Friedhof Gross Salitz : Rätsel um vergessene Typhus-Tote

Niemand weiß, wo genau nach Ende des 2. Weltkriegs rund 90 an Typhus Verstorbene auf dem Friedhof von Groß Salitz bestattet wurden.
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Niemand weiß, wo genau nach Ende des 2. Weltkriegs rund 90 an Typhus Verstorbene auf dem Friedhof von Groß Salitz bestattet wurden.

Auf dem Friedhof von Groß Salitz wurden kurz nach Ende des 2. Weltkriegs knapp 90 Menschen begraben – doch niemand weiß, wo

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10. August 2016, 05:00 Uhr

Sabine Dallmeier-Peschke hat ein Problem. Die 56-Jährige ist zuständig für die Grabbelegung auf dem Friedhof von Groß Salitz. Und obwohl jede Menge Grünfläche den Eindruck erweckt, als ob rund um die St. Marienkirche genügend Platz für neue Gräber sei, trügt der Schein. Denn auf dem Friedhof liegen rund 90 Leichen vergraben, von denen aber niemand weiß, wo – die vergessenen Toten von Groß Salitz.

„Zum Ende des zweiten Weltkriegs wurde im Gutshaus von Groß Salitz ein Lazarett eingerichtet. Hier wurden in der Folge viele Kranke hergebracht. Und irgendwann starben die plötzlich wie die Fliegen“, erzählt Sabine Dallmeier-Peschke. Die Ursache für den rasanten Anstieg der Todesfälle machte rund um das kleine Dorf schnell die Runde: Typhus. Doch nicht nur das. In dem Lazarett hatte sich ein Krankenpfleger als Arzt ausgegeben und die Kranken versorgt. Als all das bekannt wurde, begannen die Menschen, ihre Kranken zu verstecken. Niemand wollte seine Angehörigen in einem Lazarett wissen, aus dem es nur einen einzigen, letzten Weg wieder hinaus gab.

„Das Stöbern von Kirchengemeinde und Ehrenamtlern in Kirchenchronik und Begräbnisbuch brachte an den Tag, dass es teilweise drei bis sechs Beerdigungen am Tag gab“, so das Mitglied des Kirchengemeinderates weiter. Einen eigenen Sarg hatte keiner der an Typhus Verstorbenen. Dafür waren es einfach zu viele. Anfangs wurden die Toten ohne Sarg beerdigt. Später legte man sie in einen Klappsarg, der in ein Gemeinschaftsgrab hinabgelassen, anschließend wieder herausgehoben und auf diese Art mehrfach verwendet wurde. In der Folge wurde aufgrund der vielen Toten in nur sehr kurzer Zeit sogar die Vergrößerung des Friedhofes um 1,5 Morgen Land – das entspricht etwa einem halben Fußballfeld – notwendig.

„Die Kirchengemeinde vermutet diese Toten auf zwei Flächen des Friedhofs“, bestätigt Dirk Schoppenhauer das laufende Verfahren zur Feststellung, ob die Vermutungen über die vergessenen Toten von Groß Salitz der Tatsache entsprechen. Um das zu klären, solle eine entsprechende Sondierung stattfinden.

Sollte sich die Vermutung bestätigen, stellt sich die Frage, wie weiter mit den Typhus-Toten von Groß Salitz? „Sollte es sich tatsächlich um Kriegsopfer handeln, haben diese ein dauerndes Ruherecht“, so der für Kriegsgräberfragen zuständige Mitarbeiter des Landesamts für innere Verwaltung MV weiter. In der Folge könnte auf den betreffenden Friedhofs-Flächen keine neuen Bestattungen vorgenommen werden.

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