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Wanderausstellung im Kloster Rehna : Rettung für die Zeit im Turm

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Mit einer Wanderausstellung möchte Hans-Joachim Dikow auf den desolaten Zustand einiger Kirchenuhren im Land aufmerksam machen.

svz.de von
erstellt am 27.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Um diese Ausstellung wird Rehna so manche andere Stadt beneiden: Seit heute ist die Wanderausstellung „Jetzt schlägt’s 13“ im Kloster Rehna zu besichtigen. Das Thema: Kirchturmuhren in Not. Eine groß angelegte Dokumentation aller Uhren in Mecklenburg findet hier eine Plattform zum Beschauen und Bestaunen.

„Die Idee zu dem Projekt entstand, als sich ein Mann an einem meiner Uhrenseminare anmeldete, weil bei ihm im Ort die Kirchturmuhr kaputt war“, erinnert sich der Initiator der Ausstellung, Hans-Joachim Dikow. Das dreistündige Seminar reichte nicht, um die spezialisierten Fähigkeiten eines Kirchturmbauers zu vermitteln. Die Idee aber, sich mit solchen „Notfällen“ zu beschäftigen, war geboren. „Tausende Uhren habe ich schon repariert, aber noch keine Kirchenuhr“, schildert Hans-Joachim Dikow seinen Gedankengang.

Als selbstständiger Uhrenmacher in Schwerin hegt Hans-Joachim Dikow eine Leidenschaft für die tickenden Meisterwerke. Sie lässt ihn das „Jetzt schlägt’s 13“-Projekt seit 2011 betreuen. Über 200 Uhren in rund 430 Kirchgemeinden hat Hans-Joachim Dikow zusammen mit anderen Uhrenfreunden besucht und dokumentiert. Dabei waren die Umstände, die Uhren zu erreichen, zuweilen sogar gefährlich. „Es waren schon manchmal halsbrecherische Aufstiege. Bei manchen Aufstiegen wurden wir gewarnt, weil Sprossen auf den Holzleitern fehlten, oder sie so wurmstichig waren“, berichtet der 63-Jährige.

Unterstützung erhielten Hans-Joachim Dikow und der involvierte 1. Mecklenburger Uhrenclub vom Kirchenbaurat Karl-Heinz Schwarz. Zusammen entwickelten sie eine Möglichkeit der Dokumentation. „Für die Datenerfassung wurde ein eigenes Programm geschrieben, das dem Kirchenkreis Mecklenburg vorliegt“, erzählt Hans-Joachim Dikow. Die Dokumentation vor Ort aber wurde von Hans-Joachim Dikow und Herbert Weisrock vom 1. Mecklenburger Uhrenclub mit Fotoapparat, Papier und Bleistift vorgenommen.

Gelohnt haben sich die Anstrengungen für den Uhrmacher dennoch. „121 Uhren funktionierten – entweder elektronisch oder mechanisch betrieben. Ganze 105 mechanische Uhren hingegen sind defekt.“ Und sie sind zum Teil in desolatem Zustand. Für sie soll in den kommenden Jahren gesorgt werden. Stück für Stück. „Wir haben uns schon eine Milleniumaufgabe gestellt“, gesteht Hans-Joachim Dikow ein. Denn viele der Kirchgemeinden hätten zwar Interesse daran, die Uhren wieder ticken zu hören, „ihnen fehlt aber schlichtweg das Geld“, so der Uhrmacher.

Mit Benefizkonzerten, Spenden und der Wanderausstellung wollen die Uhrenfreunde auf die Problematik aufmerksam machen und Geld sammeln. „Wir wollen gezielt Projekte zur Sanierung und Pflege von Kirchturmuhren unterstützen. Schließlich sind sie kulturelles Erbe“, so Hans-Joachim Dikow.

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