rehna : Runter vom Abstellgleis

Endstation Rehna? Aus Sicht von Martin Reininghaus kann nur ein Lückenschluss die Bahnstrecke retten.
Endstation Rehna? Aus Sicht von Martin Reininghaus kann nur ein Lückenschluss die Bahnstrecke retten.

Zukunft der Bahnstrecke Rehna ungewiss. SVZ sprach mit Martin Reininghaus vom Aktionsbündnis Lückenschluss

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04. Januar 2016, 16:20 Uhr

Der Kreistag Nordwestmecklenburg sieht im Bahnlückenschluss Rehna-Schönberg keine Alternative zum Gleisbogen Bad Kleinen und lehnte im Dezember die Favorisierung der Strecke Rehna ab. Auch wenn ein Grundsatzbeschluss des Kreises damit nicht gekippt wurde, könnte diese Meinungsäußerung weitreichende Folgen haben. Grund: Die Bahnstrecke nach Rehna befindet sich nach SVZ-Recherchen auf einer Streichliste. 2019 laufen die Verträge über deren Bewirtschaftung aus. SVZ-Redakteur Volker Bohlmann sprach mit Kommunalpolitiker Martin Reininghaus, der sich mit weiteren Lokalpolitikern und Pro Bahn für einen Streckenerhalt und deren Ausbau einsetzt.

Ist mit dem Beschluss des Kreistages in seiner letzten Sitzung das Thema Bahnlückenschluss Rehna- Schönberg vom Tisch?
Martin Reininghaus: Mir war immer wichtig festzustellen: Der Lückenschluss und die Kurve bei Bad Kleinen sind keine Alternativen. Bad Kleinen steht zu recht mit hoher Priorisierung auf dem Bundesverkehrswegeplan, weil das Projekt besonders für den Güterverkehr eine bundesweite Bedeutung hat. Sie soll den Knoten Hamburg im Güterverkehr entlasten und den Transport aus dem südlichen Ostseeraum über Schwerin und Magdeburg nach Süden verbessern. Diese Funktion gewinnt noch zusätzlich an Bedeutung, wenn die Fehmarnbeltquerung kommt.
Was soll der Lückenschluss Rehna bringen?
Martin Reininghaus: Unsere Region – besonders der Raum Rehna/Gadebusch hat mit Blick auf den öffentlichen Nahverkehr eine miserable Anbindung an die Metropolregion Hamburg und Lübeck. Die letzte Zahlen zeigen: Mehr als 30 000 Menschen aus Westmecklenburg pendeln zu einem Arbeitsplatz in Schleswig-Holstein oder Hamburg. Politiker aller Parteien sind sich einig, dass unsere Region dichter an die Metropolregion heranrücken muss. Darin liegt unsere Chance und genau dafür benötigen wir den Lückenschluss für eine attraktive Nahverkehrsanbindung.
Sieht man das in Schweriner Ministerien auch so?
Martin Reininghaus: Leider muss man diese Frage derzeit klar mit Nein beantworten. Seit Jahren versuchen wir mit diesem Thema Gehör zu finden – bislang erfolglos. Allerdings dürfen wir das nicht „persönlich“ nehmen, denn der schienengebundene Nahverkehr (SPNV), wird vom Land seit Jahren stiefmütterlich behandelt. Das zeigt auch die aktuelle Diskussion um die starke Verschlechterung der Anbindung aus Richtung Boizenburg an Hamburg.

Dem Land werden solche Pläne der Bahn lange vorher bekannt gemacht. Auf der Seite des Landes hat offensichtlich niemand ernstgenommen, welche gravierenden Auswirkungen die aktuelle Fahrplan-umstellung für die Pendler hat.
Woran liegt das?
Martin Reininghaus: Das liegt vor allem daran, dass man in Schwerin mit Blick auf den SPNV nur auf die Mittel des Bundes setzt. Der Bund zahlt den Ländern so genannte Regionalisierungsmittel, um damit den SPNV zu organisieren. Wenn man, wie in Schwerin, seit Jahren nur nach Berlin schaut und befürchtet, dass die Mittel sinken werden, kann man keine aktive gestaltende Politik betreiben.

Müssen wir mit einer Zuspitzung rechnen?

Martin Reininghaus: Der Super-Gau ist eingetreten: Die neue Regelung zur Verteilung dieser Mittel unter den Bundesländern sieht vor, dass
MV den stärksten Rückgang hinnehmen muss – ein Viertel weniger bis zum Jahr 2030. Hier hat sich MV über den Tisch ziehen lassen, wie man hinter vorgehaltener Hand in Landesministerien der alten Bundesländer hört.
Glauben Sie trotz dieser Prognosen immer noch an den Lückenschluss?
Martin Reininghaus: Wir brauchen den Lückenschluss. Wir brauchen ihn vor allem deshalb, weil die völlige Stilllegung der Strecke Schwerin–Rehna doch nach wie vor nicht vom Tisch ist. Das ist doch auch kein Wunder. Jeder weiß, wenn man in einer Sackgasse wohnt, hat man ein besonders ruhiges Wohnumfeld, weil es keinen Durchgangsverkehr gibt. Für uns als Stadt ist genau das aber der Haken. Die Zahlen zeigen weiter nach unten – wie viele Leute fahren schon in eine Sackgasse? Wenn man weiterfahren könnte nach Lübeck und Hamburg, sähe das komplett anders aus.

Der Regionalzug von Lübeck nach Hamburg im Stundentakt ist nahezu immer gut gefüllt. So ähnlich könnte auch der Regionalzug von Schwerin über Rehna und Lübeck nach Hamburg aussehen.

Was kann die Lokalpolitik bewerkstelligen?

Martin Reininghaus:

Rehna und andere Kommunen an der Strecke müssen eine klare Position zum Erhalt der Strecke mit dem Zusatz Lückenschluss beziehen. Ohne Lückenschluss ist die Strecke nicht überlebensfähig.
Was wünschen Sie sich vom Land?
Martin Reininghaus: Das Land muss endlich raus aus dem ewigen Abwärtsstrudel. Es ist doch ein Teufelskreis: Die sinkenden Mittel führen zu einer Reduzierung und Verschlechterung des Angebotes. Das schlechtere Angebot führt zu einer geringeren Auslastung und weiteren Reduzierung. Andere Bundesländer machen zum Teil schon erfolgreich vor, wie es gehen kann: Ein attraktives Angebot, Regionalzüge im Stundentakt auf ausgewählten Strecken führt in der Regel auch zu steigender Nachfrage und damit zu einer Kostenentlastung – nicht zu höheren Kosten.
Mit welcher Begründung sollte das Land so handeln und hier investieren?
Martin Reininghaus: Meines Erachtens gibt es drei Faktoren. Erstens: In den Metropolregionen nimmt die Bedeutung des Pkw ab. Viele junge Leute leben heute in der Großstadt problemlos ohne eigenes Auto – das funktioniert bestens.

Zweitens: Die Arbeit wird sich in den Metropolen konzentrieren. Nicht alle können aber dort wohnen – also müssen sie durch ein gutes Angebot im Schienennahverkehr zu ihrer Arbeit gelangen können. Dass die Straßen rund um die Metropolen schon heute überlastet sind, ist ja nun wirklich kein Geheimnis.

Drittens haben wir seit Paris nun endlich wieder ein Klimaprotokoll mit ehrgeizigen Zielen. Wenn die Politik nicht wirklich steuernd eingreift, wird der derzeit niedrige Spritpreis diese Klimaziele im Bereich Verkehr komplett konterkarieren. Wenn ich richtig liege, ist der Verkehr immerhin für ein Drittel unseres Kohlendioxid-Ausstoßes verantwortlich. Insofern glaube ich wirklich, es ist Zeit zum Handeln.

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