Kastanienhof : Rabiater Schnitt im Garten

Der InvasionEinhalt gebieten: Pflanzenkinder kommen auf den Kompost, obwohl es manchmal auch weh tut.
Der InvasionEinhalt gebieten: Pflanzenkinder kommen auf den Kompost, obwohl es manchmal auch weh tut.

Frühjahrsputz zwischen den Beeten: Stauden werden geteilt und überzählige Ableger vieler Pflanzen landen auf dem Kompost

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28. März 2015, 01:12 Uhr

Manchmal denke ich, dass der größte Teil der bewachsenen irdischen Landmasse in meinem Kastanienhof-Garten liegt. Na gut, etwa 30 Prozent von 510 Millionen Quadratkilometern machen etwa 153 Millionen Quadratkilometer aus. Also doch etwas größer als gefühlt. Wenn ich aber im Frühjahr sehe, dass aus jedem Samen ein Pflänzchen werden will und fast jede Staude sich innerhalb eines Jahres in ihrer Ausdehnung mindestens verdoppelt hat, könnte man schon glauben, dass alle Pflanzen dieser Welt in meinem Garten wachsen.

Das ist natürlich alles Quatsch, aber gefühlt ist es so. Auf jeden Fall versuche ich jedes Jahr aufs Neue, dieser Invasion Einhalt zu gebieten. Beim Säubern der Blumen- und Kräuterbeete, wenn ich mich mit meinem Kopf dicht über der Erdkrume bewege, sehe ich die Bescherung: Millionen von Löwenmäulchen, Bartnelken, Veilchen, Vergissmeinnicht aber auch Sonnenhutkinder, Rudbeckien und Akeleien stehen in den Startlöchern, um stattliche Pflanzen zu werden. Würde ich diesem Drängen nicht Einhalt gebieten, hätte mein Garten in wenigen Wochen den Charme eines gemischten Salats. Also raus mit den Pflanzenkindern und ab auf den Kompost, auch wenn es weh tut und ich mir fast wie ein Kindermörder vorkomme.

Bei den Stauden, die sich gleichfalls prächtig vermehrt und ausgedehnt haben, verfahre ich anders. Nicht zuletzt, weil meine Erfahrung gezeigt hat, dass Stauden auf dem Kompost nicht sterben, sondern lustig weiter wachsen und sich von dort aus vermehren. Boshafterweise sogar mit ihren Samen. Stauden werden geteilt und verschenkt oder bei anderen Gartenfreunden getauscht. Verschenkte und verkaufte Pflanzen werden in der Regel weit weg von unserem Garten wieder eingepflanzt, so dass sie bei mir keinen Schaden mehr anrichten können. Allerdings ist das Teilen von alten, ehrwürdigen Staudenhorsten nicht einfach. Oft sind sie stark ineinander verwurzelt und manchmal auch von Wildkräuterwurzeln durchzogen. Wenn sie einfach mit dem Spaten durchtrennt werden, freuen sich Brennnessel, Giersch und Schachtelhalm über die Unterstützung beim Kinder kriegen. Besser geht es mit einem Messer oder anderen Gerätschaften aus der Küche.
Bitte nicht das edle Kasumi-Küchenmesser verwenden, das gibt erfahrungsgemäß Stress. Mit einem Messer teile ich die meisten Stauden in etwa faustgroße Stücke. Bei dieser Größe lassen sich auch die Wurzeln der Wildkräuter noch gut entfernen und man erhält so ein schön verjüngtes Gewächs.

Übrigens, am morgigen Sonntag, dem 29. März, findet in Bülow wieder die Königsfelder Pflanzenbörse statt. Überzählige Stauden lassen sich dort gut verkaufen oder gegen Gewächse aus anderen Gärten eintauschen.

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