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Schönberg : Schicht im Schacht für den Kohlenträger

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Christian Bollmann geht nach 21 Jahren als Kohlespediteur in Rente

Sein Tag hatte 13 Stunden. Von morgens um sieben Uhr bis abends um 20 Uhr war Christian Bollmann unterwegs. Seine Arbeit: zum größten Teil Kohle schleppen. Bis zu 100 Säcke am Tag. Und das ganze fünf Mal die Woche. Der 66-Jährige war jahrelang Inhaber vom Brennstoffhandel Bollmann. Nun, nach 21 Jahren, ist Schluss. Bollmann geht in Rente: Eine Schrottfirma ist dabei, die fünf Bunker in der Bahnhofsstraße in Schönberg abzubauen. „Was damit passiert weiß ich nicht“, sagt Bollmann. „Die werden aber sicher eingeschmolzen.“

Seit dem 19. April 1993 gab es in Schönberg den Brennstoffhandel Bollmann am Bahnhof. Der Schönberger war bis nach der Wende Zweigstellenleiter für Brennstoffe in Grevesmühlen. In der damaligen Kreisstadt wurde das Geschäft jedoch 1992 geschlossen. „Da habe ich überlegt, was ich machen soll“, erzählt Bollmann. Die Idee lag nahe, und ein Jahr später wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit, gründete einen Brennstoffhandel. Das Gelände am Bahnhof pachtete er von der Deutschen Bahn, die Aufbauten wie Bunker für die Kohle und Förderbänder kaufte er.

Mit zwei Angestellten fing Bollmann damals an. Um Kunden zu akquirieren schaltete er Anzeigen in Tageszeitungen, klingelte bei Leuten und machte „Werbungsfahrten“, wie er es nennt. „Um auf sich aufmerksam zu machen.“ Die Arbeit lohnte sich bald, die Nachfrage stieg stetig. Kurz nach der Wende gab es noch viele Öfen. Nur wenige hatten ihre Heizungen bereits auf Öl und Gas umgestellt. Bollmanns Geschäft lief gut. „Bis 2000 hat sich das positiv entwickelt.“ Dann, so Bollmann, wurde die Konkurrenz größer. Auch Baumärkte boten nun verstärkt Kohle an, und sogar die Supermärkte. „Einige Baumärkte gaben hohe Rabatte, die haben mir das Leben schon schwer gemacht“, erinnert sich der 66-Jährige. Der Umsatz von 2000 zu 2001 ging zurück, blieb danach aber relativ konstant. Bis heute. Ein Grund aus Bollmanns Sicht: „Kohle kann vom Preis her nach wie vor mit Öl und Gas mithalten.“ Auch wenn sich der Preis seit 1993 nahezu verdoppelt habe. Allerdings dürfe man den Aufwand nicht mitrechnen, betont er. Denn Kohle macht Arbeit und verursacht Dreck. Anders als Öl und Gas, bei denen nur das Thermostat aufgedreht werden muss.

Vor allem die so genannten Klingeltouren, bei denen Bollmann den Lkw voll beladen hat und mehr oder weniger auf gut Glück losgefahren ist, um Kohle zu verkaufen, hatten im Laufe der Jahre großen Erfolg. „Das war das Optimalste, was man machen konnte“, sagt der Spediteur rückblickend. „So habe ich mir einen Kundenstamm von Kirchdorf auf Poel bis nach Lübeck, Schwerin, Wittenburg und Zarrentin aufgebaut.“

Jetzt aufzuhören, nach mehr als 20 Jahren Selbstständigkeit, fällt schwer, gibt Christian Bollmann zu. „Es gab Höhen und Tiefen, aber mehr Höhen. Deshalb ist es nicht leicht. Aber ich bin jetzt 66 Jahre alt. Und irgendwann muss man ja aufhören mit der schweren Arbeit“, sagt der Schönberger. Seine Telefonnummer existiert weiter. Sie ist aber umgeschaltet auf den Regionalen Auslieferungsservice Brennstoffe GmbH, die sich nun um Bollmanns Kunden kümmert.

Das Grundstück am Bahnhof geht zurück an die Deutsche Bahn. Wiegehaus inklusive Büro muss Bollmann zurückbauen. Eine familieninterne Lösung kam nicht in Frage, denn seine beiden Söhne sind Musiker. „Das passt überhaupt nicht“, lacht der 66-Jährige, der in seinem Leben zigtausende Tonnen Kohle geschleppt hat. Und trotzdem fühle er sich noch körperlich fit. „Wahrscheinlich durch die viele und schwere Arbeit. Ich weiß nicht, wie es mir gehen würde, wenn ich 20 Jahre im Büro gesessen hätte.“ Einen Traum, den er sich erfüllen möchte, jetzt, wo er mehr Zeit hat, den hat Bollmann nicht. Nur eins steht für ihn fest. „Ich muss jetzt Sport machen. Ich werde auf keinen Fall nur im Sessel sitzen. Das ginge auch gar nicht nach der ganzen Arbeit in den vergangenen Jahrzehnten.“ 


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