zur Navigation springen

Kein Geld für Straßen : Rollsplitt nervt Pendler

vom

Auf den Straßen in Nordwestmecklenburg wurde die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 40 bzw. 30 Kilometern pro Stunde reduziert. Grund sind Reparaturarbeiten, bei denen Splitt auf die Fahrbahn aufgberacht wurden.

svz.de von
erstellt am 03.Sep.2013 | 05:20 Uhr

Mühlen Eichsen/Lützow | Auf dem Weg zur Arbeit müssen Autofahrer derzeit jede Menge Geduld aufbringen. Denn auf Bundes- und Landesstraßen in Nordwestmecklenburg wurde die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 40 bzw. 30 Kilometern pro Stunde reduziert. Grund dafür sind Reparaturarbeiten, bei denen Tonnen von Splitt auf die Fahrbahn aufgberacht wurden.

Autofahrer wie der Grevesmühlener Wolfgang Werner bringen dafür zwar Verständnis auf. Was ihn aber ärgert, ist Folgendes: Auch Wochen, nach der Splittaktion, sei zwischen Mühlen Eichsen und Schwerin nichts geschehen. Autofahrer müssten weiterhin maximal 40 Kilometer pro Stunde und in Ortschaften 30 Kilometer pro Stunde fahren.
"Für mich ist nicht nachvollziehbar, dass hier nicht gekehrt wurde. Für die Fahrt zur Arbeit in Schwerin muss ich derzeit eineinhalb Stunden statt 45 Minuten einplanen. Das ist ärgerlich", sagt Wolfgang Werner. Mit seiner Kritik will der 58-Jährige die Verantwortlichen wachrütteln und zum Handeln auffordern.

Offenbar kam es zu Problemen im Bereich der Straßenmeisterei Gadebusch bei einem der Auftragnehmer. Das räumte das Infrastrukturministerium gestern ein. Dem Unternehmen wurde inzwischen eine Nachfrist gesetzt, bei der eine umgehende Beseitigung des Splitts mit Nachdruck eingefordert worden sei. "Es ist ärgerlich, wenn Geschwindigkeitsbeschränkungen über das erforderliche Maß hinausgehen. Dafür hat auch die Straßenbauverwaltung als Auftraggeber kein Verständnis. Deshalb wird die Splittbeseitigung umgehend geregelt", kündigt Ministeriumssprecher Steffen Wehner an. Von heute an soll die Firma mit eigenen und zusätzlich angemieteten Kehrmaschinen den Splitt beseitigen. Dies betrifft die Streckenabschnitte Schwerin-Mühlen Eichsen, Schwerin-Wittenburg und Gadebusch-Lützow. Bis Sonnabend dieser Woche soll der Splitt von der Fahrbahn sein. Danach werde abschnittsweise die Beschilderung der Geschwindigkeitsbegrenzung zurückgebaut, so dass wieder mit normalen Geschwindigkeiten gefahren werden kann.

Die Reparaturmaßnahmen an der Straßenoberfläche waren dem erhöhten Instandhaltungsbedarf geschuldet, da ein großer Teil der Straßen noch nicht grundhaft ausgebaut ist. Dadurch sollen Winterschäden am Straßenbelag und weitere Substanzverluste für einen mittelfristigen Zeitraum beseitigt werden, um die Lebensdauer der Straßen zu verlängern. Im Bereich Nordwestmecklenburg (Sraßenmeistereien Börzow, Gadebusch und Wismar) sind im Jahr 2013 etwa 300 000 Euro für diese Maßnahmen eingesetzt worden.

Fachleute, wie Carsten Willms vom ADAC, halten vom Rollsplitt-Einsatz nichts. "Straßenbaurechtlich ist so etwas zwar noch zugelassen. Das ist aber Technik wie vor 50 Jahren und die Ultima Ratio, also das letzte Mittel, wenn das Geld für die Infrastruktur fehlt", sagt Willms. Jeder vernünftige Straßenbauer wisse, dass es bessere Reparaturmöglichkeiten gebe. Carsten Willms hat zudem kein Verständnis dafür, dass der Rollsplitt - anders als in Schleswig-Holstein - auch auf viel befahrenen Straßen eingesetzt werde. "Je öfter der Rollsplitt dort von Fahrzeugen überfahren wird, desto spitzer und gefährlicher wird der Splitt", so Willms. Die Folge könnten Reifenplatzer mit nicht absehbaren Gefahren für Zweiradfahrer sein. "Nach etwa einer Woche sollte Rollsplitt von den Straßen gekehrt werden", fordert Carsten Willms.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen