Gadebusch : Raus aus der Burnout-Spirale

Zusammen gegen den Burnout: Psychologischer Berater Thomas Thur und seine Partnerin und Entspannungstherapeutin Julia Möller.
Zusammen gegen den Burnout: Psychologischer Berater Thomas Thur und seine Partnerin und Entspannungstherapeutin Julia Möller.

Julia Möller und Thomas Thur widmen sich in ihrer neuen Praxis in Gadebusch dem Thema Volkskrankheit

svz.de von
20. September 2017, 21:00 Uhr

Die Erschöpfungsdepression – eine Volkskrankheit. Besser bekannt ist sie unter der Bezeichnung „Burnout“ und sie ist allgegenwärtig. „Auch in Gadebusch wurde uns Bedarf gemeldet“, sagt Thomas Thur. Darum haben er und seine Partnerin Julia Möller eine Gemeinschaftspraxis im „Kreml“ eröffnet. Der 47-Jährige arbeitet dort als psychologischer Berater, Julia Möller als Entspannungstherapeutin.

„Wir versuchen hier vornehmlich präventiv tätig zu sein. Das heißt, beraten bevor es zu spät ist. Gerade darum ist es für Betroffene und Angehörige wichtig, Warnzeichen zu erkennen“, sagt Thur. Ein Burnout kommt schleichend, geht aber immer mit Überforderung Hand in Hand. Es gibt aber wiederholende Anzeichen.

„Wenn der Betroffene plötzlich zu gar nichts mehr Lust hat, was ihm oder ihr früher Spaß gemacht hat und sich immer mehr zurückzieht“, beschreibt Thur typische Symptome. Aber auch schwankende Aggressionen oder emotionale Unausgeglichenheit können auf einen Burnout hinweisen. „Im Fall eines Verdachtes ist der erste Gang aber der zum Hausarzt“, sagt Thur. Schon deshalb, weil der Betroffene dann krankgeschrieben wird. Außerdem müssen organische Krankheiten im Vornherein ausgeschlossen werden. Körperliche Beschwerden seien bei einem Burnout nicht unüblich, sagt Julia Möller. Klarer seien da die emotionalen Anzeichen. Der Betroffene fühle sich wortwörtlich ausgebrannt.

Das Auslösen der Erschöpfungsdepression kann verschiedene Gründe haben. „Manchmal ist es Leistungsdruck auf der Arbeit – darum nannte man den Burnout früher auch Managerkrankheit. Es kann aber auch die Überforderung nach einer plötzlichen Trennung oder sogar Zusatzbelastung bei einem Ehrenamt sein“, erklärt Julia Möller. Wenn die Zusatzbelastung dann nicht gestemmt werden kann, fühlt sich der Betroffene oft nutzlos. „Der Gedanke ,Ich bin nichts wert‘ drängt sich ihm dann auf. Dadurch verschlimmert sich das Leid und man macht noch mehr Fehler – eine gefährliche Spirale.“

Dem kann vorgebeugt werden. Thur rät zu zwei Dingen. „Erstens: Suchen Sie das Gespräch, egal ob mit Kollegen oder Verwandten. Zweitens: Nehmen Sie sich Zeit für sich selbst.“ Schon kleine Dinge wie ein Buch, ein Waldspaziergang oder ein entschleunigendes Hobby können helfen.

Hat die Depression schon zugeschlagen, ist eine rasche Hilfe vonnöten. „Ein unbehandelter Burnout kann zum Suizid führen“, mahnt Thur. Dabei sind Therapie und Heilung möglich. „Mit Gesprächs- und Verhaltenstherapien kann der Burnout in den Griff gekriegt werden.“ Auch Methoden wie Autogenes Training helfen den Betroffenen häufig. „Wichtig ist, dass der Patient von sich aus handelt, also selbst entscheidet, was gut für ihn ist“, sagt Thur. Andernfalls würde die Therapie kaum Wirkung zeigen.

Die Dauer bis zur Genesung liegt dabei im Schnitt zwischen zwei und sechs Monaten.

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