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BÜRGERVERANSTALTUNG : Renzow diskutiert Windkraftpläne

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Erste Informationsveranstaltung zum Thema Suchräume in der Gemeinde Schildetal

svz.de von
erstellt am 21.Okt.2015 | 23:42 Uhr

Das Interesse am Thema Windenergie ist riesig – auch in Renzow, in der gesamten Gemeinde Schildetal und in den umliegenden Orten. Denn bei der Suche nach neuen Eignungsräumen für Windparks rückt die Region nördlich des Dümmer Sees ins Blickfeld der Planer.

Bei einer Informationsveranstaltung zu diesem Thema blieb im Renzower Dorfgemeinschaftsraum am Dienstagabend kein Platz frei. Mehr als 100 Gäste hörten den Ausführungen der leitenden Verwaltungsbeamtin des Amtes Lützow-Lübstorf, Iris Brincker, sowie von Michael Roolf, Mitinitiator des landesweiten Bündnisses „Freier Horizont“, zu und diskutierten über die möglichen Eignungsgebiete.

„Laut Planungen gibt es von West nach Ost zwischen Groß Welzin und Dümmer einige Suchräume. Darüber wollen wir die Einwohner aufklären, was möglicherweise auf sie zukommen könnte“, sagte Iris Brincker. Konkrete Beispiele gibt es aus Bürgersicht aber bereits bei Stöllnitz, also in direkter Nachbarschaft. Dort wird gerade das nächste Fundament für eine Windkraftanlage geschüttet.

Bei der Umsetzung möglicher Projekte dürften insbesondere in Groß Welzin die Auswirkungen spürbar sein. Grund: Zeichnet man alle Windparks bzw. die Suchräume im Abstand von 2,5 Kilometern auf einer Karte ein, würde Groß Welzin quasi umzingelt sein. In solch einem Fall müsste vom Umzingelungskriterium gesprochen werden, meint Iris Brincker. Wie die Planungsbehörden damit umgehen, ist bislang noch offen. Die Umsetzung hätte allerdings eine „erdrückende Wirkung“, so Brincker, die auf eine deutliche Stellungnahme des Amtes Lützow-Lübstorf verweist. In der Folge könnte es dazu kommen, dass Bürger wegziehen. Etwas anders sah es Bürgermeister Matthias Wiegand: „Ich habe selbst die Dinger vor meinem Haus, bin aber nicht grundlegend gegen die Windräder.“ Aufklärung über mögliche Folgen und neueste Forderungen gegenüber der Bundes- und der Landesregierung gab Michael Roolf: „Wir kämpfen für eine noch größere Entfernung zur Bebauung und machen darauf aufmerksam, wie man Eignungsgebiete wieder ausschließen kann.“ Insbesondere die Tierwelt könne da von Nutzen sein, betonte Roolf. Denn immerhin dürften 2000 Meter um den Horst besonders geschützter Raubvögel herum keine Anlagen entstehen, der Milan hätte einen Schutzradius von 1000 Metern. Deshalb riet der Brüsewitzer Hobbyornithologe Gerald Blödorn: „Wer helfen möchte, kann gerne in den Wald gehen und den Blick nach oben richten. Wer etwas entdeckt, kann das an mich melden und ich kartiere dann die Horste.“ Dennoch riet der Vogelexperte dazu zu warten, bis die Blätter von den Bäumen gefallen sind, denn erst dann würden sich die Nester zeigen.

In der anschließenden Diskussion ging es auch um die ständig blinkende Beleuchtung der Windräder in Stöllnitz. Die seien störend und sollten durch Transponder ersetzt werden. Hierzu gäbe es allerdings noch keine klaren Richtlinien, erklärte Iris Brincker. Trotzdem glaube sie an eine Lösung in naher Zukunft. Aufmerksam verfolgen Einwohner derzeit Menschen, die von Haus zu Haus gehen und Verträge über Ackerflächen abschließen wollen. Dabei handelt es sich möglicherweise um Investoren, die sich potentielle Flächen für Windeignungsgebiete sichern wollen.

Jetzt haben die Schildetaler einige Monate Zeit, nach Auswegen zu suchen, bevor es zusammen mit möglichen Investoren zu einem Bürgerbeteiligungsverfahren kommen könnte. In Wakenstädt gab es ebenfalls große Bedenken. Doch dort befindet sich das Schlachtfeld von 1712. Auf diesem kulturhistorischen Ort soll kein Windpark entstehen.  

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