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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

17. Dezember 2017 | 13:07 Uhr

Gadebusch : Sanierung mit Überraschungen

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Fachwerkhaus in der Wollbrügger Straße in Gadebusch ist entkernt und wird durch Pfähle mit dem Baugrund verankert

svz.de von
erstellt am 02.Feb.2016 | 23:53 Uhr

Es riecht modrig und muffig. Holzbalken sind von Schwamm befallen. Eine Stahlkonstruktion stützt die Fassade des Fachwerkhauses. Die Wollbrügger Straße 12 in Gadebusch ist ein Sanierungsfall und eine Herausforderung. „Es ist unheimlich spannend“, sagt Architekt Mathias Goldberg.

Vor sechs Jahren kaufte ein Hamburger Investor das Haus. Seitdem tüfteln Experten, wie es saniert werden kann. Die Stadt Gadebusch unterstützt das Projekt mit Fördermitteln. „Es hat einen hohen historischen Wert für die Stadt“, sagt Romy Elßner vom Bauamt. Über die Summe, die der Besitzer in das Projekt investiert, will der Architekt nichts sagen. Nur soviel: Sie liegt unter einer Million Euro.

Früher waren hier eine Stellmacherei und ein Kunsthandwerkerladen untergebracht. Seit gut zehn Jahren steht es aber leer.

In den vergangenen Wochen wurde das Gebäude komplett entkernt. „Jetzt können wir zum ersten Mal eine Bestandsaufnahme machen“, sagt Goldberg. Und was zutage tritt, überrascht die Bauleute dann doch gelegentlich. „Offiziell ist das Haus 250 Jahre alt. Doch wir haben Bauteile gefunden, die wesentlich älter sind.“ Mittelalterliche Eichenbalken beispielsweise. Nicht die einzige Überraschung. So gibt es Stützbalken, denen Bauleiter Martin Kruschwitz ansieht, dass sie in der Wollbrügger Straße nicht zum ersten Mal verbaut worden sind. Entweder ist das Haus in der Vergangenheit abgebrannt, Teile sind eingestürzt oder aus zwei Häusern wurde eines gemacht.

Bis es an den Innenausbau gehen kann, muss das Haus erst einmal sicher mit dem Untergrund verankert werden. „Der Baugrund rund um die Kirche ist erst in vier Metern tragfähig“, erklärt der Architekt. Deshalb werden in der Wollbrügger Straße Mikropfähle gesetzt. Einige ragen elf Meter in die Tiefe, andere müssen schräg in den Boden gebohrt werden.

Im nächsten Schritt bekommt das alte Fachwerkhaus ein Stahlkorsett. Die Fassade des Hauses neigt sich sichtbar gen Straße. „Das wird zurzeit durch eine Stahlkonstruktion gesichert“, sagt Goldberg. „Das ist für die Verkehrssicherheit zwingend notwendig.“ Das Gerüst steht auf einem Beton-Sand-Gemisch, damit der Fußweg nicht beschädigt wird. Damit das Gerüst aber verschwinden kann, werden im Inneren Stahlträger verbaut, die die Wände und Decken stützen. Sie sind auch nach der Sanierung zu sehen. „Das wird ein deutlicher Kontrast zu den historischen handbehauenen Balken“, sagt der Architekt und das ist so gewollt.

Irgendwann soll in der Wollbrügger Straße eine Wohnung entstehen. Im Erdgeschoss kann ein Gewerbe einziehen. Dafür wird zwischen Erdgeschoss und erster Etage die Zwischendecke entfernt, damit eine hohe Halle entsteht. Das alte Fachwerk bleibt aber stehen. Der Zugang zur Wohnung im Obergeschoss erfolgt von der Straße An der Kirche und die ehemalige Manufaktur auf dem Hinterhof soll wieder eine solche werden.

Aber wann es soweit ist, mag der Architekt nicht vorhersagen.

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