Frost vernichtete zwei Drittel der Pflanzen : Rosenduft macht Unglück erträglich

Gelbe Kletterrosen haben Karin und Reinhard Tielck aus Schwerin in diesem Jahr in Lützow gekauft. Hamann
Gelbe Kletterrosen haben Karin und Reinhard Tielck aus Schwerin in diesem Jahr in Lützow gekauft. Hamann

Etwa 10 000 Rosen in 500 verschiedenen Sorten lockten in den vergangenen Jahren viele Gäste zum Rosenfest nach Lützow. Besucher strömten auch in diesem Jahr zum achten Rosenfest, aber manche waren etwas enttäuscht.

svz.de von
26. Juni 2012, 11:18 Uhr

Lützow | Etwa 10 000 Rosen in 500 verschiedenen Sorten lockten in den vergangenen Jahren jeweils Hunderte Besucher zum Rosenfest nach Lützow. Besucher strömten auch in diesem Jahr zum bereits achten Rosenfest, aber manche waren etwas enttäuscht. "Der Frost hat uns mächtig zugesetzt", sagt Erich Bielefeld, der vor 13 Jahren den Lützower Betrieb von Rosen-Jensen gekauft und das Rosarium gebaut hat. "Nur etwa 3000 Rosen haben den Frost überlebt, nachdem der milde Januar die Rosen bereits zum Treiben gebracht hatte." Dem 66-Jährigen merkt man an, wie sehr ihn das getroffen hat. "Aber riechen Sie einmal diese Rose, eine Englische Rose", sagt er. "Wenn man das riecht, weiß man, was eine Rose ist. Das richtet einen immer wieder auf, wenn es Rückschläge gibt."

In Lützow waren 1987 Gewächshäuser gebaut worden. Rosen Jensen versuchte hier nach der Wende die Rosenzucht aufzubauen. Als der Betrieb 1999 dann insolvent war und geschlossen werden sollte, hat Bielefeld nach dreimonatigen Verhandlungen mit dem Insolvenzverwalter den Betrieb übernommen. "Ich habe einen Rohrleitungsbaubetrieb in Dümmer, war nach Lützow wegen ausstehender Rechnungen gefahren und dann vom Rosenduft betört worden", erzählt der Rohrleitungsbauer, der ursprünglich aus der Landwirtschaft kommt. "Dann habe ich leichtsinnigerweise den Garten angelegt."

Auch wenn das Rosarium immer wieder Geld aus dem Rohrleitungsbau hinzubekam, hat der Unternehmer trotz mehrerer Unglücke am Rosenhof festgehalten. 1,5 Hektar misst das gärtnerische Kleinod in Lützow. Das Rosarium zieht sich um das ganze Gelände. Findlinge - beim Rohrleitungsbau stößt er immer wieder auf diese großen Steine - sind das wesentliche Gestaltungselement. Vom Rosenhügel aus kann man alles überschauen.

Die Rosenbögen lassen den Rohrleitungsfachmann erkennen. Und der Unternehmer spiegelt sich bei den Gewächshäusern wider: Als vor drei Jahren viele der etwa 7000 Quadratmeter großen Dachflächen der Gewächshäuser unter der Schneelast einbrachen, war Bielefelds Lösung der Aufbau von Photovoltaikanlagen auf 3500 Quadratmetern. 150 Kilowatt Strom erzeugt er jetzt auf diesen Flächen.

Karin und Reinhard Tielck aus Schwerin sind in jedem Jahr beim Rosenfest. "Es ist schon schlimm, wie der Frost hier gewütet hat", sagen sie unisono. "Aber wenn wir im nächsten Jahr kommen, wird davon sicher nicht mehr viel zu spüren sein."

Der Rentner Hans-Jürgen Erfert (67) zeigt sich ebenfalls erschrocken über das Ausmaß der Frostschäden. "Auch bei uns in der Altmark hat der Frost große Schäden angerichtet. Ich komme aus Salzwedel und habe meinen Sohn bei Wismar besucht. Hier in Lützow mache ich seit Jahren Zwischenstation, um Rosen zu kaufen. Und auch in diesem Jahr hat sich die Fahrt nach Lützow wieder gelohnt."

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