Wismarbucht : Ranger überwacht Naturparadies

Das Buchtranger-Boot „Runa“ wird im Wendorfer Yachthafen zum Kranen vorbereitet. Unterstützung erhält Jürgen Weigel (2.v.l.) von seinem Vorgänger Ulrich Eichel.  Fotos: Hans-Joachim Zeigert
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Das Buchtranger-Boot „Runa“ wird im Wendorfer Yachthafen zum Kranen vorbereitet. Unterstützung erhält Jürgen Weigel (2.v.l.) von seinem Vorgänger Ulrich Eichel. Fotos: Hans-Joachim Zeigert

Auch in diesem Jahr gab es Verstöße: „Partylöwen“ vertrieben Kegelrobben und Seehunde

In den Marinas haben fast alle Boote die Liegeplätze verlassen. Damit hing auch die „Runa“ am Kranhaken. Der knallrote Rumpf mit der Aufschrift „Bucht-Ranger“ und dem kreisrunden Schwanenlogo am Bug des Motorseglers fällt auf, und dies mit voller Absicht. Schließlich soll das besondere Boot der Regionalvereinigung Segeln Wismar-Bucht gut erkennbar sein.

Für Jürgen Weigel, dem Skipper des Bootes in dieser landesweit einzigen für diesen Zweck geschaffenen Funktion, geht ebenfalls die Saison zu Ende. Erste Grobinspektion des Unterwasserschiffes einschließlich Propeller und Ruder: Keine Schäden. Zudem hält sich der Reinigungsaufwand deutlich in Grenzen. Ein Befall von Muscheln und Seepocken ist nicht zu erkennen. Schließlich befand sich die „Runa“ ständig in Bewegung. Konkret begab sich das Boot seit Anfang April 52 Mal auf ganztägigen Kontroll- und Belehrungstörn.

Schwerpunkt seit Inbetriebnahme des Fahrzeuges im Jahre 2008 sind dabei das Europäische Vogelschutzgebiet „Wismarbucht und Salzhaff“, sowie das darin eingeschlossene FFH-Gebiet „Wismarbucht“ (FFH: Flora, Fauna, Habitat). Eine am 15. Juli 2005 vom damaligen Umweltminister Prof. Wolfgang Methling und den zunächst 19 Interessengruppen (inzwischen sind es 35) unterzeichnete freiwillige Vereinbarung zum Schutz der Wismarbucht und Salzhaff, die sich für den Einklang von Wassersport und Naturschutz einsetzen, legitimiert diese Buchtranger-Aufgabe.

„In den westlichen Bereichen gab es die wenigsten Beanstandungen, bedingt durch die gute Zusammenarbeit mit dem Wismarer Surfverein und dem Management der Marina Tarnewitz-Boltenhagen“, konstatiert Weigel das Saisonende in groben Zügen. „Auch wenn es manche Wassersportler anders sehen, gibt es trotz der guten Zusammenarbeit mit dem Wismarer Surfverein und Änderungen in den Karten der ‚Regionalvereinigung Segeln Wismarbucht (RVS)’ leider weiterhin Probleme“, so Weigel. Dies betreffe die Gebiete um Roggow, Boiensdorfer Werder und den Bereich Kieler Ort, eine Art Sandbank. Sie liegt zwischen der Halbinsel Wustrow und dem Salzhaff, gegenüber der Vogelschutzinsel Langenwerder. „Dort fanden regelrechte Sprünge über dem so genannten Sandhaken statt und auch die Flachwassergebiete an der Vogelschutzinsel Langenwerder wurden wiederholt angefahren“, heißt es weiter.

Kontrollschwerpunkte bildeten zudem solche naturschutzsensiblen Bereiche wie Tarnewitzer Huk in der Wohlenberger Wieck oder die lang gezogene, sandbankähnliche Insel Lieps. Als besonders gravierend und schockierend nannte er diesbezüglich einen besonders groben Verstoß: „Plötzlich machten dort vier Jugendliche ihr Motorboot fest, feierten auf der Sandbank eine Party und warfen anschließend Abfälle und leere Flaschen ins Wasser.“ Als Folge war dieser sensible Bereich, wo ansonsten zeitweilig sogar Kegelrobben und Seehunde mit ihren jungen ausruhen, überhaupt nicht mehr bevölkert.

Für Hubert Hausold, Sprecher der Projektgruppe Wismarbucht und 1. Vorsitzender der Regionalvereinigung Segeln halten sich die Verstöße, ungeachtet von negativen Einzelbeispielen, im Rahmen. „Die Situation stellt sich am Ende der diesjährigen Saison so dar, dass wir keinerlei Verschlechterung bilanzieren und das ist schon ein Erfolg.“

Der engagierte Segler und Naturschützer war einst federführend an der Erarbeitung der Freiwilligen Vereinbarung beteiligt. Zudem sieht er die dank der Fördermitteln des Landes Mecklenburg Vorpommern (StALU Westmecklenburg) und der EU geschaffene Präsenz des Buchtrangers und dessen Aufklärungsarbeit wirkungsvoll bestätigt.

Ob die Situation wirklich schon voll befriedigt, sei für ihn dahin gestellt. Zumindest habe bisher die Überzeugungsarbeit in eigener Regie ausgereicht, statt restriktive Verbote von „oben“ zu erlassen. „Das beruhigt etwas“, so Hausold weiter und deshalb sollte die Funktion des Buchtrangers auch langfristig weitergeführt werden. Dessen Funktion wird für dieses und das kommende Jahr durch die „Naturschutzstiftung Deutsche Ostsee – Ostseestiftung“ finanziert.

Winterschlaf gibt es übrigens für den einstigen DSR- Seemann Weigel nicht, auch wenn sein Boot inzwischen fest auf dem Trockenen steht. Neben den abschließenden Arbeiten zur Winterfestmachung geht es jetzt direkt an den Schreibtisch und den Arbeits-PC. Es gilt alle Protokolle auszuwerten und Berichte für die Ostseestiftung zu verfassen. Neben den Seetörns war Weigel sechs Mal über Land zu Kontrollgängen an ausgewiesenen Schwerpunktufern und Naturschutzgebieten unterwegs. Zudem sind Luftbilder von 25 Überflügen auszuwerten. „Da kommen schon mal 2500 bis 3000 Datensätze zusammen“, weiß er aus den Vorjahren.

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