Schaalsee : Scheue Einzelgänger

dsc_2596
1 von 2

Das Reh wurde zum Wildtier des Jahres 2019 gewählt

svz.de von
18. Mai 2019, 05:00 Uhr

Mit dem Reh wurde in diesem Jahr ein Tier zum Wildtier des Jahres gewählt, das wohl die meisten Menschen schon einmal gesehen haben. Besonders im Winter schließen sich die Tiere zu kleinen Gruppen zusammen und sind dann häufig auf Feldern oder an Waldrändern zu beobachten. Die übrige Zeit des Jahres ist das Reh als Einzelgänger unterwegs.

Jetzt im Mai bringen die weiblichen Rehe, vom Jäger auch Ricke genannt, ihre Jungen zur Welt. Eigentlich ist der Mai, wenn mit sprießenden Gräsern und Knospen ausreichend Nahrung vorhanden ist, der ideale Zeitpunkt für die Geburt der Kitze. Jedoch findet zu diesem Zeitpunkt auch die erste Grünlandmahd statt, was jedes Jahr vielen Jungtieren das Leben kostet. Die Strategie „verstecken und nicht bewegen“ hat sich bei Kitzen, Junghasen und auch Bodenbrütern Jahrtausende lang bewährt und das Überleben der Art gesichert. Wenn jedoch nicht mehr von Wolf und Fuchs, sondern von moderner Mähtechnik die größte Gefahr ausgeht, hat diese Strategie verheerende Folgen. Tausende Rehkitze werden jedes Jahr bei der Grünlandmahd getötet.

Landwirte sind verpflichtet sich vor der Mahd mit ihren Jagdpächtern in Verbindung zu setzen, um abzuklären, ob sich Rehe mit ihren Jungen auf der Fläche aufhalten. Man kann die Flächen mit einem ausgebildeten Vorstehhund absuchen oder bereits im Vorfeld Stangen mit Tüten aufstellen, um die Tiere von den Flächen fernzuhalten.

Die Deutsche Wildtierstiftung hat 2019 einen „Praxisratgeber Mähtod“ herausgegen, der kostenlos unter www.deutschewildtierstiftung.de bezogen werden kann.

Die effektivste Art, Wildtiere vor dem Mähtod zu bewahren, ist ein späterer erster Schnitt des Grünlandes. Flächen, die vom Biosphärenreservatsamt Elbe-Schaalsee verpachtet werden, dürfen deshalb erst ab Mitte Juni gemäht werden. Trotz erheblicher Verluste während der Mahd und durch den Autoverkehr, gehört das Reh in Deutschland nicht zu den gefährdeten Arten.

Das Reh ist ein klassischer Kulturfolger. Sein großer Vorteil ist seine Flexibilität. Waren Rehe früher vor allem im Wald zu Hause, besiedeln sie heute auch die Feldflur, Heckenlandschaften und sogar städtische Parks.

Übrigens, auch vor Menschen schützen sich Kitze nicht durch Flucht, sondern durch „Unsichtbarmachen“. Findet man ein Rehkitz, das sich im Gras versteckt, kann man davon ausgehen, dass die Mutter ganz in der Nähe ist. Man sollte sich unauffällig entfernen. Irrt ein junges Reh jedoch längere Zeit ohne Mutter umher, ist es sinnvoll den Jagdpächter zu informieren.

Mit dem Ranger unterwegs: Am morgigen Sonntag können Naturinteressierte mit Ranger Mario Axel auf eine spannende Exkursion in das Roggendorfer Moor gehen. Treffpunkt zu der Exkursion ist um 13 Uhr auf dem Parkplatz am Sportplatz in Roggendorf. Moore sind Lebensraum für hochspezialisierte Arten, zu denen der Sonnentau und verschiedene Moorlibellen gehören.

Seit das Roggendorfer Moor im Jahr 2015 renaturiert wurde, ist es wieder wassergesättigt und entwickelt sich zum wichtigen Lebensraum moortypischer Tier- und Pflanzenarten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen