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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

18. November 2017 | 15:09 Uhr

Wismar : Schiff erhält stählernes Hubbein

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Kranaktion an der Wismarer Dockhalle / „Wind Server“ kann bis zu einer Tiefe von 45 Metern auf dem Meeresgrund aufstelzen

Richtig viel Bewegung herrscht derzeit vor Europas größter Dockhalle am Wismarer Standort von Nordic Yards. Die „Wind Server“, ein Serviceschiff für Windkraftanlagen, wurde kürzlich ausgedockt und erhält jetzt ihre Hubarme. Was für den Laien als vermeintlich technisches Gewusel gilt, ist für den Fachmann konzentriertes Zusammenspiel von verschiedener Hebetechnik. Damit kann sich das neue Service Schiff bis zu einer Tiefe von 45 Metern auf dem Meeresgrund selbst aufstelzen.

Die dafür gefertigten Riesenfüße hatten bereits einen Seeweg von Cuxhaven und durch den Nord-Ostsee-Kanal hinter sich. Auf einen Seeponton erreichte die schwergewichtige Ladung, vier Hubbeine, jeweils 72 Meter lang mit einem Durchmesser von 3,40 Metern im Schlepp den Wismarer Werftstandort. Dort liefen inzwischen die weiteren Vorbereitungen auf Hochtouren: Ein belgischer Gittermastkran in Sockelausführung erreichte in Einzelteilen zerlegt, per Schwerlasttransporte die Werft und wurde dort montiert. Aus Hamburg traf zusätzlich ein für Wismar alter Bekannter ein, der Schwimmkran „Enak“.

Das es sich hierbei um einen bemerkenswerten Aufwand handelt, bestätigt Norbert Schenzel vor Ort: „Jedes Hubbein ist immerhin 430 Tonnen schwer, da muss schon ordentliche Hebe- und Zusatztechnik zum Einsatz kommen“, so der 55-jährige Planungsingenieur bei Nordic Yards. Mit einem Kran allein ginge es nicht, dann müsste man die Riesenteile wie einen Zaunpfahl aufrichten. Eine Deformation des Rohrmantels oder Beschädigung des Pontondecks durch diese Riesenlast auf kleinster Fläche wäre die fatale Folge. „Also wurde ein gleichzeitiges Anheben und Aufrichten an zwei Punkten abgesichert“, so der Fachmann weiter. Anschließend übernimmt der Landkran das einzelne Hubbein allein. Er stellt es der Pier ab und hält es solange senkrecht, bis es auf dem Serviceschiff eingesetzt werden kann. Schwimmkran und Seeponton entfernen sich inzwischen, damit an dieser Stelle vor dem Landkran das Service Schiff den Platz einnehmen kann. Gleich vier Mal erfolgt dieses technische Zusammenspiel zu Lande und zu Wasser, bei denen auch noch drei Schlepper und verschiedene Autokrane im Spiel sind. Nicht umsonst kommt daher dem Bereich Spezialschiffbau eine besondere Bedeutung zu, um einer solchen Herausforderung mit höchstem Qualitätsstandard und modernster Technologie gerecht zu werden. Auftraggeber des 80 Meter langen und 32 Meter breiten Spezialschiffes ist das dänische Unternehmen DBB Jack-UP Services. Im September 2013 fand die Docklegung statt. Ende des zweiten Quartals wird das Schiff ausgeliefert. Es kommt in der Nordsee zum Einsatz, damit der Service an Windradkomponenten an Ort und Stelle in bis zu 100 Metern Höhe erfolgen kann.

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