Wismar : Rucksack-Streit landet vor Gericht

Vor dem Amtsgericht Wismar ging es gestern Nachmittag um diesen Kinderrucksack.
Vor dem Amtsgericht Wismar ging es gestern Nachmittag um diesen Kinderrucksack.

Zwei Frauen stritten sich in Wismar um das Eigentum ihrer Töchter. Der Rucksack hatte eine Wert von rund 40 Euro

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28. Februar 2018, 05:00 Uhr

Justitia hat auch ein Herz für Kita-Knirpse. Das wurde gestern Nachmittag im Amtsgericht Wismar deutlich. Dort stritten sich zwei Frauen um einen Kinderrucksack, der einem dreijährigen Mädchen zuvor in einer Kita abhanden gekommen war. Zwar beharrte die eine Frau mit Vehemenz darauf, dass dieser Rucksack ihrer eigenen Tochter gehöre und tischte dem Gericht so manchen Erklärungsversuch auf. So sollen Teile ihrer alten Kellnerschürze darin verarbeitet worden sein. Doch im Laufe der öffentlichen Hauptverhandlung zeichnete sich ein anderes Bild ab. Dabei wurde immer klarer: Der Rucksack gehört einem anderen Kita-Zwerg. Daran, so der zuständige Richter, gebe es null Zweifel.

Mit einem „blauen Auge“ und der Zustimmung der Staatsanwaltschaft kam die Frau schließlich aus dem Verfahren heraus und akzeptierte einen Strafbefehl, gegen den sie eigentlich vor dem Amtsgericht ankämpfen wollte. Dieser Strafbefehl sieht die Zahlung von 20 Tagessätzen a 20 Euro. Insgesamt werden nun also 400 Euro fällig. Der Wert des Kinderrucksacks war von der Eigentümerin mit rund 40 Euro angegeben worden.

Die Eigentümerin konnte dem Gericht als Zeugin übrigens detailliert schildern, dass es ihr beziehungsweise der Rucksack ihrer Tochter sei. „Ich hatte an zwei Stellen den Rucksack namentlich gekennzeichnet. Beide Stellen wurden danach sichtbar entfernt.“ Außerdem sei dieser Rucksack als Unikat und von einer befreundeten Polizeibeamtin angefertigt worden. Diese habe damals sogar Fotos von dem Rucksack gemacht.

Ein charakteristisches Merkmal des Rucksacks war darüber hinaus der Buchstabe „M“. Dieser war einst angenäht und offenbar nach dem Verschwinden des Rucksackes entfernt worden. Ein neues und farblich anders gestaltetes „M“ war später vermutlich zu Tarnzwecken aufgeklebt worden.

Das Verfahren hätte für zwei weitere potentielle Zeugen noch jede Menge Ärger bedeuten können. Sie sollten vermutlich zugunsten der Angeklagten aussagen. Wäre es dazu gekommen, hätten sie demnächst selbst Platz auf der Anklagebank nehmen können. Denn Falschaussage vor Gericht kann mit einer Mindestfreiheitsstrafe von drei Monate geahndet werden. Wer unter Eid falsch aussagt, kassiert eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr.

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