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NWM: Privatinsolvenzen im Kreis gestiegen : Ratenkäufe als Schuldenfalle

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Im Kreis NWM hat sich die Zahl der Schuldner im Vergleich zu den Vorjahren im Jahr 2010 drastisch erhöht. Insgesamt 61 Schuldnerinnen und Schuldner haben im vergangenen Jahr den Rat bei einer Beratungsstelle gesucht.

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erstellt am 04.Apr.2011 | 07:00 Uhr

Gadebusch | "Hier könnte auch noch ein Berater mit 40 Stunden die Woche sitzen", sagt Sylvia Entelmann. Seit 13 Jahren ist sie Schuldnerberaterin in Gadebusch. Zu ihr kommen ganz unterschiedliche Leute. Vom Jugendlichen über Familienväter sowie -mütter bis hin zur Rentnerin oder zum Rentner. "Es wird immer so dargestellt, dass die Schuldner an ihrer Situation selbst Schuld sind. Aber das ist definitiv nicht der Fall. Jeder kann von heute auf morgen in diese schwierige finanzielle Lage geraten", so Entelmann weiter. "Es ist lange nicht mehr so, dass ich nur Hartz-IV-Empfänger betreue."

Im vergangenen Jahr betreute Sylvia Entelmann in ihrer Schuldner- und Verbraucherinsolvenzstelle in Gadebusch 61 neue Schuldner. Die meisten kamen aus Gadebusch und Umgebung, dicht gefolgt von Bürgerinnen und Bürgern aus Rehna, aus dem Amtsbereich Lützow-Lübstorf, Schönberger Land sowie Grevesmühlen. Aus dem Jahressach bericht der Schuldner- und Ver braucherinsolvenzberatungsstelle Diakoniewerk Nördliches Mecklenburg GmbH geht hervor, dass nicht nur die Langzeitbe treuungsverhältnisse mit Vollmacht erteilung zugenommen haben, sondern auch die Kurzberatungen. Die Schuldensumme aller 61 neu aufgenommenen Klienten beläuft sich auf eine Höhe von insgesamt 2 266 418 Euro und ist damit im Vergleich zum Rekordjahr 2007 um 321 486 Euro gestiegen. Auch die Statistiken des Schuldenbarometers der Bürgel Wirtschaftsinformationen zeigen, dass 2010 ein neuer Höhe punkt bei den Verbraucher insolvenzen erreicht wurde. Denn nicht nur im Landkreis Nordwestmecklenburg haben mehr Menschen den Weg in die Schuldnerberatungsstelle gesucht, sondern auch in ganz Deutschland. Denn rund 140 000 Privatinsolvenz verfahren hat es im gesamten Bundesgebiet im vergangenen Jahr gegeben. So ein Verfahren läuft über sechs Jahre, in denen sich der Schuldner an gewisse Regeln halten muss. "Die Privatinsolvenz ist wirklich die letzte Lösung. Ich schaue mir die Leute schon genau an. Zum Beispiel, ob sie gewillt sind, zu arbeiten", sagt Sylvia Entel mann. Denn nach dem Verfahren werden dem Schuldner seine kompletten Schulden erlassen.

Dennoch appelliert die Schuldnerberaterin immer wieder an die Menschen, sich einen Haushaltsplan zu erstellen und genau darauf zu achten, welche Klauseln sich in einem Vertrag verstecken. "Gerade auch bei den Jugendlichen ist zu erkennen, dass sie überhaupt keine Erfahrung im Umgang mit Geld haben. Weil eben in den Elternhäusern nicht darüber gesprochen wird", so Entel mann. Die Schuldnerberaterin ist sich auch sicher, dass es den Menschen heute einfach zu leicht gemacht wird, Schulden aufzubauen. "Viele überschätzen einfach ihr finanzielles Leistungsvermögen. Und überall wird mit Kreditkäufen geworben. Wenn dann am Ende des Jahres die Stromabrechnung ins Haus flattert, ist es für viele schon zu spät", sagt Sylvia Entelmann. Durchschnittlich hat jeder Schuldner 8,5 Gläubiger, mit denen gesprochen werden muss. "Die Vogelstrauß-Methode ist in solchen Fällen tödlich", sagt Entel mann. Deshalb geht sie in ihren Beratungsgesprächen Schritt für Schritt vor. "Zunächst muss Vertrauen aufgebaut werden. Und dann geht die Arbeit los. Wer schon einmal in einer solchen Lage war, ist geheilt und hat aus seinen Fehlern gelernt", sagt die Schuldnerberaterin.

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