Utecht / Thandorf : Radweg gleicht Kraterlandschaft

So sieht es dann aus, wenn die Wurzeln der Schlehen den Asphalt aufbrechen.  Fotos: Katja Müller
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So sieht es dann aus, wenn die Wurzeln der Schlehen den Asphalt aufbrechen. Fotos: Katja Müller

Die Trasse bei Utecht wurde erst im vergangenen Sommer übergeben / Tiefe Risse und aufgebrochener Asphalt an vielen Stellen

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12. Dezember 2014, 07:35 Uhr

Wenn Johannes Ellmann den Radweg zwischen Utecht und Thandorf entlangspaziert, packt ihn die Wut. „Das ist doch eine riesige Sauerei. Überall sind Risse und kleine Krater. Und der Weg ist knapp ein Jahr alt. Und alles nur, weil man hier auf die Natur Rücksicht nehmen sollte“, erklärt der Vize-Bürgermeister der Gemeinde Utecht. Im August 2013 wurde der straßenbegleitende Radweg fertiggestellt. 386 564,32 Euro sind in den Bau des neuen Radwegs geflossen. „Alles gut und schön, doch wir befinden uns hier im Bereich des Biosphärenreservates Schalsee, Umweltauflagen galt es zu erfüllen“, sagt Ellmann und spricht von wasserdurchlässigem Asphalt und fehlenden Sperrschichten, auch davon, dass die Baufirma gar keine DIN-Normen einhalten konnte und Regressforderungen nicht möglich seien.

Doch davon weiß man beim Landkreis Nordwestmecklenburg nichts. „Es gab keine umwelttechnischen Vorgaben in Bezug auf wasserdurchlässigen Asphalt oder etwas ähnlichem“, erklärt Pressesprecherin Petra Rappen. Der Oberbau des Radweges sei entsprechend dem gültigen Regelwerk – bestehend aus zehn Zentimeter Asphaltbefestigung und 20 Zentimeter Frostschutzschicht – hergestellt. „Alles Quatsch“, sagt Ellmann. Der Radweg sei Murks. Seit Jahren wachsen die Schlehenhecken neben der Straße – nun auch direkt neben dem Radweg. „Das hätte man doch berücksichtigen müssen. Und wenn es Umweltauflagen gibt, dann bitte solche, die auch Sinn machen“, fordert der Gemeindevertreter. Denn das sei pures „Geld verpulvern“ und zudem würden die Radfahrer in Gefahr gebracht. „Wir haben als Gemeinde schon überlegt, den Weg sperren zu lassen. Im Dunkeln sieht man hier nichts. Stürzt jemand, ist das Geschrei groß“, sagt Johannes Ellmann. Im Landkreis heißt es lediglich: „Dann müssen wir ja dafür aufkommen. In anderen Ländern ist das viel schlimmer“

Und auch im Bezug auf die Schlehenhecken ist man anderer Meinung: „Nun wächst an einigen Stellen des Radweges Ackerschachtelhalm durch den Oberbau und führt dadurch zu Aufbrüchen und Rissen in der Asphaltbefestigung. Der Ackerschachtelhalm ist sehr widerstandsfähig und anscheinend in der Lage, Asphaltschichten zu durchstoßen“, lässt Petra Rappen vom entsprechenden Fachamt ausrichten. Ellmann fasst sich bei solchen Äußerungen an den Kopf: „Das ist die Höhe. Ackerschachtelhalm wächst auf sauren Böden und ist ganz sicher nicht das Problem“, sagt er und lacht.

Doch was nun? Der Landkreis habe das Problem bereits mit dem Baubetrieb besprochen, einen Vor-Ort-Termin habe es im November gegeben. Eine abschließende Stellungnahme des Baubetriebes zur Problematik stehe allerdings noch aus. „Aufgrund der Witterung könnten entsprechende Arbeiten zur Schadensbehebung erst im Frühjahr erfolgen“, ergänzte die Kreis-Sprecherin. Johannes Ellmann bleibt gespannt und auch sauer, denn noch sieht er das Problem nicht so einfach gelöst.

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