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Schriftsteller Nils Mohl in Gadebusch : Sanftes Lächeln und derbe Worte

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Zum ersten Mal las der preisgekrönte Autor Nils Mohl in MV und stellte bei einer Weltpremiere sein neues Buch „Zeit für Astronauten“ vor

von
erstellt am 22.Apr.2016 | 04:45 Uhr

„Flachleger-Lächeln, notgeiler Spaten, Schielauge“ – es sind mitunter derbe Worte, die Nils Mohl in seinen Büchern verwendet. Gestern war der 1971 in Hamburg geborene Autor in Gadebusch. Dort stellte er vor 60 Schülern u. a. seinen Jugendroman „Zeit für Astronauten“ (Rohwolt) vor, der heute offiziell in die Buchläden kommt. Redakteur Michael Schmidt sprach mit dem Nordlicht über pubertierende Kinder, Kritiker und die Kuhrische Nehrung.

Herr Mohl, „Zeit für Astronauten“ heißt Ihr Buch, das heute offiziell erscheint. Da stellt sich die Frage: Wohin würden Sie gerne fliegen?
Nils Mohl: Mein großer Lebenstraum ist, einmal die Pyramiden zu sehen, was gar nicht so unrealistisch ist, was ich bislang aber noch nicht geschafft habe.

Wohl jeder Jugendliche fragt sich, wie seine Zukunft aussehen mag. Welche Empfehlung können Sie Teenies mit auf den Weg geben?
Ich glaube, wenn man etwas hat, was einen ausfüllt und glücklich macht, dann sollte man versuchen, seinen Traum zu realisieren. Auch wenn es manchmal ein steiniger Weg ist. Für mich war zum Beispiel meine große Schwester ein Vorbild. Sie hat sehr früh eine Leidenschaft für die Querflöte entwickelt. Da war sie 12 oder 13 und hatte eine Menge Widerstände überwinden müssen, um ihren Traum vom Musikstudium wahr werden zu lassen. Dass sie es schaffte, hat mich sehr beeindruckt. Zumal wir beide in einer Gegend groß geworden sind, wo Musik, Kultur und Kunst nicht übermäßig gefördert wurden.

Sie sind Vater eines Sohnes und zweier Töchter. Welchen Rat haben Sie für Eltern parat, wenn deren pubertierenden Kindern zum ersten Mal das Herz gebrochen wird?
Wir wissen wohl alle, dass Eltern in solch einem Moment sehr hilflos sind und sie den Kindern den Schmerz nicht nehmen können. Umso wichtiger ist es, dass den Kindern schon lange vorher das Gefühl vermittelt wurde, dass sie etwas wert und etwas besonderes sind. Vielleicht ist es aber auch nicht verkehrt, solch eine Erfahrung zu machen. Einmal müssen sie da wohl durch, aber sie dürfen daran natürlich nicht kaputt gehen.

Eine 13-jährige Leserin unserer Zeitung möchte wissen, wie entscheidet man sich, ob man nur ein Buch oder gleich eine ganze Serie schreibt?
Als ich auf dem halben Weg durch meinen ersten Roman war, hatte ich festgestellt, dass ich viel mehr zu erzählen hatte und dass das Schreiben auch mehr mit mir machte, als ich es vorher für möglich gehalten habe. Ich merkte, dass es ein großes Glück war, über das Erwachsenwerden zu berichten. Und da der erste Roman von der Liebe handelte, entstand die Idee für eine Liebe-Glaube-Hoffnung-Trilogie. Außerdem ist es immer wieder ein Abschied von den Figuren, mit denen man sich beschäftigte und von der Welt, in der man sich aufgehalten hat.

„Tendenziell immer dafür“, das ist über Sie zu lesen. Heißt das, dass es sich nicht lohnt, gegen den Strom zu schwimmen?
Aber mit „Tendenziell immer dafür“ schwimmt man, glaube ich, genau gegen den Strom. Denn es ist immer wahnsinnig einfach, gegen etwas zu sein. Für etwas zu sein, ist hingegen deutlich anstrengender.

Sie haben studiert, arbeiteten im Baugewerbe, Einzelhandel, in der Logisitikbranche, waren Dozent und in der Reklamewirtschaft tätig. Wie kamen Sie zum Schreiben?
Das war ein romantischer Jugendtraum, der nicht aufhörte. Während der Zeit des Heranwachsens und des Studiums habe ich nichts gefunden, was mich so sehr interessiert hätte wie die Literatur. Alle Tätigkeiten, die ich hatte, waren immer nur Mittel zum Zweck, um durchzukommen und vielleicht auch ein wenig Erfahrung zu sammeln, die man braucht. Letztlich waren es mehr oder weniger Gelegenheitslösungen vor dem Hintergrund, dass ich schreiben möchte. Schreiben wollte ich immer.

Wer sind Ihre größten Kritiker, Ihre Kinder, die einen preisgekrönten Autoren zum Papa haben und der womöglich Persönliches von ihnen preisgibt oder Ihre Lektorin?
Ich hoffe, der bin ich selbst. Denn es ist das Wichtigste, möglichst kritisch mit seinen eigenen Schreiben umzugehen, da die Tendenz da ist, jeden Gedanken von sich selbst als sehr wertvoll zu erachten. Das Erste, was jeder Schriftsteller also lernen muss, ist sein härtester Kritiker zu sein. Denn die Anderen haben nicht die Zeit und Kapazität, sich intensiv damit auseinander zu setzen.

Ich persönlich habe das Glück zwei, drei Freunde zu besitzen, die in ähnlichen Bereichen arbeiten. Ihnen kann ich guten Gewissens alles geben, und ich weiß, dass ich von ihnen eine ehrliche Meinung zurückbekomme.

Bisher habe ich über meine Kinder noch nichts geschrieben und das wird wohl auch so bleiben. Seine Nächsten sollte man nicht ausnutzen, sondern schützen.

Zum Abschluss die Gretchen-Frage: Wie treu sind Sie, bringen Sie es über das Herz, Ihren geliebten Campingwagen von der Nordsee-Insel Amrum auf eine Ostsee-Insel zu befördern. MV genießt schließlich den Ruf, das Land zum Leben zu sein.
Der Wagen ist leider nicht mehr zu bewegen. Er steckt auf Amrum in den Dünen fest, insofern komme ich jetzt in keine Verlegenheit. Insgesamt bin ich aber ein Nordlicht und mag auch die Ostsee. Ein Ort, den ich zum Beispiel liebe, ist die Kuhrische Nehrung. Tolle Erinnerungen habe ich auch an Rügen, als ich einmal zu Silvester an der Nordspitze dieser Insel war. Auch das Fischland ist wunderschön. Ich hätte also kein Problem damit, wenn ich einen beweglichen Wohnwagen hätte, ihn auch an die Ostsee zu stellen.

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