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Schule Lützow : Sanitätsausbildung hautnah erlebt

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Erste Hilfe nach vermeintlichem Chemieunfall. Jugendliche der 8. und 9. Klasse der Lützower Schule absolvierten Übung

von
erstellt am 20.Jul.2016 | 05:00 Uhr

Säureunfall im Chemieraum: Durch eine chemische Reaktion mit weiteren Stoffen entwickeln sich giftige Dämpfe. Die Klassenleiterin wird ohnmächtig, ist nicht mehr ansprechbar. Die Jugendlichen der Klassenstufe acht sind geschockt. Einige kollabieren, erleiden Krämpfe und sind durch den Schock nur schwer bis gar nicht ansprechbar.

DRK-Sanitäter Pascal Blodau und mit ihm Schüler der 9. Klasse haben alles im Griff. Sie absolvieren im Zuge des Schulsanitätsdienstes einen Projekttag – hier und heute ist es glücklicherweise nur eine Übung. Aber all das, was die Schüler im Sanitätsunterricht erleben, kann sehr schnell Realität werden. Problematisch ist es, wenn das Wissen zum Helfen fehlt. Blodau: „Unsere Umfrage unter jugendlichen Schwarzfahrern in Grevesmühlen ergab, dass sie von Erster Hilfe keine Ahnung hatten. Das hat uns schockiert. Uns war klar, hier muss sich etwas ändern.“

Ein neuer Ansatz ist u. a. der Projekttag in Lützow. Der Leiter der Klassenstufe neun schaut gespannt in die Runde: „Nach fünf Stunden ist Prüfung“, sagt Uwe Döffinger. Seine Truppe wurde in Erste Hilfe geschult. Pascale Blodau spielt vor der Einsatzübung rasch den Ablauf nochmals durch: „Die Beurteilung der Lage, Reanimation, Verbände anlegen – all das gehört zur Beurteilung der Situation. Ihr habt alles gelernt. Nun zeigt, dass ihr es könnt“, sagt er.

Schüler wie Alina stehen jetzt als Einsatzleiterin mit Notfallkoffer in der Verantwortung. Sie müssen leiten, lenken und Ordnung ins Chaos bringen. Als sich die Tür zum Klassenraum öffnet, ist letztlich alles anders als geplant. Enge Gänge, die Trage zu breit, Schüler, die im Stimmenchaos lautstark für Unruhe sorgen, ihre Rolle ein wenig zu ernst nehmen, aber sie dafür authentisch spielen.

Der Abtransport der Verletzten startet. Ein Junge löst sich und springt von der Trage. Die Schüler erschrecken. Blodau ruft ihnen zu: „Ihr müsst reagieren.“

Durchaus heftig scheint die Verätzung am Unterarm von Jasmin Richter. Die von Blodau mit Kosmetik aufgetragenen Wundbestandteile wirken echt. Eine Wunde, die einen Verband braucht.

Dino Skoppek (15) schaut bereits bei den Vorbereitungen interessiert zu. „Ich fahre selbst Motocross, da ist Wissen um die Erste Hilfe wichtig“, meint der Schüler.

Klassenleiterin Renate Ott liegt am Boden. In dieser Projekt-Unterrichtsstunde ist sie scheinbar ihren schweren Verletzungen erlegen. Doch die Hilfsmannschaften haben sie bislang nicht ausgemacht. Blodau gibt dem Rettungsteam Hinweise: „Transportiert sie in den Vorbereitungsraum ab. Aus dem Blickfeld, damit im Ernstfall keine weiteren Personen einen Schock erleiden.“ Im Nachbargang verkrampft ein Schüler. „Nicht über die Person steigen, denn im Ernstfall setzen solche Verletzte das dreifache ihrer Kraft frei“, mahnt der Sanitäter.

Ordnung ins Chaos bringen. Eine Aufgabe die gar nicht so einfach scheint. Sanitäter Blodau spricht gegenüber den Schülern von den Kurzbezeichnungen „AAA“ und „BKA“. Sie bedeuten „anschauen, ansprechen und anfassen“ bzw. „Bewusst, Kreislauf und Atmung prüfen“.

Trotz einer insgesamt jugendgemäßen Lockerheit im Sanitätsunterricht ist vom Stoff im Erste-Hilfe-Kurs einiges hängen geblieben. Wissen, das im Ernstfall Menschenleben retten hilft. „Ihr werdet ein Zertifikat erhalten“, sagt Blodau. Er spürt die Erleichterung in der Klasse. Sie haben die Hürde für das Zertifikat der Björn-Steiger-Stiftung genommen. Im September folgt die schriftliche Prüfung für den Erste-Hilfe-Schein – ein wichtige Grundlage zum Erwerb eines Führerscheins.

Die stellvertretende Schulleiterin Renate Ott hat trotz ihrer Rolle aufmerksam das Geschehen verfolgt und sagt: „Ab 2017 möchten wir den Schulsanitätsdienst ab der Klassenstufe 5/6 anbieten.“ Unterricht fürs Leben, wie Pascal Blodau hinzufügt. Er begrüßt, dass sich Schulen wie Lützow die Schulsanitätsdienst-Ausbildung auf die Fahnen geschrieben haben.

 

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