Rainer Däbritz fertigt mit Leidenschaft Schiffsmodelle : Schiffswerft im Tarnewitzer Hobbykeller

<fettakgl>Der Hobbykeller</fettakgl> als Modellbau Werft: Dort nutzt Rainer Däbritz sinnvoll das derzeitige Schmuddelwetter und vor allem die langen Winterabende.   <fotos>hans-Joachim zeigert</fotos>
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Der Hobbykeller als Modellbau Werft: Dort nutzt Rainer Däbritz sinnvoll das derzeitige Schmuddelwetter und vor allem die langen Winterabende. hans-Joachim zeigert

In der "Schiffsmodellbau Werft" von Rainer Däbritz steht der Modellrumpf, einer Galeasse nachempfunden, "kurz vor dem Stapellauf", wie er mit einem Augenzwinkern erklärt. Es handelt sich um die Mathilde von Wismar’.

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14. Januar 2013, 09:11 Uhr

Tarnewitz | Es dauert etwas, bevor Rainer Däbritz auf das Klingeln an der Haustür reagiert. "Sorry, aber ich bin derzeit im Bastelkeller und musste erst das Werkzeug beiseite legen", so seine entschuldigende Begrüßung. Deshalb finden wir uns auch gleich dort wieder, wo man mit sinnvoller Betätigung dem derzeitigen Schmuddelwetter am besten trotzen kann, in seiner beheizten "Schiffsmodellbau Werft". Dort steht der Modellrumpf, einer Galeasse nachempfunden, "kurz vor dem Stapellauf", wie er mit einem Augenzwinkern erklärt. "Es handelt sich um die Mathilde von Wismar’, die sich um 1818 in Fahrt befand", konkretisiert der gestandene Modellbauer. Zu erkennen ist bereits ein gewisser Baufortschritt. Däbritz ist dabei, den hölzernen Rumpf nicht nur zu vernageln, sondern ebenso zu verkupfern. Das geschieht mit ganz dünnem Blech. "So wie es damals üblich war", spricht diesmal der Marinehistoriker. Bevor er ein Objekt konzipiert, hat er längst über die Originale von einst aufwendig recherchiert. "Ich habe da noch etwas sehr Konkretes", macht er auf dem Weg in die gute Stube neugierig. Dort glänzt im frischen Lackanstrich des Rumpfes der Nachbau des Dampfschiffes "Wismar".

Für den Laien scheint das Modell komplett. Für den 69-jährigen Wahl-Tarnewitzer allerdings noch nicht ganz. Es fehlen noch Kleinteile, wie zum Beispiel Anker, Ankerwinde oder Beiboote. Doch bis zur kommenden Schiffsmodellbau-Ausstellung im April, arrangiert einmal mehr vom Club Maritim im Wismarer Wassertor, soll das Modell komplett mit den noch fehlenden Teilen bestückt sein. Dass Däbritz auch zu diesem, 1883 in der Rostocker AG für Schiffs &amp; Maschinenbau fertig gestellten und im Original fast 57 Meter langen Dampfschiff mit etlichen Fakten aufweisen kann, ist keine Frage. So weiß er unter anderem, dass es vom Wismarer Reeder Heinrich Podeus betrieben wurde und unter dem ersten Kommando von Kapitän Heinrich Gornitzka stand. Doch die Recherchen gegen noch viel tiefer. Als Ergebnis entstanden komplette Übersichten von Jahresreisen des Schiffes und sogar Auszüge aus dem Havariegeschehen bei Verhandlungen im Großherzoglichen Seeamt zu Rostock.

Natürlich befasste sich der einstige Marineoffizier nicht nur mit diesem Schiff. Insgesamt 25 Mal war er bisher in einschlägigen Archiven und verschiedenen anderen Quellen fündig geworden über Seefahrzeuge, die alle den Namen "Wismar" trugen. Seine teils sehr detaillierten Aufzeichnungslisten mit Angaben von Baujahr, Größen und Namen von Kapitänen und Reedern reichen bisher von 1616 bis in die Neuzeit.

Analog dazu baute er noch im vergangenen Jahr das Modell einer Jacht nach, die im Jahre 1616/1617 im Auftrage des Herzogs Adolph Friedrich I. von Mecklenburg in Wismar auf Kiel gelegt wurde. Die Pläne dazu lieferte Hofbaumeister Gerhard Evert Pilooth aus Emden. Däbritz wiederum setzte das Modell nach Entwürfen einer baugleichen, kurfürstlichen Yacht von 1678 um. Dazu diente ihm eine Original-Spantenvorlage aus dem antiquarischen Nachlass eines Schiffsmodellbau-Verlages von 1943.

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