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Ernte Köchelstorf : Raps droht auf Feldern zu verfaulen

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Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Anhaltende Nässe macht Bauern in der Region zu schaffen / Pilze und Schädlinge tun ihr Übriges / Ackervorbereitung jetzt unmöglich

svz.de von
erstellt am 26.Jul.2017 | 05:00 Uhr

„Dieses Wetter ist, gelinde gesagt, nur noch zum Weinen“, findet Reinhard Drews, Geschäftsführer der Agragenossenschaft e.G. Köchelstorf deutliche Worte. Das Vorstandsmitglied des Kreisbauernverbandes Nordwestmecklenburg sieht die bevorstehende Ernte der Feldfrüchte, besonders beim Raps, in ernster Gefahr. „Wir haben aktuell die ernste Situation, dass das, was gut gewachsen war, nun in Gefahr ist“, beschreibt der Landwirt die derzeitige Lage. Drews widerspricht damit auch ganz deutlich der momentan noch vorherrschenden Euphorie in Teilen des Landesbauernverbandes in Erwartung guter Erträge. „Die Rapsschoten beginnen zu verfaulen. Man riecht das jetzt schon, wenn man in die Nähe von Rapsfeldern kommt. Und die Schoten sehen zum Teil schon richtig schwarz aus“, begründet er seine Befürchtung. Der Chef der Agrargenossenschaft macht dafür zu einem gewissen Grad die Kohlschotenmücke verantwortlich. Die steche die Schoten an, dadurch könne die Feuchtigkeit in die Schote eindringen und sie beginnt zu faulen. „Das können wir so bestätigen. Das ist flächendeckend ein Problem. Es hat einfach zuviel geregnet“, heißt es vom Pflanzenschutzdienst vom Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) Mecklenburg-Vorpommern, Regionaldienst Schwerin. „Ob ich da mit meiner Prognose von 35 Doppelzentnern je Hektar hinkomme, wage ich zu bezweifeln“, sagt Reinhard Drews. Auskömmlich wären hingegen 40 Doppelzentner plus X, bei Marktpreisen, die aktuell bei 370 bis 380 Euro je Tonne liegen.

Doch nicht nur der Raps bereitet den Landwirten schlaflose Nächte – auch der Weizen tut es in zunehmendem Maße: „Ab kommender Woche muss es endlich trocken werden und auch bleiben, dann ist der Weizen reif“, sagt Drews und erklärt, dass aber bereits jetzt mit Qualitätseinbußen gerechnet werden muss: „Durch das ständige Aufquellen und Wiederabtrocknen der Körner geht die alles bestimmende Fallzahl, also die Backfähigkeit für das Mehl in Form des Stärkegehaltes, zurück.“

Die anhaltende Nässe setzt dem Weizen aber noch in anderer Form zu: „In meinem Schlag ist er mit Fusarium befallen“, beklagt Landwirt Peter Borchert aus Pogez. Dieser Pilz sorgt dafür, dass der Weizen nicht mehr vermarktungsfähig ist. Zum Glück tritt dieser Pilzbefall laut Pflanzenschutzdienst aktuell nur punktuell auf.

Zu guter Letzt sorgt der anhaltende Regen in ergiebigen Mengen dafür, dass die Ackervorbereitung ins Hintertreffen gerät. „Es ist derzeit unmöglich, aufs Feld zu fahren und Gülle auszubringen“, verdeutlicht der Geschäftsführer der Agrargenossenschaft. Das sei aber notwendig, weil die abgeernteten Gerstenfelder für die Folgefrucht, den Raps vorbereitet werden müssen. Laut neuer Düngeverordnung ist dafür aber nur bis zum 15. September Zeit. „Das heißt, sollte es jetzt irgendwann mal wieder trocken werden, wissen wir gar nicht, was wir zuerst machen sollen – Raps und Weizen ernten, oder die Äcker fürs nächste Jahr vorbereiten“, erklärt Drews. Und es reiche auch nicht, wenn es mal zwei Tage trocken ist. „Der Boden ist so gesättigt mit Feuchtigkeit, das dauert schon eine Weile“, so der Landwirt.

Von der noch vor wenigen Wochen allseits erwarteten guten Ernte hat bisher lediglich die Wintergerste in Ansätzen die Hoffnungen erfüllt. „Diese Ernte ist im Wesentlichen abgeschlossen und mit 75 bis 80 Doppelzentnern je Hektar 20 bis 30 Prozent besser als im Vorjahr“, berichtet Frank Schiffner vom Landesbauernverband Mecklenburg-Vorpommern. Allerdings sei auch dieses Ergebnis nur ein durchschnittlicher Ertragswert. Reinhard Drews zum Bespiel hat auf den Böden der Agrargenossenschaft lediglich 70 Doppelzentner dieses Getreides je Hektar geerntet. Und man darf auch nicht vergessen, dass es sich bei dieser Frucht allein um Tierfutter handelt.

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