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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

25. November 2017 | 09:10 Uhr

Rund um Schlagsdorf : Ranger zählen Nandus durch

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Naturschützer des Biosphärenreservats Schaalsee-Elbe schauen bei der herbstlichen Beobachtung auf die Populationszahl der Tiere

svz.de von
erstellt am 04.Nov.2017 | 04:45 Uhr

Die Füße werden schwerer, jeder Schritt reißt Klumpen matschiger Erde aus dem Boden und wirft sie gegen die Hosenbeine. Langsam schleppt sich eine kleine Gruppe warm eingepackter Personen die Hügelkuppe hinauf. Oben angekommen setzten sie Ferngläser an und lassen die Blicke schweifen. Sie suchen nach Nandus – mitten in Nordwestmecklenburg.

Die Gruppe, die auf dem Acker zwischen Schlagsülsdorf und Wendorf auf Nandu-Jagd geht, ist eine von sechs. Sie alle sind aus dem Biosphärenreservat Schaalsee-Elbe. „Der Bereich, den wir absuchen, ist circa 80 Quadratkilometer groß“, erzählt Mario Axel, Ranger beim Biosphärenreservatsamt. Mit dabei: Fernglas, Karte und Tabelle. Sichtet die Gruppe einen Nandu, werden Details zu dem Tier und die Uhrzeit notiert. Daneben zeichnen die Ranger die Position des Nandus und seine Laufrichtung ein. „Meist sind es aber keine Einzeltiere sondern Gruppen“, weiß die Pressesprecherin vom Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe, Elke Dornblut. Sie ist auch an der Zählung beteiligt.

Mit dem Auto geht es von Bereich zu Bereich. Immer wieder steigen die Ranger aus, laufen über die Felder und suchen nach den südamerikanischen Laufvögeln. Um das Jahr 2000 herum sind acht der Tiere aus einer privaten Haltung in der Nähe von Groß Grönau ausgebrochen. Seitdem vermehren sie sich redlich. „Ins Blaue geschossen rechne ich mit aktuell 250 Nandus“, sagt Mario Axel.

Der Weg führt eine Hügelkuppe hinauf. Die Ernte ist längst abgefahren, der Boden vom Regen durchweicht. Kälte kriecht in die Zehen. Plötzlich knallt es. Ein Gewehrschuss zerreißt die schweigsame Suche. „Hier jagt jemand. Aber nicht Nandus, die sind nicht auf der Jagdliste“, erklärt Elke Dornblut. Das Abschussverbot trage dazu bei, dass die Population von Jahr zu Jahr wächst. Die Zählungen dienen dem Zweck zu schauen, wie stark der Zuwachs ist und ob sich daraus Konsequenzen ergeben könnten.

Immer wieder bleibt die Gruppe stehen, Ferngläser werden angesetzt und hin und wieder eine Notiz auf das Klemmbrett geschrieben. In diesem Jahr wurden erstmals Eier manipuliert – also angebohrt – um den Bestand auf einem geringeren Niveau zu halten. Nun schauen die Ranger, ob die Methode wirkt. „Viele Leute finden zwar, dass die Nandus unsere Tierwelt bereichern, es gibt aber auch viele kritische Stimmen. Die sagen wiederum, dass Nandus nicht hierher gehören“, sagt Ranger Axel. Die Datenerhebung dient auch dazu, in der Zukunft ein Urteil über das Verfahren mit den Laufvögeln faktisch untermauern zu können.

Natürliche Feinde hat der Nandu hier nicht. Füchse holen sich vielleicht mal ein Küken und Greifvögel scheinen die Tiere höchstens in Furcht zu versetzen. „Ein Wolf würde sich die sicher vornehmen“, sagt Elke Dornblut. Sofort beginnen Fachsimpeleien über das Auftreten des Wolfes zwischen der Biosphären-Praktikantin Josefin Wöllner und Jörg Marschner, der die Ranger begleitet.

Der Hochnebel, der den ganzen Morgen die Kronen der Bäume verbarg, lichtet sich etwas. Es wird heller und plötzlich ist da eine Gruppe Nandus. Fünf Tiere zählen die Ranger – fünf Nandus und zwei Rehe. Wild und Laufvogel stehen dicht an dicht auf dem Acker, schauen skeptisch auf die Menschen und flüchten dann in verschiedene Richtungen. Sofort kratzen die Kugelschreiber über die Karten, tragen ihre Wege ein.

Insgesamt 40 Nandus hat die Gruppe um Mario Axel bis zum Mittag gezählt, davon zwei Jungtiere. Zwei Stunden liegen noch vor ihnen. Die Gesamtzahl wird aber erst viel später ausgewertet.

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