedrich in der Karre. Inzwischen ist es seine dritte Sportkarre, zwei sind bereits verschlissen.

Seit Monaten wird in der Marienthaler Straße gebaut. Und Bürgermeister Rico Greger bittet die Anwohner ein weiteres Mal um Verständnis. „Ich kann die Verärgerung durchaus verstehen. Aber wo gebaut wird, gibt es nun mal Einschränkungen. In ein paar Wochen dürfte das hier alles fertig sein. Die Kanalarbeiten sind bereits abgeschlossen“, sagt Rico Greger. Nun beginne der Start für die reinen Straßenbauarbeiten. Die Gemeinde investiert in die Erneuerung der Marienthaler Straße mehrere hunderttausend Euro. Auch der Zweckverband Radegast und die Deutsche Telekom schlossen sich der Baumaßnahme an.

„Wenn alle rechtzeitig in die Puschen gekommen wären, hätten wir das schon fertig haben können“, meint Greger. Dann fügt er hinzu: „Von vornherein war allerdings klar, dass der Fördermittelgeber eine zeitlich viel zu enge Frist gesetzt hat. Es ist schier unmöglich gewesen, hier Bauzeiten einzuhalten, zumal das Wetter auch nicht mitspielte.“ Bis Ende 2015 hatten Amt und Kommune auf die Fertigstellung gehofft. Im Falle eines zeitigen Wintereinbruchs wollte man dafür sorgen, dass Anlieger die Straße nutzen können. Die Situation ist derzeit eine andere, wovon Hanka Keding ein Lied singen kann. Dass der Zustand so schlimm werden würde, hätte sie nicht für möglich gehalten.

Auch die Arbeiter der bauausführenden Firma haben mit dem Schlammmassen zu kämpfen. Sie müssen des öfteren Pumpen einsetzen, um weiter arbeiten zu können. Einen Einfluss auf das Wetter habe man leider auch nicht, meint einer der Arbeiter und zeigt in Richtung Marienthal. Aus der Richtung ströme das Wasser hinunter – und sorgt für die so genannte Schlamm-Baustelle in der Marienthaler Straße.

Den „schwarzen Peter“ will Hanka Keding den Bauleuten nicht zuschieben. „Ärger sollen sie wegen mir nicht bekommen. Denn letztlich machen sie hier ihren Job und helfen mir, wenn sie können. Die Mitarbeiter sind super“, sagt Hanka Keding.

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