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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

23. August 2017 | 19:38 Uhr

Carlow : Resolute Rentnerin verjagt Räuber

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Als ein maskierter Mann vor Ingrid Lörkes Haustür steht, denkt die 75-Jährige erst an einen Scherz – aber es ist ein versuchter Raubüberfall.

Die 75-jährige Ingrid Lörke glaubte erst an einen Scherz, als am frühen Abend ein maskierter Mann vor ihrer Haustür in Carlow stand. Dabei hatte es die Rentnerin aber mit einem Räuber zu tun, den sie verjagt hat und den jetzt die Polizei sucht.

Es war ein hartes Stück Arbeit, aber Sheriff John T. Chance hat den Ganoven Burdette hinter Schloss und Riegel gebracht. Das große Finale am Rande der Kleinstadt Rio Bravo steht aber noch aus, als es an der Tür der Familie Lörke in Carlow schellt. Wer kommt denn jetzt um diese Zeit? fragen sich Ingrid und Rudi Lörke. Das Rentnerehepaar hat es sich vor dem Fernseher gemütlich gemacht und schaut sich einen Western-Klassiker auf DVD an. Ingrid Lörke schaltet die Flurbeleuchtung ein. Es ist kurz nach 18 Uhr, draußen ist es dunkel und nebelig. Und draußen vor der Türschwelle steht ein maskierter Mann. „Geld, Geld“, fordert er wortkarg. Ingrid Lörke ist da schon redseliger. „Was willst Du denn hier. Das ist doch wohl ein Scherz“, sagt sie. Dabei zupft sie an seiner Maske. Einmal, zweimal. Wollen doch mal sehen, wer sich hinter der Maske mit den Sehlöchern verbirgt. Ist es etwa eines von den Enkelkindern, die auch im Dorf leben? Die Maske herunterzureißen, das gelingt ihr nicht, aggressiv wird der Unbekannte aber auch nicht. „Und dann hatte er einen silberfarbenen Gegenstand in der Hand, der Ähnlichkeit mit einer Pistole hatte“, wird Ingrid Lörke später am Abend der Kriminalpolizei erzählen.

Mittlerweile steht der Mann im kleinen Hausflur der Lörkes. „Geld, Geld“ sagt der Unbekannte wieder. Und er sagt „paschli“ oder „poschli“, aber genau versteht es die verdutzte Rentnerin nicht. Aber jetzt wird es ihr zu bunt. Die so zierliche wie resolute Frau drückt den Maskierten mit ihrer Schulter zurück vor die Haustür und schlägt sie dann schnell zu. Durch die Glasscheiben der Eingangstür sieht sie, wie der klein gewachsene Mann die Treppenstufen zum Vorgarten des Einfamilienhauses herunter geht. „Er lief auffallend langsam“, hat Ingrid Lörke beobachtet. Dann steht sie in der Wohnung. Sie zittert, ihr Puls rast und ihr wird heiß. Jetzt hat sie realisiert: Das war kein Scherz, das war ein versuchter Raubüberfall.


Im Traum erschien der Maskenmann noch einmal


„Ich habe von der ganzen Aktion gar nichts mitbekommen“, sagt Rudi Lörke. Gemeinsam mit Frau Ingrid sitzt der 81-Jährige am Esstisch und lässt den Vorfall vom Vorabend noch einmal Revue passieren. Erst als seine Frau eine zweite Haustür abgeschlossen hatte, habe sie ihn gebeten, dass er die Polizei anrufen solle. „Ich wollte doch nicht, dass er sich aufregt“, sagt Ingrid Lörke. Schlecht geschlafen habe sie eigentlich nicht, sagt die gebürtige Sächsin. „Nur einmal, da stand er im Traum noch einmal vor mir“.

Bei den Lörkes ist die Normalität schnell wieder eingekehrt. „Aber wir hätten nicht gedacht, dass so etwas auch in einem kleinen Dorf wie Carlow passieren könnte“, sagt Rudi Lörke. Für das Ehepaar steht aber jetzt fest, dass es alle Türen zum Haus abends noch eher abschließen wird. „Und wenn jemand klingelt, dann schaue ich erst durch die Glasscheiben der Tür, um zu sehen, wer es ist“, fügt die 75-Jährige hinzu. Und den Western, den schauen sie sich noch einmal ganz in Ruhe an.

Bei dem versuchten Raubüberfall am Dienstagabend in Carlow bittet die Polizei um Mithilfe. Der Täter wird folgendermaßen beschrieben: 1,65 bis 1,70 Meter groß, normale Gestalt, nicht deutschsprachig. Er trug eine schwarze Skimaske mit zwei runden Sehlöchern sowie einen schwarzen oder dunkelgrauen Anorak sowie dunkle Handschuhe. Der unbekannte Mann ist mit hoher Wahrscheinlichkeit gehbehindert. Wer die Tat beobachtet hat oder Angaben zum Täter machen kann, wird gebeten, sich bei der Polizei in Rostock unter der Telefonnummer 038208-8882222 oder jeder anderen Dienststelle zu melden. Hinweise können auch im Internet unter der Adresse www.polizei-mvnet.de abgegeben werden.

 

 

 

 

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erstellt am 16.Jan.2014 | 00:00 Uhr

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