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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

23. Oktober 2017 | 21:19 Uhr

Carlow : Rocken für Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Aminu Mukaila und Stefan Schmidt erzählten beim Open-Air-Festival von ihren Erfahrungen / Sieben Bands begeisterten die Besucher

svz.de von
erstellt am 30.Jun.2014 | 00:01 Uhr

Für den guten Zweck die Bühne zum Beben bringen: Gleich sieben Bands traten beim Open-Air-Festival in Carlow an der Kirche auf. Gleichzeitig wurde auf die Flüchtlingsproblematik an den europäischen Grenzen aufmerksam gemacht und um Spenden gebeten. Vor allem die Schilderungen von Aminu Mukaila waren erschütternd. Der Ghanaer erzählte von seinen drei Versuchen übers Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Er überlebte nur knapp.

„Bei einem Versuch bekamen wir ein Leck. Von den 28 Flüchtlingen schafften es nur acht“, erinnert sich Mukaila. Doch ans Aufgeben dachte er da noch nicht. Eine weitere Überfahrt endete ebenfalls fast in einer Katastrophe. Erst durch das Erscheinen der Cap Anamur konnte er gerettet werden. Deren ehemaliger Kapitän war ebenfalls zu Gast in Carlow. Stefan Schmidt: „Wir dachten zuerst, dass das Arbeiter von einer nahen Ölplattform waren. Doch dann haben wir die Flüchtlinge wie bei einer Übung an Bord geholt.“ Dabei wurde klar, dass die 37 Menschen weder Lebensmittel noch Wasser und nur noch wenig Benzin hatten.

Aminu Mukaila sieht diese Rettung als seine zweite Geburt. „Irgendwann hab ich gedacht: Genug ist genug“, so Mukaila. Heute lebt er in Ghana. Gemeinsam mit einigen anderen ehemaligen Flüchtlingen berichtet er seinen Landsleuten von den Schwierigkeiten des langen Weges. „Viele ignorieren die Gefahren der langen Reise“, so der Ghanaer. Durch die fehlenden Perspektiven sehen viele Ghanaer keine andere Möglichkeit mehr, als auszureisen. Doch wer den beschwerlichen Marsch durch die Wüste überlebe, stehe in Lybien vor dem Nichts. „Eine Überfahrt kostet etwa 1000 Dollar. Dafür muss man zwei Jahre lang, fast wie ein Sklave arbeiten. Und manchmal wird man dann nicht mal bezahlt“, sagt Mukaila.

Wer schließlich genug Geld beisammen hat, begibt sich in kleinen Booten in Lebensgefahr. Dies sind, nach Aussage von Mukaila, hauptsächlich Männer. Es liege jedoch nicht daran, dass nicht auch viele Frauen und Kinder nach Europa wollen. „Doch die Sterben meist schon beim Marsch durch die Wüste“, erzählt Mukaila. Und somit abseits der Augen der Weltöffentlichkeit.

Durch seine Arbeit in Ghana hofft Mukaila viele seiner Landsleute vom Bleiben zu überzeugen. „Ich will so viele Leben wie möglich retten“, betont er. Finanziert wird sein Vorhaben hauptsächlich durch Spenden. Auch beim Open-Air-Festival in Carlow wurde für die Organisation Mukailas sowie für den von Stefan Schmidt mitbegründeten Verein „Borderline Europe“ gesammelt. „Wir wollen auf die Situationen an unseren Grenzen aufmerksam machen“, erklärt Schmidt.

 

 

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