Kostenloser Dienst von Juristen soll Rechtsempfinden stärken : Rechtsanwälte beraten Jugendliche

<strong>Rechtsanwalt Walter Baar</strong> in der Beratung im Jugendrechtshaus in Wismar.<foto>Hollatz</foto>
Rechtsanwalt Walter Baar in der Beratung im Jugendrechtshaus in Wismar.Hollatz

Seit viereinhalb Jahren gibt es das Jugendrechtshaus in Wismar mit dem Büro im Kinder- Jugend- und Freizeitzentrum. Dort können Jugendliche sich von Rechtsanwälten kostenlos beraten lassen.

svz.de von
04. März 2013, 09:17 Uhr

Wismar | Seit viereinhalb Jahren gibt es das Jugendrechtshaus in Wismar mit dem Büro im Kinder- Jugend- und Freizeitzentrum (KJFZ). Dort können Jugendliche sich von Rechtsanwälten kostenlos beraten lassen. Die Fachleute gehen aber insbesondere in die Schulen und beraten.

Mario (22, Name von der Redaktion geändert) hat Handyschulden. Nicht unerhebliche. Rechtsanwalt Walter Baar berät den jungen Mann im Büro des Jugendrechtshauses. Darüber, was er nun machen soll. "Die Schuldnerberatung hilft Ihnen weiter, machen Sie da ganz schnell einen Termin!" Und insbesondere darüber, welche juristische Folgen seine Schulden haben können, vom Schufa-Eintrag bis zum Gerichtsvollzieher. Natürlich anonym und streng vertraulich unter vier Augen.

Walter Baar gehört zum Team des Wismarer Jugendrechtshauses - Rechtsanwälte, Staatsanwälte, Richter, die Jugendlichen kostenlose Rechtsauskunft und Beratung bieten. Der Bedarf ist groß, macht Walter Baar deutlich. Er geht oft in die Klassen in der Region Nordwestmecklenburg und spricht über das Jugendrecht und Jugendstrafrecht. Er redet Klartext. Meist sind die Schüler überrascht, wenn er über die Folgen möglicher Straftaten spricht.

"Wenn Jugendliche jemanden zusammentreten, haften sie für die Folgen, auch als Zwölfjähriger schon!" Er nennt das Beispiel der ausgetretenen Zähne. "Da kommen schnell 10 000 Euro an Schaden zusammen. Diese Forderungen sind 30 Jahre lang vollstreckbar." Beim Zwölfjährigen ist natürlich noch nichts zu holen. "Aber wenn er 30 ist, verdient er Geld. Und dann kommt jeden Monat der Gerichtsvollzieher und holt sich davon was ab." Inklusive der in der Zeit aufgelaufenen Zinsen und Zinseszinsen. Für einen "dummen-Jungen-Streich" mit natürlich schlimmen Folgen. "Da werden die Jugendlichen ruhiger, sie beginnen zu begreifen, dass solch eine Tat zivilrechtliche Folgen hat, die man schnell ein ganzes Leben mit sich rumträgt", erklärt Walter Baar. Und wenn eine Gruppe Jugendlicher oder Heranwachsender jemanden zusammenschlägt? "Dann haftet jeder für die volle Summe", erklärt der Rechtsanwalt.

Rechtspädagogik im Rahmen des Unterrichts - "das ist Prävention, wir erreichen die Schüler, bevor sie straffällig werden. Wir wollen die Jugendlichen für das Rechtssystem empfänglich machen."

Er warnt die Schüler insbesondere vor einem zu sorglosen Umgang mit dem Internet und sozialen Netzwerken wie Facebook oder Schüler-VZ. "Jeder zweite Arbeitgeber guckt bei einer Bewerbung dort nach, was der Bewerber postet. Und auf einmal bekommt man eine Absage und weiß nicht, wieso."

Beratung jeden Mittwoch
Das Jugendrechtshaus wird über Spenden und dank der ehrenamtlichen Arbeit finanziert. Jeden Mittwoch von 16 bis 18 Uhr sind die kostenlosen Beratungen im KJFZ in der Friedrich-Techen-Straße 20 in Wismar. Kontakt:
Telefon (03841) 22 42 805
Telefax (03841) 22 42 803
E-Mail hallo@jugendrechtshaus-wismar.de
www.jugendrechtshaus-wismar.de

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