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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

26. September 2017 | 14:57 Uhr

Rote Karte für den Landkreis

vom

svz.de von
erstellt am 07.Jun.2010 | 06:59 Uhr

Nordwestmecklenburg | Im Landkreis spitzt sich der Streit zwischen der Kreisverwaltung und der Kreismusikschule erneut zu. Der stellvertretende Leiter der Musikschule, Bertram Grafendorff , hat gekündigt und juristische Schritte angedroht.

Nach SVZ-Informationen bekommt der stellvertretende Musikschulleiter noch 15 000 Euro vom Kreis. Er soll seit August 2009 zwischen 60 und 80 Stunden pro Woche gearbeitet haben. Bezahlt bekommen hat er aber offenbar nur 20 Stunden. Außerdem soll er für seine Dienstreisen vom Kreis seit mehreren Monaten kein Geld erhalten haben. Deshalb hat er jetzt gekündigt.

Die Mehrarbeit soll nach SVZ Recherchen allerdings auf Wunsch der Verwaltung erfolgt sein, denn Grafendorff übernahm mit der Erkrankung von Schulleiter Hartwig Kessler (Anfang 2009 bis April 2010) den Aufgabenbereich seines Vorgesetzen. Der Kreis wollte sich jetzt zu den Vorwürfen nicht konkret äußern: Er kündigte allerdings an, die noch offenen Punkte mit dem stellvertretenden Schulleiter regeln zu wollen.

Dabei handelt es sich eigentlich um eine interne Angelegenheit. Allerdings mit Vorgeschichte und wiederholt negativer Außenwirkung. Der jüngste Fall zwischen der Kreismusikschule im Zuständigkeitsbereich des Fachdienstes Bildung und Kultur bringt erneut Schwachpunkte innerhalb der Kreisverwaltung auf - Monate nach Abschluss des Prüfberichtes zur Kreismusikschule. Dieser wurde unter Regie von Landrätin Birgit Hesse (SPD) und ihrer Stellvertreterin und Fachdienstleitung Bildung und Kultur Kerstin Weiss (SPD) gefertigt. Vorwürfe, wonach sich einzelne Mitarbeiter durch Honorarzahlungen bereichert haben sollen, bestätigten sich nicht (SVZ berichtete). Klar wurde hingegen, dass es durch eine verordnete personelle Schwächung der Schulverwaltung zu Problemen im Arbeitsablauf der Einrichtung kam. Aufgebrachte Eltern gingen damals an die Öffentlichkeit.

Im Sommer 2009 kam es nach wochenlanger Akteneinsicht zum Eklat zwischen Schule und Verwaltung, wobei Landrätin Hesse die Kündigung von Grafendorff zurücknahm. Denn das Gutachten bescheinigte der Schule eine korrekte Arbeit - lediglich konkrete Anweisungen seitens der Verwaltung zur Abrechnung von Überstunden und dem Schulbetrieb fehlten damals.

Die Mitarbeiter und der Förderverein konnten hingegen nachweisen, dass Abrechnungen von Veranstaltungen korrekt erfolgten. Darüber hinaus verwendete der Förderverein seine Einnahmen zur Finanzierung der Jugend- und damit Kulturarbeit unter dem Namen des Nordwestkreises. Der Fachdienst monierte diese Verfahrensweise und verlangte Akteneinsicht. Dazu fehlte allerdings jede rechtliche Handhabe. Mit dem im Herbst vorgelegten Abschlussbericht monierte der Vorsitzende der CDU-Kreisfraktion, Dr. Hans-Heinrich Uhlmann, die Arbeit der Kreisverwaltung mit den Worten "viel Lärm um nichts". Die aktuelle Auseinandersetzung scheint mehr an Inhalt zu bieten. Denn, dass Grafendorffs Stundenbudget über dem vertraglich festgelegten Zeitlimit lag, soll nach SVZ-Informationen in mit den geforderten Zuarbeiten zum Prüfbericht der Verwaltung in Zusammenhang stehen. Ob die jüngste Auseinandersetzung politisches Kalkül von Führungskräften oder gewollte personelle Veränderungen beinhaltet, bleibt spekulativ. Fest steht: Die Kreismusikschule und damit der Landkreis könnten erneuet Schaden nehmen und damit die Arbeit von rund 1 000 Schülern zwischen der Insel Poel und Lützow.

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