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Kreisagrarmuseum : Schlachten wie zu früheren Zeiten

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

600 Besucher kamen nach Dorf Mecklenburg und erhielten eine lebendige Lehrvorführung über ein aussterbendes Handwerk

Mit Volldampf begann der Auftakt zum achten Schlachtefest im Kreisagrarmuseum. Zunächst bestimmte viel heißes Wasser beim Abbrühprozess zum Entfernen der Borsten das Geschehen. „Das geht, wie man sieht mit dieser so genannte Glocke super“, so Jörg Dargel. „Also Leute, nicht so heiß duschen, sonst sind auch eure Haare futsch“, moderierte der seit dem 1. Februar neue Chef der gleichnamigen ortsansässigen Fleischerei in locker, amüsanter Weise nebenbei. „Zwischen Leber und Milz passt immer noch ein Pils, hier sind besagte Stücke“, hieß es, als es an die Innereien ging. Am Ende hatte er sich, einer Lehrstunde in Sachen Hausschlachten gleich, soweit durchgearbeitet, bis aus dem 135 Kilo schweren Tier zwei Hälften wurden.

Der Rest war Sache von Tierärztin Petra Bolbeth. Aus deren Sicht war bisher alles ordnungsgemäß verlaufen. Notwendig ist aber für jede Haustierschlachtung die Fleischuntersuchung. So entnahm sie unter anderem aus dem Zwerchfell Proben, um sie auf Trichinen zu untersuchen. Dazu die Ärztin: „Das Fleisch dort besonders gut durchblutet, dort findet man sie, falls vorhanden, hundertprozentig.“

Bei etlichen der Erstbesucher mag der Begriff „Schlachtefest“ damit eine ganz neue Bedeutung erlangt haben. Denn zu erleben war gleichsam, welch ein kräftezehrender Einsatz den Akteuren hierbei abverlangt wird. Doch ein wesentlicher Bestandteil ist der gemütliche Moment der Veranstaltung: Denn „Fräten un supen“ und vor allem „Klönen“ unter Gleichgesinnten gehören ganz einfach dazu.

Dazu gab es wieder frisches Landbrot aus dem Backofen, passend zu frischen Fleisch- und Wurstwaren, Eintopf, Bratwurst oder Schwein vom Spieß. Für Kaffee und Kuchen war gesorgt und auch treue Partner, wie Imker Gerhard Lübcke, Fischer Walter Piehl und die Bäckerei Lüth präsentierten ihre Waren.

Gibt es denn bei so vielen Veranstaltungen wie bisher noch Erlebnishöhepunkte? „Dabei sein ist zum Beispiel einer“, brachte es Manfred Oldenburg aus Gressow simpel auf den Punkt. Der bald 78-jährige Schmiedemeister im Ruhestand hat bisher noch keine dieser Veranstaltungen versäumt und freut sich jedes Mal, wieder Freunde, gute Bekannte und Gleichgesinnte beim Schlachtefest in Dorf Mecklenburg zu treffen. „Wir haben alle auf dem Lande Schweine großgezogen und natürlich auch geschlachtet“, so der waschechte Mecklenburger. Allerdings schwarz, wie man damals sagte. Das war in der Zeit nach 1945 streng verboten und ließ erst nach als die damaligen Lebensmittelkarten abgeschafft wurden. Auch Lilli Müller (68), dienstbarer Schlachtefest-Geist seit der ersten Veranstaltung, musste bereits als 14-Jährige beim Schlachten im Blut rühren helfen. Und die frühere Museumsmitarbeiterin Brigitte Mustin aus Wismar-Wendorf erinnert sich noch gut daran, als ihr damals 13 Jahre alter Bruder vom Elternhaus im Wismarer Köppernitztal bis nach Dorf Mecklenburg laufen musste, wenn dort geschlachtet wurde. „Dann kam er immer mit einer vollen Milchkanne Wurstsuppe zurück“, erzählt sie.

Auch Museumschef Falko Hohensee zeigte sich mit dem Wetter und dem Veranstaltungsverlauf zufrieden: „Wir hatten ein gutes Gefühl, was die Stimmung der Gäste anbetraf.“ Er durfte die Sieger beglücken, die einen der 13 Preise erhielten. Der Hauptgewinn, einen Präsentkorb mit regionalen Produkten aller Standbetreiber, ging an Gundula Schmidt aus Schildberg bei Rüting.


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