Wissenswertes aus der Natur : „Scharfschützen“ im Gemüsebeet

„Bei manch fallender Blüte regt sich manchmal dann doch Mitleid“, so Hajo Kahl.
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„Bei manch fallender Blüte regt sich manchmal dann doch Mitleid“, so Hajo Kahl.

Zwischen Springkraut und Kopfsalat auf dem Kastanienhof

svz.de von
03. Juli 2015, 23:05 Uhr


Als Kind habe ich mich immer gewundert, wenn meine Großeltern, die über einen großen Gemüsegarten verfügten, erzählten, dass der Salat schießt oder irgendetwas in Saat schießt.

Ich habe mich damals ernsthaft gefragt, warum der Salat das macht. War es die Lust am Ballern, reine Boshaftigkeit oder war die Erntezeit gekommen und das Schießen diente der Selbstverteidigung. Vor meinem inneren Auge spielten sich dramatische, bluttriefende Szenen ab. Bonanza war eine Lachnummer dagegen. Ich hatte wirklich Angst, in den Gemüsegarten zu gehen.

Egal, heute weiß ich dass nicht wirklich scharf geschossen wurde, sondern dass damit der Gärtner das Aufschießen einer Pflanze meint. Also das Höhenwachstum, an dessen Ende die Blüte und letztendlich die Fruchtbildung und Samenreife stehen.

In unserem Kastanienhof-Garten gibt es aber wirkliche botanische Scharfschützen. Unsere Gartencafé-Besucher müssen aber nicht befürchten, dass sie beim Genießen von Kaffee und Kuchen beschossen werden.

Einige unserer Storchschnabel – Arten (Geranium) z.B. schießen ihre Samen bis zu drei Meter weit. Ein raffinierter Mechanismus in den schnabelartigen Früchten (daher auch der Name Storchschnabel) bewirkt, dass die Samen beim Trockenwerden der Früchte weit herausgeschleudert werden. Aber auch viele Gewächse die Hülsenfrüchte ausbilden, wie Platterbsen, womit Wicken gemeint sind, Lupinen und Ginster sind Scharfschützen und verbreiten ihre Art durch das Herausschießen der Samen. Das drüsige Springkraut, einstmals als Zierpflanze aus Indien mitgebracht, verbreitet sich ähnlich. Es hat sich im 19. Jahrhundert von Indien über England und Frankreich bis in den Süden Deutschlands ausgebreitet. Heute kommt es fast überall in Europa vor und wird ob seines invasiven Auftretens von vielen Gärtnern bekämpft. Angst muss man vor diesen botanischen Waffenbrüdern nur wegen ihrer Vermehrungswut haben. Alle neigen sie dazu, sich stark auszubreiten und andere Pflanzen zu verdrängen. Die Wucht der herausfliegenden Samen reicht nicht aus, um einen Menschen zu verletzen.

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