Wolfsichtungen : Schäfer bleibt entspannt

Detlef Mohr bleibt entspannt: „Herden lassen sich vor Wölfen schützen.“
Detlef Mohr bleibt entspannt: „Herden lassen sich vor Wölfen schützen.“

Elektrozäune und Hirtenhunde bieten der Herde Schutz vor dem Wolf. Das Biosphärenreservatsamt berät Tierhalter zu Schutzmaßnahmen

23-11367724_23-66109651_1416395531.JPG von
05. März 2015, 23:52 Uhr

Der Wolf streift durch die Kulturlandschaft rund um den Schaalsee. Von Aufgeregtheit ist bei Schäfer Detlef Mohr dennoch nichts zu spüren. In seiner Brust schlagen in puncto Wolf eher zwei Herzen: „Als Privatmann bin ich gespannt, freue mich über die naturgegebene Sache. Als Schafhalter muss ich meine ökonomischen Interessen vertreten.“

Sieben Herden mit zirka 1000 Tieren ziehen in diesen Tagen durch die Naturschutzgebiete entlang der Klein Salitzer Moorrinne sowie weiteren Grünlandflächen im Dreieck Gadebusch-Wittenburg-Ratzeburg. Sie halten die Kulturwiesen flach. Angst vor bösen Überraschungen lässt Mohr nicht erkennen. „Wir haben die Möglichkeit vorbeugend zu arbeiten, können uns schützen“, sagt der Klein Salitzer. Ein sicherer Schutz bedeutet für Schäfer fachgerecht aufgebaute Zäune von 90 Zentimetern mit reichlich Strom darin. „Das mögen die Raubtiere nicht. Fehler beim Aufbau, die darf sich ein Tierhalter nicht erlauben. Durchgängige Absperrungen oder fehlende Zäune an Gewässern sind kein Hindernis“, meint Mohr. Sollten diese Maßnahmen nicht reichen, bestehe mit Unterstützung des Landes sogar die Möglichkeit des Einsatzes von Hirtenhunden. Für derartige Schritte müsse allerdings ein wirklicher Nachweis für eine dauerhafte Anwesenheit des Wolfes kommen.

Genau darauf zielen die Hinweise des Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe ab. Klaus Jarmatz, Leiter des Amtes: „Aktuell ist es in Sachen Wolf noch sehr ruhig im Teil Schaalsee des Gebietes des Biosphärenreservates Schaalsee-Elbe. Es gibt gelegentliche Einzelsichtungen von durchziehenden Wölfen, aber keine Hinweise auf ein sesshaftes Tier.“ Anders sehe es im Bereich Lübtheen aus. Dort sei bekanntermaßen ein Rudel etabliert, welches im Jahr 2014 erstmalig Nachwuchs hatte.

Ob es sich bei der Sichtung des verhaltensauffälligen Wolfes Ende Februar westlich des Schaalsees möglicherweise um eines der Tiere aus der Lübtheener Heide handelt, bleibt ungewiss. Die Sichtung in direkter Nachbarschaft versetzte Schafhalter und Jäger aber in Alarmbereitschaft.

Meldungen, die bei Detlef Mohr die Neugierde weckten. „Ich bin hinüber gefahren, habe geschaut und mit Kollegen und Bekannten gesprochen die versuchten, den Wolf von einer Herde fern zu halten“, sagt der Schäfer. Die Begegnungen waren echt. Ein Video auf seinem Handy zeigt, wie Isegrim auf einem Weg auf ein Auto zuläuft, kurz schaut und völlig entspannt auf die benachbarte Fläche weiterläuft. Des Weiteren kursierten Berichte von Wolfssichtungen in der Ortslage Schmilau und Nachbarorten. „Als diese Nachricht eintraf, war meine Herde bei Salem lediglich fünf Kilometer entfernt, aber Hinweise auf gerissene Tiere gab es nicht“, sagt Mohr.

Aktuell ist es um den Räuber ruhiger geworden, tauchten keine neuen Fotos und Videos auf. Lediglich aus dem Oldenburger Gebiet stammt eine Meldung, dass ein zutraulicher Wolf am Wegesrand stand, schaute und weiterlief.

Ein ähnliches Verhalten wie im Schaalseegebiet. Schäfer Mohr stuft es als nicht gefährlich ein: „Dieses Tier ist auffällig, hat keine Scheu, aber ist damit lange nicht aggressiv.“ Das sei auch in Gudow so gewesen, als ihm eine Frau davon berichtete, wie das Tier ihr beim Gassigehen mit dem Hund gefolgt sei.

Schäfer wie Mohr haben eher Problem mit wildernden Hunden, die in „einem Fall fünf Tiere rissen“. Für ihn gibt es nur einen Weg: Der Mensch muss sich auf den Wolf einstellen. „Wir haben die Lausitz bereist , mit Schafhaltern gesprochen, die von mehreren Wolfsrudeln umgeben sind. Dort hat niemand Probleme mit dem Wolf.“

Das Biosphärenreservatsamt sieht sich bereits heute als zuständige Behörde. Bürger, Tierhalter und Jäger werden gebeten, Sichtbeobachtungen mitzuteilen. Mitarbeiter von Landesämtern fahren vor Ort, sichten Spuren, untersuchen „Tatorte“, wenn ein Tier gerissen wurde. Die Gefahren für die Nutztiere lassen sich nicht ausschließen, meint der Klein Salitzer: „Solch Widrigkeiten müssen wir in Kauf nehmen, wie Wind und Wetter, Raben und Füchse, die sich durchaus auch das eine oder andere Lamm aus der Herde holen.“

      Beratung zum Thema Wolf

Rissgutachter kommt vor Ort
Seit 2010 gibt es in MV einen Wolfsmanagementplan.  So bietet das Biosphärenreservatsamt Schalsee-Elbe Betroffenen Beratungs- und  Fördermöglichkeiten  im Bereich  Schutz von Schafen und Ziegen sowie Herdenschutzhunden.  Sollten Nutztiere gerissen werden:  „Tatort“ abstecken,  Behörden innerhalb von 24 Stunden informieren.  Die Rissgutachter sind unter  Telefon: 03843−777215, 0173−8516509 (Frau Zscheile); 0171−4859789 (Herr Dr. Stier); 038825−22043 (Herr Behl) erreichbar.
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen