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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

14. Dezember 2017 | 09:19 Uhr

Rögnitz : Ringelnatz und seine Freunde

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Künstler der Region würdigen Lyriker. Hildes Dorforchester inspiriert heute mit Musik

von
erstellt am 05.Sep.2014 | 23:35 Uhr

„Kuttel Daddeldu – Weihnachten im Exil“: Lothar Hollers Kunstwerk aus Rollen von Toilettenpapier, Kerzen in Fischdosen auf einem barocken Tisch mit glitzerndem Besteck hat als weihnachtliche Deko den gewissen schwarzen Humor. So, wie ihn Joachim Ringelnatz als Lyriker und Kabarettist mit seiner Kunstfigur Kuttel Daddeldu in den 1920er und 1930er Jahren prägte.

„Es ist eines von rund 50 Werken, die wir in der aktuellen Kunstschau ,Ringelnatzpanoptikum in Rögnitz‘ zeigen“, sagt Initiator Martin Rohrbeck. Bis Ende Oktober ist die Schau als Hommage an den deutscher Schriftsteller, Kabarettisten und Maler Ringelnatz, alias Hans Gustav Bötticher, Besuchern des kleinen Ortes zugänglich.

Die Mitarbeit an der Kunstschau hat sich Lothar Holler als einer der erfahrensten Szenenbildnern Deutschlands nicht entgehen lassen wollen. Neben Filmen wie „NVA“, „Hände weg von Mississippi“ und die „Gustloff“ packte er seine Gedanken zu Ringelnatz in ein Kunstwerk und mit ihm weitere zwölf Kunstschaffende aus der Region.

Entstanden ist eine facettenreiche Schau, wie sie Rohrbeck liebt und mit einem verschmitzten Lächeln bei einer Führung gerne Hollers „Weihnachten im Exil“ mit Streichholz und Kerzen zum Leuchten bringt. Er selbst recherchierte über Monate für einen Hamburger Filmproduzenten zum Thema Ringelnatz. „Den Film gibt es noch nicht“, sagt er. Aber das Stöbern in den Arbeiten des Humoristen hinterließ Spuren. Vom Ringelnatzfieber ist bisweilen nicht die Rede, aber „es ist über mich gekommen“, meint ein scherzender Martin Rohrbeck, der die Vielseitigkeit des am 17. November 1934 verstorbenen Künstlers schätzt.

Nicht weniger vielseitig wirkten die 13 regionale Künstler mit ihrer Sicht auf Ringelnatz. Der Rögnitzer spricht von einem faszinierenden Einstieg: „Wir haben uns im Ringlnatzmuseum Cuxhaven inspirieren lassen. Ein Jahr darauf liegen nun die Ergebnisse vor, die wir heute sehen.“ Darunter Bilder aus dem Nachlass des Künstlers, teils un- und weniger bekannte. Darauf ist Rohrbeck stolz. Und: „Mit der Unterstützung von Frank Möbus gelang es erstmals, außerhalb des Museums von Cuxhaven Bilder zu präsentieren.“

Im alten Gutshaus mit der Feinen-Ziegenkäsemanufaktur, dem benachbarten Cinema-Fromage und der neue Galerie auf dem Nachbarhof finden sich nun die Interpretation zu Ringelnatz. Vom vertonten Gemälde, Skulpturen bis hin zur Malereien. „Hier gelingt einem der einfache Zugang“, merkt Rohrbeck an. Ein Erfolg einer kreativen Gemeinschaftsarbeit, an der Dietlind Freiling mitwirkte.

Sie ist seit zwei Jahren in Rögnitz zu Hause und hat eine ganz neue Beziehung zum Vater von Kuttel Daddeldu aufgebaut. Ein Buch mit Dialogen gehört zum Ergebnis „Ringelnatz, Hans und ich“. Die Literaturwissenschaftlerin antwortet auf Gedichte des Künstlers in Versform, ähnlich wie es Ringelnatz einst mit Freunden und Kritikern tat.

Damit wird klar, der Lyriker der 20er- und 30er Jahre ist nicht vergessen. Selbst die Nazis vermochten es nicht, mit einem Verbot und der Vernichtung seiner Werke den Humoristen und Kabarettisten aus Wurzen zum Schweigen zu bringen. Heute scheint er gefragter den je. Davon zeugt die jüngst stattgefundene „Ringelnatz Calypso“ bei Rohrbecks. Rund 80 Gäste aus Norddeutschland folgten der Einladung zum literarischen Abend mit Musik. Musikalisch geht es heute weiter. „Hilde`s Dorforchester“ wird anlässlich des „Ringelnatzpanoptikums“ ein Konzert (20 Uhr) geben. Drei Stücke sind dem Künstler gewidmet.

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